Viel passiert

Sehr lange war dieser Blog verwaist. Heute raffe ich mich auf und werde wieder ein paar Zeilen schreiben.
Die letzten Monate ist einiges passiert. Ich kam kaum zum Luftholen, das Leben drehte sich wie ein Karussell und hat auch noch nicht damit aufgehört.
Alles fing Ende November an. Ich hatte mich richtig gut eingearbeitet, war zwar immer noch auf Suche nach Jobalternativen wegen zu schlechter Arbeitsbedingungen, aber das wollte ich auf kommenden Sommer verschieben, um ein wenig Ruhe in unser Leben zu bringen. An bewußtem Tag rief mich dann mein Chef zu sich. Er eröffnete mir, daß er nur noch Mitarbeiter behalten wolle, die mindestens zwei Jahre Berufserfahrung hätten und daß ich mir einen anderen Job suchen solle. Vier Wochen vor Weihnachten und einen Monat vor Ablauf der Probezeit ist das nicht gerade das, was man gerne hören möchte …
Ich hatte also vier Wochen Zeit, mir eine neue Arbeitsstelle zu suchen und alles zu organisieren, die Adventszeit war somit von vornherein auf Unruhe programmiert.
Glücklicherweise schaffte ich es, in der ersten Dezemberwoche ein Vorstellungsgespräch zu ergattern und bekam zwei Wochen später den Vertrag. Nach einigem Hickhack mit meinem Chef durfte ich dann auch die letzten 10 Dezembertage überstundenfrei nehmen und es gab zumindest eine kleine Pause in dem ganzen Chaos.
Auch Silvester verlief noch ruhig. Am 2.1. trat ich meine neue Stelle an, nicht nur ein Klinikwechsel, sondern auch ein Fachwechsel, von der inneren Medizin in die Psychiatrie.
Der Januar war zwar anstrengend, aber ich fühlte mich dort gleich wohl und spürte, daß mir dieser Bereich gut liegt. Die Patienten waren interessant, ich durfte von Anfang an Gesprächstherapien führen und mit den Kollegen kam ich gut aus.
Dann kam der 7. Februar, der Tag, seit dem alles Achterbahn fährt. Die ganze Woche hatte ich schon ein komisches Gefühl gehabt. Mein großer Sohn ging nachts immer öfter auf die Toilette, hatte ständig Durst und fing ein paar Tage vorher an, extrem nach Aceton zu riechen. Ich beriet mich mit meinen Kollegen und sie meinten, sie wollten mir keine Angst machen, aber ob ich schon mal an einen Diabetes gedacht hätte. In diesem Moment setzte sich alles wie ein Puzzle zusammen. Am besagten Samstag ging ich zur Apotheke, kaufte einen Urintest zur Zuckerbestimmung und testete dann meinen Sohn. Der Test fiel so deutlich positiv aus, daß kein Zweifel mehr bestand.
Noch am gleichen Tag fuhr ich mit ihm zur Bereitschaftspraxis vor Ort, dort sind auch Kinderärzte anwesend am Wochenende. Nach der Blutzuckerbestimmung bekam ich sofort eine Krankenhauseinweisung in die Hand gedrückt, der Wert lag bei fast 500, was bereits im lebensbedrohlichen Bereich liegt …
Anschließend verbrachte ich mit meinem Kind eine Woche in der Fachklinik, es wurde rund um die Uhr Blutzucker gemessen, Insulin gespritzt und geschult. Am Sonntag löste mich dann sein Papa ab und ich wollte eigentlich wieder arbeiten gehen. Nachdem ich aber bereits beim Computer hochfahren anfing zu Weinen und nicht mehr aufhören konnte, wurde ich wieder nach Hause geschickt und bin nun für zwei Wochen krankgeschrieben. Im Krankenhaus hatte ich gut funktioniert, es handelt sich ja schließlich um mein Fachgebiet, zu Hause brach dann die ganze Sorge und Verzweiflung heraus, mir wurde dort erst das Ausmaß der Veränderungen richtig bewußt.
Die nächsten Tage wird mein Sohn hoffentlich entlassen, ich habe dann noch über eine Woche Gelegenheit, den Alltag zu organisieren, das Messen, Spritzen und BEs ausrechnen mit meinem Aupair zu üben und zu beobachten, wie sich die Zuckerwerte zu Hause verändern, denn der Tagesablauf ist ein komplett anderer als im Krankenhaus.
Er wird nun bis an sein Lebensende darauf achten müssen, wie die Blutzuckerwerte sind, vor jeder Mahlzeit ausrechnen müssen, wieviel Insulin er spritzen muß und vor allem auf die Zusammensetzung der Ernährung viel mehr achten müssen. Das muß man erstmal verdauen, sowohl er als auch die direkte Umgebung.
Vielleicht werde ich noch einen Zweitblog zum Thema eröffnen, noch fehlt mir aber Zeit und Lust. Eventuell gibt es unter meinen Lesern auch Betroffene, ich würde mich über jede Art von Austausch freuen …

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12 Antworten to “Viel passiert”

  1. Eva Says:

    Ja, ich! Meine 8 jährige Tochter hat seit August 2014 Diabetes und ich kann Dir alles so gut nachfühlen. Wir stehen auch noch relativ am Anfang, aber wenn Du Dich austauschen möchtest, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen. Wann immer Du die Zeit dafür findest. Lg, Eva

  2. io Says:

    Oh nein, ich wünsch Euch gute Nerven und alles, alles Gute. Mehr fällt mir nicht ein.

  3. Josefieni Says:

    Was für Stress!
    Ich habe mal einen Film über Diabetikerhunde gesehen. Ich kann mir vorstellen, dass ein Hund in der Situation für Deine Familiäre sowieso toll wäre, und Dir und Deinem Sohn kann er Sicherheit geben, gerade wenn Du nicht aufpassen kannst. Diese Diabetikerhunde können Unterzuckerungen riechen und helfen so, z.B. Beim Sport, wenn der Bz rasch abfallen kann.
    Liebe Grüße Josefieni

    • tekelek Says:

      Hallo,

      leider werden diese Hunde nicht von der Kasse mitfinanziert, kosten aber zwischen 16000 und 20000 Euro. Soviel Geld kann ich leider nicht aufbringen, die Idee hatte ich nämlich auch schon und finde diese Möglichkeit sehr interessant …

      Liebe Grüsse,

      Katrin

  4. Meeresrauschen Says:

    Ach, so ein Mist! Manchmal hat man das Gefühl aus so einem Pechtal gar nicht mehr rauszukommen. Ich drücke euch die Daumen, dass der Wechsel Krankenhaus – zu Hause gut klappt und dein Sohn mit dem Insulinspritzen gut klarkommt. Und dir drücke die Daumen, dass du es schaffst, dich an die neue Situation zu gewöhnen. Ansonsten wünsche ich euch einfach alles Gute und ein paar schöne Monate, die deutlich besser sind als die vergangenen.
    Liebe Grüße,
    Kathrin

  5. Anika Witte Says:

    Hallo Katrin,
    wir wünschen euch viel Kraft für die kommende Zeit.
    Ich würde mit dem Verein der Diabetikerwarnhunde mal in Kontakt treten, ofter können diese auch zum Teil durch Spenden mitfinanziert werden!

    LG Anika

  6. kaanu Says:

    Ein Bekannter, der an Diabetis erkrank ist, hat zuletzt hiervon erzählt: http://www.freestylelibre.de/?utm_source=ADC&utm_medium=Linkv1&utm_campaign=Weichenseite&medium=gaw&detail=ad01&src=adc_brand
    Ich weiss nicht, ob es die Krankenkassen schon anerkannt haben, aber es hört sich sehr interessant an.
    Alles Gute!

  7. Anne Harenberg Says:

    Meine Tochter hat seit April 2012 DIabetes, sie war damals erst 4…ich kann sehr gut nachfühlen, wie es dir geht. Ein kleiner Trost, wir „begehen“ (feiern möchte ich es nicht nennen) bald den dritten Diabetes-Geburtstag und das Leben hat sich normalisiert. Diabetes ist Alltag in unserer Familie geworden und meine Tochter hat sehr gut gelernt, mit ihrer Krankheit umzugehen…es gibt immer noch Auf und Abs, aber es nicht mehr jedes Mal die Welt unter, wenn der Blutzucker nicht stimmt. Kopf hoch, ihr schafft das! Ich stehe auch gerne zum Austausch bereit, obwohl ich in Dubai wohne und die Krankheit hier ganz anders „betreut“ wird als in Deutschland…Lg, Anne

  8. maike Says:

    Bei mir wurde Diabetes während der 2. SS diagnostiziert. Der Blutzuckerbelastungstest war grenzwertig, mein Arzt war aber irgendwie nicht zufrieden und hat mich zur Diabetologin geschickt. Und die hat den Verdacht dann bestätigt. Anfangs war’s ein Schock, inzwischen kann ich gut damit leben.
    Ich wünsche Euch alles Gute 🙂

  9. Heike Says:

    Alles Gute euch. Mir fehlen leider die Worte. Trotzdem der Wunsch nach Kraft und besseren Zeiten.

  10. babusanne Says:

    Wir sehen es wie einen Rucksack, den wir beständig bei uns tragen….unser 5. Kind ( heute fast 17) hat seit annähernd 8 Jahren Diabetes Typ1. Gerade lernen wir, dass er den Rucksack trägt ……irgendwann, recht schnell eigentlich, wird es „Alltag“ , wichtig finde ich es relativ gelassen zu sehen, es gibt eine Menge Unwägbarbeiten, die die BZ Werte beeinflussen. Und :alles hat niemand im Griff….sie werden dennoch rauchen oder was auch immer……es wird sie nicht zurückhalten, sich unter Umständen (Pubertät) nicht gerade gesundheitsförderlich zu verhalten. Wenn du jetzt noch nichts mit meinen Worten anfangen kannst, druck sie dir aus, denn der Tag wird kommen……aber alles in allem: ihr/ du/dein Kind schafft das! es lässt sich recht gut damit leben und ich hoffe auf die Zukunft und erleichternde technische Fortschritte.
    herzlichst
    Sanne

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