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Viel passiert

18. Februar 2015

Sehr lange war dieser Blog verwaist. Heute raffe ich mich auf und werde wieder ein paar Zeilen schreiben.
Die letzten Monate ist einiges passiert. Ich kam kaum zum Luftholen, das Leben drehte sich wie ein Karussell und hat auch noch nicht damit aufgehört.
Alles fing Ende November an. Ich hatte mich richtig gut eingearbeitet, war zwar immer noch auf Suche nach Jobalternativen wegen zu schlechter Arbeitsbedingungen, aber das wollte ich auf kommenden Sommer verschieben, um ein wenig Ruhe in unser Leben zu bringen. An bewußtem Tag rief mich dann mein Chef zu sich. Er eröffnete mir, daß er nur noch Mitarbeiter behalten wolle, die mindestens zwei Jahre Berufserfahrung hätten und daß ich mir einen anderen Job suchen solle. Vier Wochen vor Weihnachten und einen Monat vor Ablauf der Probezeit ist das nicht gerade das, was man gerne hören möchte …
Ich hatte also vier Wochen Zeit, mir eine neue Arbeitsstelle zu suchen und alles zu organisieren, die Adventszeit war somit von vornherein auf Unruhe programmiert.
Glücklicherweise schaffte ich es, in der ersten Dezemberwoche ein Vorstellungsgespräch zu ergattern und bekam zwei Wochen später den Vertrag. Nach einigem Hickhack mit meinem Chef durfte ich dann auch die letzten 10 Dezembertage überstundenfrei nehmen und es gab zumindest eine kleine Pause in dem ganzen Chaos.
Auch Silvester verlief noch ruhig. Am 2.1. trat ich meine neue Stelle an, nicht nur ein Klinikwechsel, sondern auch ein Fachwechsel, von der inneren Medizin in die Psychiatrie.
Der Januar war zwar anstrengend, aber ich fühlte mich dort gleich wohl und spürte, daß mir dieser Bereich gut liegt. Die Patienten waren interessant, ich durfte von Anfang an Gesprächstherapien führen und mit den Kollegen kam ich gut aus.
Dann kam der 7. Februar, der Tag, seit dem alles Achterbahn fährt. Die ganze Woche hatte ich schon ein komisches Gefühl gehabt. Mein großer Sohn ging nachts immer öfter auf die Toilette, hatte ständig Durst und fing ein paar Tage vorher an, extrem nach Aceton zu riechen. Ich beriet mich mit meinen Kollegen und sie meinten, sie wollten mir keine Angst machen, aber ob ich schon mal an einen Diabetes gedacht hätte. In diesem Moment setzte sich alles wie ein Puzzle zusammen. Am besagten Samstag ging ich zur Apotheke, kaufte einen Urintest zur Zuckerbestimmung und testete dann meinen Sohn. Der Test fiel so deutlich positiv aus, daß kein Zweifel mehr bestand.
Noch am gleichen Tag fuhr ich mit ihm zur Bereitschaftspraxis vor Ort, dort sind auch Kinderärzte anwesend am Wochenende. Nach der Blutzuckerbestimmung bekam ich sofort eine Krankenhauseinweisung in die Hand gedrückt, der Wert lag bei fast 500, was bereits im lebensbedrohlichen Bereich liegt …
Anschließend verbrachte ich mit meinem Kind eine Woche in der Fachklinik, es wurde rund um die Uhr Blutzucker gemessen, Insulin gespritzt und geschult. Am Sonntag löste mich dann sein Papa ab und ich wollte eigentlich wieder arbeiten gehen. Nachdem ich aber bereits beim Computer hochfahren anfing zu Weinen und nicht mehr aufhören konnte, wurde ich wieder nach Hause geschickt und bin nun für zwei Wochen krankgeschrieben. Im Krankenhaus hatte ich gut funktioniert, es handelt sich ja schließlich um mein Fachgebiet, zu Hause brach dann die ganze Sorge und Verzweiflung heraus, mir wurde dort erst das Ausmaß der Veränderungen richtig bewußt.
Die nächsten Tage wird mein Sohn hoffentlich entlassen, ich habe dann noch über eine Woche Gelegenheit, den Alltag zu organisieren, das Messen, Spritzen und BEs ausrechnen mit meinem Aupair zu üben und zu beobachten, wie sich die Zuckerwerte zu Hause verändern, denn der Tagesablauf ist ein komplett anderer als im Krankenhaus.
Er wird nun bis an sein Lebensende darauf achten müssen, wie die Blutzuckerwerte sind, vor jeder Mahlzeit ausrechnen müssen, wieviel Insulin er spritzen muß und vor allem auf die Zusammensetzung der Ernährung viel mehr achten müssen. Das muß man erstmal verdauen, sowohl er als auch die direkte Umgebung.
Vielleicht werde ich noch einen Zweitblog zum Thema eröffnen, noch fehlt mir aber Zeit und Lust. Eventuell gibt es unter meinen Lesern auch Betroffene, ich würde mich über jede Art von Austausch freuen …

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