Archive for the ‘Kluge Kinder’ Category

Alles beim Alten

16. April 2013

Vielen Dank für die vielen Antworten auf den letzten Artikel !
Die ersten Worte unserer Tochter heute beim Abholen aus der Schule waren „Mama, ich habe vorhin meine Sachen wieder in meine Klasse geräumt !“. Damit ist die Frage „Springen oder nicht“ geklärt, sie wird in der zweiten Klasse bleiben und ganz normal Ende diesen Jahres in die dritte Klasse wechseln.
Gestern, am ersten Schnuppertag, war das Töchterchen sehr aufgeregt. Ich musste mitkommen in die Klasse und sie dort abgeben (das kam seit dem ersten Schultag nicht mehr vor), zum Glück konnte sie dann neben einer ihrer besten Freundinnen sitzen. Der Tenor nach der Schule war „ging so, war ganz interessant“, die Drittklasshausaufgaben hatte sie innerhalb von 10 Minuten ohne Probleme erledigt, zu meinem Erstaunen, aber auch da meinte sie bereits, daß sie am Mittwoch wahrscheinlich wieder in ihre alte Klasse gehen würde.
Heute wurde sie scheinbar morgens schon mit Hänseleien empfangen, sämtliche Jungs zeigten mit dem Finger auf sie und riefen „da ist ja wieder die Neue !“. Da sie ein sehr sensibles Kind ist, hat sie sich das sehr zu Herzen genommen und blieb zwar dort, fühlte sich aber ziemlich unwohl.
Ich kann ihren Entschluss gut verstehen und werde nicht versuchen, sie umzustimmen. Rein vom Stoff her würde sie einen Sprung bestimmt gut bewältigen, die emotionale Komponente ist aber mindestens genauso wichtig. Sie müsste es wirklich wollen und den Ehrgeiz entwickeln alles nachzuholen und die Hänseleien ignorieren. Das kann und möchte sie nicht, lieber langweilt sie sich in ihrer jetzigen Klasse, ist dafür aber sehr beliebt und hat einen großen Freundeskreis.
Vielleicht verschwindet auch die Langeweile in den nächsten Jahren, spätestens im Gymnasium, mit höheren Anforderungen und eventuell spannenderem Lernstoff …

Springen oder nicht springen …

11. April 2013

Ab Montag geht unsere Tochter Schnuppern in der dritten Klasse. Schon länger ist immer wieder im Gespräch, sie eine Klasse überspringen zu lassen, nun hat mir die Klassenlehrerin empfohlen, sie einfach ein paar Tage „Urlaub“ in der nächsthöheren Klasse machen zu lassen.
Ich bin nach wie vor hin- und hergerissen.
Unser ältestes Kind war schon immer ein Überflieger. Mit 20 Monaten konnte sie in der Ich-Form und in ganzen Sätzen sprechen, mit zwei Jahren fragte sie nach jedem Buchstaben und jeder Zahl die ihr vor die Nase kam, mit vier konnte sie das Alphabet aufsagen (sie hatte es mit der Babysitterin geübt …), mit fünf Jahren dann Bücher flüssig lesen.
Aufgrund der Geburt ihres kleinen Bruders und unseres Hausbaus samt Umzugs verzichteten wir aber auf eine vorzeitige Einschulung und sie kam regulär, mit fast sieben Jahren in die Schule.
Seitdem langweilt sie sich immer wieder, mal mehr, mal weniger, sie möchte aber die zusätzlichen Arbeitsblätter die ihr die Lehrerin anbietet nicht nehmen, sie will nicht auffallen und das machen, was alle anderen machen.
Der Gedanke der Lehrerin ist nun, daß sie, wenn sie in der höheren Klasse wäre, nicht mehr auffallen würde, denn vom Wissensstand wäre sie auf einem ähnlichen Niveau und auch körperlich und sozial ist sie den Älteren gewachsen.
Die Begeisterung der Tochter hält sich in Grenzen, sie gibt ungern Gewohntes auf, und ich bin gespannt, was sie nächste Woche erzählen wird. Die entgültige Entscheidung liegt sowieso bei ihr allein, ich werde mich nicht einmischen und möchte einfach, daß unser Kind glücklich ist.
Falls sie springen würde, wäre sie Ende nächsten Jahres schon auf dem Gymnasium und müsste allein mit dem Bus in die nächste Stadt fahren, mit neun Jahren. Für mich ein eher gewöhnungsbedürftiger Gedanke.
Andererseits wäre sie endlich richtig gefordert und würde sich nicht mehr als Sonderling fühlen, wie es jetzt ab und zu der Fall ist …
Hat jemand hier Erfahrungen mit diesem Thema ? Ich wäre froh über jeden hilfreichen Kommentar …
Hier noch ein aktuelles Foto vom Töchterlein, kurz nach einer Hauruckaktion in Sachen Haare abschneiden – um sechs Uhr morgens stand sie vor mir und bat mich, ihr umgehend eine Kurzhaarfrisur zu zaubern. In solchen Dingen ist sie mehr als spontan …

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Guter Ansatz ;-)

3. Juli 2012

Vorhin herrschte verdächtige Stille im Haus. Stille verheißt normalerweise nichts Gutes, schon gar nicht, wenn ein Kleinkind mit von der Partie ist.

Also lugte ich um die Ecke und sah meinen Jüngsten, hinter sich eine meterlange Klopapierschlange. Diese reichte einmal quer durchs Haus, das Gästebad befindet sich nämlich genau am anderen Ende von der Küche aus gesehen.

Zum Glück bemerkte ich auch noch rechtzeitig die Lache am Boden …

Prinzipiell ist der Ansatz schon mal gut. Kind macht Pipi und besorgt sich etwas zum Abputzen. Nur an der Ortwahl müssen wir noch arbeiten 🙂 …

Großwerden

26. April 2012

Seit ein paar Tage versuche ich, den Kleinsten zum alleine Einschlafen zu überreden. Nicht a la Ferber oder ähnliches, nein, ich sage ihm einfach, daß er müde ist und einschlafen soll, küsse ihn und verlasse das Zimmer.

Hat anfangs nicht wirklich funktioniert. Es gab großes Gebrülle, also stillte ich das Bedürfnis unseres Kindes nach Nähe beim Einschlafen und legte mich noch eine Runde zu ihm.

Heute vormittag wieder ein quengeliges Kleinkind, das bereits kurz vor 6 Uhr aufgestanden war und nun gegen 10 Uhr bettreif war. Ich beförderte ihn also in sein Bett und nachdem er während meiner Anwesenheit nur herumkasperte, verließ ich das Zimmer mit den Worten „ich räume jetzt die Küche auf und Du schläfst ein bißchen.“. Unten angekommen hörte ich durch die offene Tür noch leise Proteste, nach einem „schlaf doch einfach ein wenig und komm dann runter zu Mama“ herrschte jedoch Ruhe. Als ich 5 Minuten später neugierig nach oben schlich und nachschaute, lag das Kind platt im Bett und schlief selig :-).

Mir zeigt dieses Ereignis einmal mehr, wie selbstständig und verständig Kinder auch in diesem Alter schon sind bzw. sein können wenn sie wollen  und wieder ist der kleine Sohn ein Stückchen größer geworden …

Gestern überraschten mich auch die großen Kinder. Ich unternahm mit ihnen einen Ausflug in den Nachbarort mit dem Fahrrad, immerhin ca. 5 km einfach. Der große Sohn murrt sonst gerne, wenn es anstrengend wird, dieses Mal zeigte er aber wahre Ausdauer. Wir fuhren die Strecke in etwa 20 Minuten, aßen dort ein Eis, gingen Einkaufen und waren innerorts auch noch einige Zeit unterwegs, anschließend ging es genauso flott zurück, am Schluß gab unser Sohn sogar nochmal richtig Gas und ward nicht mehr gesehen. Das allerdings nahm ich ihm schon ein wenig übel, denn er überquerte auch ganz alleine eine Ortsdurchgangsstraße kurz vor unserem Zuhause ohne auf mich zu warten, und er ist zwar sehr vorsichtig und schaut fleissig hin und her, trotzdem finde ich 5 Jahre einfach noch zu jung für eine unbeaufsichtige Hauptstraßenüberquerung. Er zeigte sich aber reuig und so wie ich ihn kenne, wird er beim nächsten Mal warten …

Zusammen mit der großen Schwester darf er aber schon länger alleine durchs Dorf, gestern mittag retteten die Beiden mich, indem sie noch schnell zum Bäcker sausten und dort Baguette fürs Mittagessen einkauften. Mich entlasten solche Botengänge enorm und obwohl ein kleines bißchen Restunsicherheit bzw. mulmiges Gefühl da ist, weiß ich, daß ich mich auf meine Großen verlassen kann und sie sehr gut ohne mich zurechtkommen. Außerdem sind sie wahnsinnig stolz auf sich und das Selbstbewußtsein wächst gefühlte 10 Meter, genauso stolz bin ich aber auch als Mama …

So oft habe ich während der Babyzeit den Satz gehört „Jaja, wenn sie so klein sind, sind sie noch richtig lieb und süß“. Ich konnte damals schon nicht verstehen, wieso Kinder nur im Babyalter lieb und süß sein sollen. Und ich kann es immer noch nicht verstehen. Mir geht das Herz auf vor Stolz und Freude, wenn ich meine Kinder beobachte. Ich finde sie nach wie vor lieb und süß. Sicher gibt es auch Tage, da möchte ich sie an die Wand klatschen oder auf den Mond schießen, manchmal weiß ich nicht weiter weil etwas holprig läuft in unserer Mutter-Kind-Beziehung, aber das gehört auch dazu. Es gibt kein Licht ohne Schatten. …

Früh übt sich …

17. August 2011

Die letzten Tage wurden hier eifrig neue Fertigkeiten erworben. Die Älteste übte schon mal für später das Tragen im Ergo Carrier. Der Mittlere probte den Einsatz am Herd. Und das jüngste Familienmitglied trainierte das Öffnen von Schubladen – auch Köche fangen klein an 😉

Alltag ohne Windel

10. August 2011

Für alle Interessierten hier wieder ein Zwischenbericht zum Thema Windelfrei.

Seit nunmehr fast 5 Monaten ist unser Jüngster windelfrei. Die ersten beiden Monate wurde er noch normal gewickelt, nachdem mich aber eine andere Kindergartenmutter motiviert hatte, fing ich probehalber an, unseren Sohn abzuhalten. Dadurch daß er das Abhalten so gut annahm und sich zunehmend von sich aus meldete, blieb ich dabei.

Die ersten Wochen stresste ich mich selber manchmal sehr. Ich versuche immer, ein Auge auf unseren Sohn zu haben bzw. ein Ohr, war frustriert, wenn ich seine Zeichen fehldeutete und zwischendurch dachte ich auch darüber nach, die Sache aufzugeben.

Mittlerweile hat sich alles gut eingespielt. Ich halte ihn nach jeder Mahlzeit und jedem Schläfchen ab, denn da muß er eigentlich immer bis auf wenige Ausnahmen und lässt sich auch bereitwillig abhalten. Wenn er nicht gerade in einem Entwicklungsschub steckt, meldet er sich von alleine auch zwischendurch, so wie heute, als ich mit ihm im Kinderwagen unterwegs war und er plötzlich laut losjammerte, bis ich ihn in den nächsten Busch hielt und er endlich pieseln konnte :-). Danach war wieder Ruhe und er war rundum zufrieden …

Wenn er sich gerade in einem Entwicklungsschub befindet, funktioniert das Windelfrei nur eingeschränkt. Nach den Mahlzeiten und nach dem Schlafen ja, zwischendurch meldet er sich dann aber nicht bzw. wehrt sich massiv, wenn ich ihn von mir aus prophylaktisch abhalten möchte (sonst akzeptiert er das ohne Meckern). In solchen Zeiten ziehe ich ihm einfach durchgehend eine Windel an, wechsle diese aber relativ häufig.

Was mich immer wieder fasziniert ist, daß das Windelfrei nachts so gut funktioniert. 2-3 Mal werde ich von ihm nachts geweckt, er gibt dann spezifische Töne von sich, die nicht besonders laut sind, mich aber sofort aus dem Tiefschlaf reißen. Halte ich ihn dann ab, pieselt er sofort los (erstaunlich große Mengen, da er zwischendurch meist 3-4 Stunden aushält) und schläft danach augenblicklich wieder ein …

Keine Ahnung, wo uns das noch hinführt. Ich habe kein bestimmtes Ziel vor Augen oder erhoffe mir irgendetwas davon, es macht uns einfach Beiden nur Spaß und sowohl für ihn als auch für mich ist es angenehmer als volle Windeln. Der Kostenfaktor spielt für mich keine große Rolle, aber die Müllvermeidung ist enorm, statt 3000 Windeln pro Jahr werden wir denke ich bei ca. 500 landen.

Insgesamt wäre das Alles besser praktikabel, wenn unsere Gesellschaft darüber aufgeklärt wäre (die meisten denken es handle sich um „Töpfchentraining“, das ist es aber definitiv nicht, sondern einfach der Erhalt der Signale, die Babies von Geburt an von sich geben, wenn sie ausscheiden müssen). Vielen habe ich davon erzählt, einige reagieren durchaus positiv, andere sehen nur Negatives darin. Jeder aber der unseren Sohn regelmässig sieht und erlebt weiß, daß er ein rundum zufriedenes, ausgeglichenes und glückliches Baby ist. Ich denke sogar, daß er sich so wesentlich wohler fühlt, denn nicht nur sein Bedürfnis nach Nahrung, Schlaf und Kuscheln wird erfüllt, sondern auch das nach trocken und sauber fühlen.

Mittlerweile ist es mir auch größtenteils egal, was die Leute denken. Wenn andere ihre 2-3jährigen Kinder an Büsche halten weil es schnell gehen muß, wieso darf ich das nicht mit meinem 7 Monate alten Sohn ?

Willensstark

27. Juli 2011

Unser Jüngster ist schon jetzt ein sehr willensstarkes Kind. Vielleicht auch verstärkt durch sein Sternzeichen, geboren ist er im Zeichen des Steinbocks (genau wie die große Schwester, die auch schon immer mit dem Kopf durch die Wand wollte).

Gerade mal 6 Monate alt weiß er schon genau was er will und versucht auch, es durchzusetzen. Z.B. das Thema Beikost. Mit Brei brauche ich unserem Sohn gar nicht erst zu kommen. Egal welche Konsistenz er hat, egal aus was er hergestellt wurde, egal ob selbstgekocht oder gekauft, jegliche Breikostversuche werden mit einem angeekelten Würgen quittiert und es kommt mehr heraus aus dem Mund, als hineingefüttert wurde …

Wenn er aber mit am Tisch sitzen kann (und das wird lautstark eingefordert), dann futtert er wie ein Wilder. Und zwar nichts Püriertes, sondern ganze Stücke, die er selber halten kann (selbst Versuche, ihm diese von uns aus anzubieten, scheitern kläglich). Ganze Brotscheiben, halbe Pfirsiche, Käsestücke, alles wird in den Mund gestopft und so weit es geht auch geschluckt (mangels Zähnen funktioniert das nur eingeschränkt, er versucht es aber trotzdem …). Selbst wenn er sich mal verschluckt (kommt erstaunlicherweise selten vor) hustet er ein paar Mal und der Übeltäter fliegt in einer Spuckefontäne wieder aus dem Mund heraus :-). Natürlich gebe ich ihm trotzdem noch nichts in die Hand, was wirklich zum Ersticken führen könnte, wie z.B. Apfelstücke oder ähnliches.

Genauso lautstark tut er kund, wenn er mit seinen Geschwistern spielen möchte und diese ihn ignorieren bzw. wenn er auf meinen Arm möchte und ich ihn gerade nicht nehmen kann. Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe ein wesentlich älteres Kind vor mir, das ist schon ein wenig merkwürdig.

Selbst wenn er nicht schlafen möchte, kann er stundenlang wachbleiben ohne Einzunicken. Der größere Bruder hingegen hatte es sogar ein Mal geschafft, vor der laufenden Waschmaschine am Boden einzuschlafen – da war er allerdings bereits 3 Jahre alt ! Genauso energisch wird er aber, wenn er unbedingt jetzt sofort und gleich ins Bett möchte, dann hört er nicht auf zu strampeln und zu schreien, bis ich ihn hingelegt habe.

Manchmal ist das alles ziemlich anstrengend, ich finde es aber sehr gut, daß er sich durchsetzen kann und sich nichts aufschwatzen lässt was er nicht möchte, später wird ihm das sicher zugute kommen. Im Gegenteil, ich bewundere dieses kleine Wesen, das sich seinen Platz längst erobert hat und diesen vehement verteidigt und ausbaut 🙂

Erziehung – Beziehung

20. Juli 2011

Als ich gerade bei „Mairlynd“ den letzten Blogbeitrag las ging mir so einiges durch den Kopf.

Ich dachte über die Erziehung unserer Kinder nach. Über meine eigene Erziehung. Was Erziehung in den jeweiligen Jahrzehnten/Jahrhunderten bedeutete. Und daß eigentlich alle Kinder zum etwa gleichen Zeitpunkt gewisse Phasen durchmachen. Phasen, die in der Summe dann im Erwachsensein münden. Oder zumindest münden sollten, wenn sie ungestört durchlaufen werden konnten.

ERziehung ist in meinen Augen vor allem auch BEziehung. Was nützt mir alles Bitten, Schimpfen, Drohen, Belohnen und anderes, wenn ich nicht die gleiche Sprache spreche wie mein Kind ? Was bringen jegliche Kommunikationsversuche, wenn sie am Kind vorbeigehen ? Wie soll Respekt entstehen, wenn kein Gegenrespekt besteht ?

Beim ersten Kind war ich noch fast panisch, als es in die berühmte „Trotzphase“ oder die „Terrible Two“ kam. Bis dahin war unsere Tochter ein Traumkind. Ruhig, höflich, fröhlich und freundlich, beinahe nie laut oder aggressiv. Dann wurde sie zweieinhalb. Und ich erkannte mein Kind nicht wieder. Sie schlug nach mir. Sie provozierte, wo es nur ging. Sie hörte nicht auf mich, egal um was es ging. Und ich verzweifelte. Probierte alles mögliche aus. Vor lauter Schlafmangel und Stress (als sie 20 Monate alt war, kam unser Sohn auf die Welt) schrie ich dann doch oft nur noch herum, drohte und schimpfte, was die ganze Sache noch schlimmer machte. Ich hatte keinerlei Vertrauen mehr in meine Erziehungsfähigkeiten und dachte, ich hätte alles falsch gemacht.

Und dann, irgendwann kurz vor ihrem dritten Geburtstag, war es als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte. Plötzlich war sie wieder ruhig, freundlich und ausgeglichen. Wir konnten miteinander reden ohne Streit, sie hörte auf Warnungen oder Verbote und alles war wieder harmonisch. Bis sie etwa dreieinhalb Jahre alt war und das Spiel von Neuem begann. Dieses Mal war ich allerdings schon vorbereitet, außerdem stand ja Kind Nr.2 bereits in den Startlöchern für Phase Nr.1 …

Seitdem wiederholen sich solche Phasen regelmässig. Und meist wenn ich denke, ich drehe bald durch und halte es nicht mehr aus, endet die Phase wieder. Es ist immer noch anstrengend und zeitweise sehr nervenaufreibend, aber ich kann mittlerweile gut damit umgehen.

In den letzten Jahren habe ich sehr viele Bücher über Erziehung gelesen. In machen habe ich mich wiedergefunden, viele fand ich furchtbar einseitig und starr. Sehr gefallen mir die Bücher von Jesper Juul, der Ansatz, das Kind zu größtmöglicher Selbstständigkeit zu erziehen und es als intelligenten, kooperationswilligen Menschen und nicht als niedere, rohe Kreatur anzusehen, ist meines Erachtens ein sehr guter. Keinesfalls muß man Kinder zurechtbiegen, -schleifen, – was auch immer, das Meiste steckt schon in ihnen und muß höchstens den jeweiligen Gesellschaftsregeln etwas angepasst werden. Kinder sind in vielem klüger, ehrlicher und vorurteilsfreier als die meisten Erwachsenen und ich finde es sehr schade, daß dies im Lauf der Zeit oft verlorengeht bzw. ausgetrieben wird.

Jede „Phase“ ist ein Reifungsprozess. Und wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann ist es, während dieser Phasen einfach Ruhe zu bewahren. Mit dem Strom zu schwimmen und nicht versuchen, dagegenzurudern. Das Kind als einen Schiffbrüchigen anzusehen, der gegen hohen Seegang ankämpft und ihm, statt es unter Wasser zu drücken, dann und wann einen Rettungsring zuwirft.

Jetzt in diesem Moment liegt ein noch sehr kleiner Mensch neben mir. Gerade 6 Monate alt geworden ist er, und kämpft doch schon mit den verschiedensten Veränderungen, ist unruhig, kann nicht schlafen, motzt und schreit teilweise sehr viel, aber es macht mir nicht mehr viel aus. Ich weiß, daß danach wieder eine wunderbare Phase der Zufriedenheit und vieler überraschender neuer Fähigkeiten kommen wird. Daß er, obwohl ich ihn ab und zu an die Wand klatschen möchte, momentan alle Liebe und Zuwendung braucht, die ich habe. Genau wie ein 3-, 4- oder 15-Jähriger, der im Umbruch steckt.

Alles was man für eine gute Erziehung braucht ist tonnenweise Geduld, Vertrauen und eine gute Selbstkenntnis. Am Wichtigsten ist nämlich denke ich für jedes Kind, authentische Eltern vor sich zu haben. Die sagen, was sie denken und fühlen, und nicht versuchen, ein anderer zu sein. Und vor allem Eltern, die das, was sie beim Kind an Eigenschaften sehen möchten, selber vorleben. Das fängt an beim höflichen Umgang mit dem Kind und hört auf beim Fahrradhelm aufsetzen bei der gemeinsamen Radtour …

Und wer glaubt, beim zweiten, dritten, vierten Kind alles perfekt machen zu können, der irrt. Jedes Kind ist anders, obwohl jedes Kind ähnliche Phasen durchläuft. Und jedes Kind wird auf das Auftreten der Eltern anders reagieren. Die Kunst ist es, wie oben geschrieben die Nerven zu bewahren und alles in Ruhe auf sich zukommen zu lassen. Und dann individuell zu reagieren. Und darauf zu vertrauen, daß sich auch dieses Mal alles mit der Zeit von selber fügt ..

Minigrabscher

28. Mai 2011

Seit seinem 4-Monats-Geburtstag kann unser kleiner Sohn nun bewußt greifen. Und seitdem ist nichts mehr sicher vor ihm …

Vor kurzem standen wir auf dem Rückweg vom Kindergarten vor den geschlossenen S-Bahnschranken. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich zum Kleinsten hinüberzubeugen, um den Schnuller zu suchen, den er wieder einmal durch die Gegend geworfen hatte. In dem Moment griff er beherzt zu und hielt mich am Haarschopf fest, um mich anschließend zu sich hinzuziehen :-). Natürlich gingen genau in diesem Moment die Schranken nach oben und ich hatte wirklich Mühe, mich rechtzeitig wieder zu befreien …

Beim Einkaufen im Tragetuch greift er nach beiden Seiten und wenn ich nicht aufpasse, kauft er mit ein.

Er popelt in den Nasen seiner Geschwister, untersucht die Zähne der gesamten Familie und zieht an jedem Kabel, das in seine Reichweite gelangt (und da der Bewegungsradius täglich zunimmt, wird es langsam gefährlich, ihn länger als 2 Minuten aus den Augen zu lassen).

Natürlich kann er nun auch Spielzeuge greifen und betasten, die sind aber nicht halb so interessant wie der Rest seiner Umwelt.

Am meisten freut ihn, daß er nun den Schnuller selber in die Hand nehmen kann, nur das alleine in den Mund stecken klappt noch nicht so ganz, meist landet der Griff im Mund und nicht der Sauger 😉

Und natürlich kann man mit dieser Fähigkeit auch Kuschelpartner zum Einschlafen herholen, ohne nach Mama rufen zu müssen 🙂

Kurswechsel

30. April 2011

So, ich habe es getan. Eben habe ich meine Bestellung für Stoffwindeln und Wollüberhosen abgeschickt, ab jetzt gibt es hier keine „Plastikwindeln“ mehr. Lange habe ich hin und her überlegt. Habe Erfahrungsberichte gelesen, mehrere Onlineshops durchstöbert, ausgerechnet, wieviel wir für P.ampers im Jahr ausgeben und wieviel Müll dadurch entsteht (immerhin braucht man bis zu 3000 Windeln pro Jahr !), mir überlegt, ob ich bereit bin, die Sache mit dem Windelfrei weiter so durchzuziehen wie bisher. Und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich die „normalen“ Windeln sowieso schon immer doof fand und nun bereit bin für das Wagnis „Naturwindeln“.

Bestellt habe ich „Schlüpfis“ von „Storchenkinder“ und Wollüberhosen. Außerdem Hemdchen, da ich Bodies einfach blöd finde (vor allem beim Thema Windelfrei). Insgesamt kostet der Spaß 150 Euro, wenn man aber bedenkt, daß ein Jahresvorrat an „Plastikwindeln“ ca. 3-4 Mal soviel kostet, ist das noch erschwinglich.

Gründe habe ich mehrere. Erstens weniger Müll. Zweitens angenehmer für die Haut. Drittens praktischer beim „Windelfrei“, da sich die Schlüpfis schnell an- und ausziehen lassen.

Heute bin ich sogar zum ersten Mal auf einen Parkplatz gefahren, weil unser Sohn ganz unruhig wurde, quengelte und offensichtlich pieseln musste. Im ersten Moment kommt man sich da schon ein wenig blöd vor, für einen 3 Monate alten Säugling rechts ranzufahren 😉

Als ich ihn aber ausgepackt und aus der Autotür gehalten hatte, kam ein großes Pipi herausgesprudelt und anschließend schlief das Kind selig ein. Soviel zu „Babies spüren das doch gar nicht …“. Am Nachmittag waren wir dann unterwegs mit den Großen, auf einem Spielenachmittag, insgesamt 2 Stunden lang. Als ich nach Hause kam, war die Windel immer noch trocken, als ich den Sohn abhielt, kam ein Bach heraus, mit dem er dem großen Bruder Konkurrenz machen könnte. Nachts ist die Windel sowieso fast immer trocken, sie wird nur leicht feucht wenn ich nicht sofort reagiere, weil ich manchmal etwas länger brauche bis ich aus dem Tiefschlaf aufgewacht bin.

Ich bin nach wie vor sehr fasziniert und beeindruckt, hätte ich doch nie gedacht, daß es wirklich funktioniert (ich weiß, ich wiederhole mich …). Da muß man erst 3 Kinder bekommen, um sich dranzuwagen, schade, daß ich vorher nicht die Motivation dazu hatte …

Nun freue ich mich auf den Sommer. Endlich nicht mehr dieses Herumgepule, ein nackig strampelndes Kind auch draußen im Garten und Abhalten können an der frischen Luft (allerdings weiß ich noch nicht, ob ich mich das in Sichtkontakt mit anderen Menschen traue, die Blicke sind doch recht seltsam, wenn das Kind nicht älter als 2 Jahre ist, dann wohl eher heimlich hinter Büschen) …