Archive for the ‘Erziehung’ Category

Zuviel Watte

26. Juni 2013

Zur Zeit haben wir fast täglich den neuesten Schwarm unserer Tochter hier im Haus. Ich erlebe ihn als höflichen, freundlichen, aber auch ganz normal wilden Zehnjährigen, wie Jungs eben so sind.
Heute unterhielt ich mich mit einer anderen Mutter über dieses Kind. Sie erzählte dann, daß der arme Junge völlig unbeaufsichtigt sei und sich die Mutter kaum um ihn kümmere (er hat noch drei Brüder). Außerdem hätte er nur Unsinn im Kopf und würde lauter dumme Sachen machen.
Auf meine Nachfrage, was das denn für schlimme Sachen seien, kam die Antwort „Na, zum Beispiel klettert er in ganz hohe Bäume und ich denke mir immer, er bricht sich bald den Hals“.
Das macht mich immer nachdenklich. Ich selber springe auch nicht den ganzen Tag hinter meinen Kindern her. Oft weiß ich nicht einmal, wo sie sich gerade befinden. Ich vertraue ihnen und weiß, daß sie sich nur an Vorhaben herantrauen, die sie auch bewältigen können, sie passen gut auf sich auf. Und wenn sie sich von unserer Straße entfernen wollen, fragen sie vorher nach.
Sie klettern ebenfalls auf hohe Bäume, manchmal bin ich froh, daß ich da nicht dabei bin, sie fahren Wettrennen mit ihren Rollern (manchmal auch ohne Helm, da schreite ich aber sofort ein, denn mit Kopfverletzungen ist nicht zu spaßen) und kämpfen mit Stöcken.
Manchmal gibt es auch kleine Verletzungen, dann wird bei mir ein Pflaster und etwas Mamatrost abgeholt, bevor es weitergeht.
Beim Kinderturnen ist es dasselbe. Die Mütter stehen immer bereit, um ihre Kinder vor Stürzen oder ähnlichem zu bewahren bzw. ermahnen die Kinder durchgehend, auf potentielle Gefahren zu achten, ohne daß diese auch mal selber ausprobieren können, daß es wehtun kann, wenn man zu wild von einem Kasten herunterspringt oder beim Klettern abrutscht, weil man sich nicht ausreichend festgehalten hat.
Ich habe unsere Kinder immer nur auf mögliche Folgen ihres Handelns aufmerksam gemacht und sie dann machen lassen. Es gab anfangs sehr viele Stürze, Wehgeschrei und blaue Flecken. Sie lernten aber sehr schnell ihre eigenen Grenzen und ihren Körper kennen und beherrschen ihn nun weitestgehend perfekt.
Mir macht dieses in Watte packen ziemlich Sorge. Es geht dabei nicht nur um körperliche Aktionen. Die Kinder müssen heute kaum noch Frustrationen aushalten, viele Eltern trauen sich nicht, einfach „Nein !“ zu sagen und authentisch zu bleiben, stattdessen wird in Streit mit anderen Kindern eingegriffen, ein „Nein !“ wird zu oft aufgeweicht und jeder Weltschmerzanfall wird überbewertet.
Oder es wird krampfhaft versucht „Grenzen“ zu setzen, die aber oft überhaupt nicht sinnvoll sind bzw. gar nicht die Grenzen der Eltern, sondern den Kindern künstlich aufgezwungene.
Immer wieder komme ich in Situationen, die mich schlicht sprachlos zurücklassen. In denen ich das Gefühl bekomme, in einer Parallelwelt zu leben.
Was meine Kinder von mir bekommen ist uneingeschränkte Liebe und Vertrauen, und eine Mutter, die sagt was sie denkt und fühlt. Im Gegenzug begegnen mir Kinder, die sehr selbstbewusst und lebensfroh sind, und ihr Leben immer mehr ohne meine Hilfe regeln können. Alles Dinge, die ich wichtig für das spätere Leben erachte und deren erleben mich beruhigt.
In diesem Sinne, nicht in Watte packen, sondern sich ausprobieren lassen und eigene Erfahrungen machen lassen …

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Ich-Entdeckung

22. März 2013

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26 Monate ist unser Jüngster nun schon alt. Und mitten in der Ich-Entdeckungsphase. Ich hasse das Wort Trotzphase, es klingt so dermaßen negativ und vielfach wird diese Zeit auch als sehr anstrengend und nervig erlebt. Beim ersten Kind fand ich dieses Alter ehrlich gesagt auch noch schlimm, denn ich hatte keinerlei Erfahrungen, dachte manchmal, ich mache alles verkehrt, war gestresst und frustriert, genau wie mein Kind. Beim zweiten Kind hatte ich wesentlich mehr Sicherheit, ich wusste, daß ich fast nichts falsch machen kann, wenn ich nur authentisch bleibe und mir keine Sorgen mache.
Jetzt beim dritten Kind geniesse ich dieses Alter. An manchen Tagen ist es auch sehr anstrengend, meist wenn ich selber einen schlechten Tag habe und es mir schwerfällt, mich auf unseren Jüngsten einzustellen. Generell finde ich diese riesigen Entwicklungssprünge aber sehr faszinierend. Man sieht förmlich, wie das Gehirn alles aufsaugt, Wörter, Situationen, Abläufe, und vor allem, wie mehr und mehr das „Ich“ und der eigene Wille im Raum steht. Und wie das Kind gleichzeitig die Liebe und das Verständnis der Eltern so sehr braucht. Wo ich bei den ersten beiden Kindern nicht die Ruhe hatte, genau hinzuschauen und die Nerven zu behalten, ist sie jetzt da. Und manchmal wünschte ich, ich hätte genau dieses Verständnis und die Ruhe damals auch schon gehabt. Ich habe auch da mein Bestes versucht, mich informiert, war selten laut oder ungerecht, aber oft verunsichert und gestresst.
Die Ruhe, die ich jetzt habe, überträgt sich auch auf unseren kleinen Sohn. Wenn er nicht gerade in einem der für Zweijährige typischen Konflikte steckt und sich in einem großen Wutanfall befindet, ist er so entspannt, neugierig und süß, daß ich manchmal richtig gerührt bin beim Beobachten. Meist dauern auch die Wutanfälle nicht besonders lange, da ich schnell Kompromisse mit ihm finde bzw. herausfinde, was das Kind so fürchterlich aufregt und wie ich es aus seiner Schleife herausbekomme.
Mit jedem Tag spricht er nun mehr, versteht Zusammenhänge, fängt an zu planen und behauptet und festigt seinen Platz in der Familie noch mehr. Und ich freue mich, ihn noch einige Jahre begleiten zu dürfen. Genau wie seine Geschwister, die wenigstens jetzt die Mutter haben, die ich auch schon vor 8 Jahren sein wollte …

Bücherwürmer

23. Juli 2012

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Ohne Kommentar …

Mittelkindsyndrom ?

17. Juli 2012

Unser Mittelkind bekommt immer zu wenig. Egal um was es sich handelt, es ist grundsätzlich zu wenig.

Vorhin wieder, beim Mittagessen. Unser Sohn bekommt auf eigenen Wunsch  3 Knödel auf seinen Teller und isst sie in Windeseile auf. Anschließend verlangt er zwei weitere, versichert mir noch, daß er diese auf jeden Fall aufisst und eventuell danach noch den Rest, der in der Pfanne liegt. Keine 2 Minuten später sitzt das Kind vor seinen eineinhalb Knödeln und jammert, es hätte Bauchschmerzen und sei satt.

Eine Weile lang gebe ich ihm dann seine Essensportionen vor, ich weiß nämlich ganz genau, wieviel mein Kind essen kann. Dann bleibt auch kein Rest, es gibt allerhöchstens leises Gejammer, daß das ja viel zu wenig war, welches aber innerhalb kürzester Zeit verstummt.

Jedes Mal habe ich die Hoffnung, daß unser Sohn endlich lernt, daß sein Magen kleiner ist, als er in seinem Futterneidkoller denkt, bisher leider vergebens.

Ähnlich ist es beim Kuscheln, Vorlesen, Spielen, u.s.w., es ist einfach nie genug …

Sind alle Mittelkinder so ? Wird das irgendwann besser ?

Von Vorbildern

16. Mai 2012

Heute im Vorbeigehen gelesen. Genauso ist es …

„Was lernt ein Kind, wenn man es ermahnt ? Ermahnen.“

Großwerden

26. April 2012

Seit ein paar Tage versuche ich, den Kleinsten zum alleine Einschlafen zu überreden. Nicht a la Ferber oder ähnliches, nein, ich sage ihm einfach, daß er müde ist und einschlafen soll, küsse ihn und verlasse das Zimmer.

Hat anfangs nicht wirklich funktioniert. Es gab großes Gebrülle, also stillte ich das Bedürfnis unseres Kindes nach Nähe beim Einschlafen und legte mich noch eine Runde zu ihm.

Heute vormittag wieder ein quengeliges Kleinkind, das bereits kurz vor 6 Uhr aufgestanden war und nun gegen 10 Uhr bettreif war. Ich beförderte ihn also in sein Bett und nachdem er während meiner Anwesenheit nur herumkasperte, verließ ich das Zimmer mit den Worten „ich räume jetzt die Küche auf und Du schläfst ein bißchen.“. Unten angekommen hörte ich durch die offene Tür noch leise Proteste, nach einem „schlaf doch einfach ein wenig und komm dann runter zu Mama“ herrschte jedoch Ruhe. Als ich 5 Minuten später neugierig nach oben schlich und nachschaute, lag das Kind platt im Bett und schlief selig :-).

Mir zeigt dieses Ereignis einmal mehr, wie selbstständig und verständig Kinder auch in diesem Alter schon sind bzw. sein können wenn sie wollen  und wieder ist der kleine Sohn ein Stückchen größer geworden …

Gestern überraschten mich auch die großen Kinder. Ich unternahm mit ihnen einen Ausflug in den Nachbarort mit dem Fahrrad, immerhin ca. 5 km einfach. Der große Sohn murrt sonst gerne, wenn es anstrengend wird, dieses Mal zeigte er aber wahre Ausdauer. Wir fuhren die Strecke in etwa 20 Minuten, aßen dort ein Eis, gingen Einkaufen und waren innerorts auch noch einige Zeit unterwegs, anschließend ging es genauso flott zurück, am Schluß gab unser Sohn sogar nochmal richtig Gas und ward nicht mehr gesehen. Das allerdings nahm ich ihm schon ein wenig übel, denn er überquerte auch ganz alleine eine Ortsdurchgangsstraße kurz vor unserem Zuhause ohne auf mich zu warten, und er ist zwar sehr vorsichtig und schaut fleissig hin und her, trotzdem finde ich 5 Jahre einfach noch zu jung für eine unbeaufsichtige Hauptstraßenüberquerung. Er zeigte sich aber reuig und so wie ich ihn kenne, wird er beim nächsten Mal warten …

Zusammen mit der großen Schwester darf er aber schon länger alleine durchs Dorf, gestern mittag retteten die Beiden mich, indem sie noch schnell zum Bäcker sausten und dort Baguette fürs Mittagessen einkauften. Mich entlasten solche Botengänge enorm und obwohl ein kleines bißchen Restunsicherheit bzw. mulmiges Gefühl da ist, weiß ich, daß ich mich auf meine Großen verlassen kann und sie sehr gut ohne mich zurechtkommen. Außerdem sind sie wahnsinnig stolz auf sich und das Selbstbewußtsein wächst gefühlte 10 Meter, genauso stolz bin ich aber auch als Mama …

So oft habe ich während der Babyzeit den Satz gehört „Jaja, wenn sie so klein sind, sind sie noch richtig lieb und süß“. Ich konnte damals schon nicht verstehen, wieso Kinder nur im Babyalter lieb und süß sein sollen. Und ich kann es immer noch nicht verstehen. Mir geht das Herz auf vor Stolz und Freude, wenn ich meine Kinder beobachte. Ich finde sie nach wie vor lieb und süß. Sicher gibt es auch Tage, da möchte ich sie an die Wand klatschen oder auf den Mond schießen, manchmal weiß ich nicht weiter weil etwas holprig läuft in unserer Mutter-Kind-Beziehung, aber das gehört auch dazu. Es gibt kein Licht ohne Schatten. …

Dies und Das

17. März 2012

Zur Zeit bin ich sehr müde. Seit Januar hat der Kleinste nachts nicht mehr durchgeschlafen. Erst steckte er in einem Schub, dann war er krank und aktuell schubt er wieder und ich vermute, daß auch endlich weitere Zähne durchbrechen (er hat immer noch nur 4 Zähne oben und 2 unten). Letzte Nacht war die schlimmste seit langem, ab 2 Uhr morgens war der kleine Sohn unruhig, jammerte und heulte herum, das zog sich über 2 Stunden, bis ich ihn dann völlig entnervt in unser Bett umzog, wo er nach nochmaligem Gejammer und Herumgewälze irgendwann in meinem Arm einschlief. Der Papa, der sonst hoch im Kurs steht, wird nachts kategorisch abgelehnt, einzig die Mama wird akzeptiert. Was mir einerseits schmeichelt, andererseits ein Abwechseln um ein Häppchen Schlaf abzubekommen nahezu unmöglich macht …

Der große Sohn hingegen scheint seinen Schub hinter sich gelassen zu haben, nach wochenlangem Gemotze und chronischer Unfreundlichkeit ist er plötzlich wie ausgewechselt, hilft mir wo er kann (letztens saugte er im Alleingang das halbe Erdgeschoss, putzte im Badezimmer den Spiegel und räumte anschließend sogar noch den Toberaum im Keller auf), spielt zufrieden mit seinem kleinen Bruder ohne Eifersucht zu zeigen und wirkt insgesamt wesentlich aufgeräumter und entspannter. Das freut mich sehr, waren meine Nerven doch schon ziemlich überbeansprucht.

Unsere Große benimmt sich stellenweise schon wie eine Dreizehnjährige und ich kann mir bereits ansatzweise vorstellen wie es dann sein wird, wenn sie dieses Alter tatsächlich erreicht hat (noch fehlen ganze 6 Jahre). Die Frisur muss sitzen, die Kleidung muß schick genug sein (noch freut sie sich aber über gebrauchte Klamotten vom Kleidermarkt) und sie macht sich finde ich viel zu viel Gedanken darüber, was ihre Mitschüler über sie denken. Für sie ist es natürlich auch nicht einfach, fast alle Schüler ihrer Klasse kannten sich schon aus dem Kindergarten, sie ist mitten in eine gewachsene Gruppe gekommen und muß sich als Zugereiste behaupten …

Ansonsten fällt mir um mich herum eine gewisse Erziehungsmüdigkeit auf. Es scheint normal zu sein, seine Kinder stundenlang vor dem Fernseher zu parken, es gibt kaum feste Zubettgehzeiten, Unhöflichkeit ist normal (meine Kinder würden nie auf den Gedanken kommen, eine fremde Mutter „Luschimama“ zu nennen  oder ihr Schimpfwörter nachzurufen) und manchmal komme ich mir vor wie ein Relikt aus der Steinzeit. Ich nehme meinen Erziehungsauftrag sehr ernst. Und das ist oft sehr anstrengend, aber ich denke, es lohnt sich. Hier gibt es z.B. einen Fernsehkuchen. Die Kinder bekommen ihn am Anfang der Woche, er beinhaltet 8 Viertelstundenstücke und diese dürfen frei eingeteilt werden, wenn der Kuchen allerdings „aufgegessen“ ist, müssen sie bis zur Ausgabe des nächsten warten. Meist reichen die zwei Stunden für vier Tage, manchmal schaffen sie es sogar, sich noch Stücke bis zum Wochenende aufzuheben. Ins Bett geht es jeden Abend gegen 19 Uhr, Ausnahmen gibt es, aber eher selten (meist wenn Besuch da ist). Unhöfliches Benehmen wird unterschiedlich behandelt. Werde ich im Befehlston ohne ein „Bitte“ angesprochen, stelle ich mich einfach taub. Bei Schimpfwörter stelle ich klar, daß ich das nicht möchte und erinnere die Kinder daran, daß sie selber auch traurig sind, wenn sie beschimpft werden, meist wirkt das ganz gut. Ich würde nie aus Bequemlichkeit in einer Sache nachgeben die mir wichtig ist, so laut das Geheule auch sein mag, denn langfristig zahlt sich Konsequenz aus und die Kinder wissen immer, woran sie sind.  Nun bin ich etwas abgeschweift, mir fiel dieses Thema nur in letzter Zeit vermehrt auf.

Aufgrund der vergangenen Horrornacht werde ich nun diesen Blogartikel beenden und schlafen gehen, obwohl es noch einiges zu schreiben gäbe. Demnächst wieder, wenn ich wacher bin …

Grautöne

9. Februar 2012

Ich liebe Grautöne. Aber nur im übertragenen Sinne.

Heute ging mir das so durch den Kopf. Mich stört gewaltig dieses überwiegend vorherrschende Schwarz-Weiß-Denken. Nehmen wir beispielsweise die Kindererziehung. Es gibt fast nichts, was mehr polarisiert und wo es deutlichere Lagerspaltungen gibt.

Es fängt schon vor der Geburt des Kindes an. Wo soll es zur Welt kommen und vor allem wie ? Im Krankenhaus, im Geburtshaus oder gleich zu Hause ? Per Kaiserschnitt, spontan und falls ja, mit Pda oder ohne ? Die einen wettern gegen das Krankenhaus und meinen, man könne dort keinesfalls entspannt und gefahrlos ein Kind zur Welt bringen. Und lassen dabei außer Acht, daß viele Frauen vielleicht gerade dort entspannt sind, weil sie sich sicher fühlen. Andere meinen wiederum, daß einzig und allein das Krankenhaus zum Gebären geeignet sei, alle die nicht dort entbinden, seien lebensmüde bzw. wollten ihrem Kind scheinbar absichtlich Schaden zufügen.

Weiter geht es dann danach. Stillen oder nicht ? Heutzutage überwiegt gefühlt die Zahl der Stillbefürworter, es werden stundenlang Vorträge gehalten, wie wichtig es ist zu Stillen und oft wird so auch Müttern Angst gemacht, die eigentlich wollen, aber aus welchen Gründen auch immer nicht können. Oder Mütter angegriffen, die einfach nicht wollen. Zum Glück fließt aber Mutterliebe nicht einzig und allein über die Muttermilch zum Kind, sondern äußert sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Wichtig ist nur, daß sie auch beim Kind ankommt.

Anschließend geht es meist um Nähe. Die einen postulieren, man müsse sein Kind Tag und Nacht bei sich haben, am besten ausschließlich Tragen und immer auf jegliche Bedürfnisse eingehen. Die anderen sagen, das Kind müsse schon früh lernen, auf Dinge zu verzichten bzw. dürfe nicht verwöhnt werden. Dabei gibt es doch ein Dazwischen. Wenn die Mutter völlig ausgebrannt und erschöpft ist, ist es auch legitim, das Kind vorübergehend einer wohlmeinenden Drittperson in die Arme zu drücken. Wenn der Rücken zu sehr schmerzt, muß das Kind eben auch mal in der Nähe der Mutter liegen und schreien. Und wenn das Kind stündlich gestillt werden möchte, aber die B.rustwarzen blutig sind, dann nimmt es auch keinen Schaden, wenn es noch eine Stunde hingehalten wird.

Dasselbe gilt für das Kleinkindalter. Niemand ist immer konsequent. Und muß es auch nicht durchgehend sein bis zum Erbrechen. Es tut dem Kind genausowenig gut, immer das zu bekommen, was es möchte. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung besteht weder aus der ausschließlichen Aufnahme von zuckerfreien Lebensmitteln, noch muß ein Kind täglich Süßes essen. Absolutes Fernsehverbot ist eben so unnötig wie stundenlanger Fernsehkonsum.

Mir fehlt einfach immer öfter das „Grau“. Das Akzeptieren, daß andere einen gänzlich anderen „Fahrplan“ haben können, und trotzdem glücklich damit sind bzw. glückliche Kinder haben. Daß Erziehung nicht bedeutet, verschiedene Punkte auf einer Liste abzuhaken, bzw. unumstößliche Regeln und Gebote zu befolgen, sondern daß jedes Kind etwas anderes braucht. Daß es wichtig ist, trotz aller Liebe zum Kind auf sich selbst zu achten. Daß es auf der anderen Seite wichtig ist, kurzzeitig die eigenen Grenzen zu überschreiten, wenn man wirklich dringend gebraucht wird.

Es gibt fast nie ein „entweder, oder“. Es gibt kein „Schwarz oder Weiß“. Es gibt keine perfekten Lösungen, die für jeden funktionieren. Ob das nun die Erziehung betrifft, das Leben in unserer Gesellschaft im allgemeinen oder andere Dinge. Was für uns gut funktioniert, ist für andere nicht machbar oder undenkbar. Wichtig ist finde ich lediglich das Endergebnis. Nämlich ob die Menschen dahinter zufrieden und glücklich sind mit ihrem Leben, egal ob 3 oder 30 Jahre alt.

Alles etwas durcheinander, innerhalb von 5 Stunden zusammengeschrieben (bei drei Kindern gelingt es selten, zusammenhängend zu schreiben, außer sie schlafen), aber mir schwirrte das heute durch den Kopf und ich wollte es einfach mal loswerden …

Geballte Willenskraft

25. Januar 2012

Wir haben ja bereits einiges an Erfahrung mit Steinböcken sammeln dürfen. Nicht nur der Kleinste, sondern auch die große Schwester wurde in diesem Zeichen geboren.

Ich möchte das was da zur Zeit vonstatten geht natürlich nicht allein auf das Sternzeichen schieben. Sicher ist das auch altersbedingt, das Kind ist ja nun definitionsgemäß ein Kleinkind und kein Baby mehr, da muß es sich auch so verhalten. Aber die Vehemenz überrascht mich doch ein wenig.

Wovon ich spreche ? Vom gerade erwachenden eigenen Willen des Jüngsten. Sicher hatte er von Geburt an einen eigenen Willen und hat diesen auch geäußert, aber jetzt ist er sich allmählich darüber bewußt, daß er nicht nur fordern, sondern auch etwas verweigern kann, und es keimt die Erkenntnis, daß er eine eigenständige Person und nicht nur das Anhängsel seiner Mama ist.

So folgt auf die deutliche Aufforderung, die Blumenerde/das Kabel/die Lampe/… in Ruhe zu lassen kein Schnuteziehen oder Weinen mehr, sondern ein breites Grinsen und eine Wiederholung des Verbotenen. Selbst wenn ich wirklich ungehalten werde, macht das Kind munter weiter. Bekommt er bei Tisch nicht das Gewünschte, gibt es Zornanfälle allererster Güte, alles was sich in Reichweite befindet, landet auf dem Boden, dasselbe passiert, wenn ihm etwas nicht schmeckt.

Natürlich reagiere ich. Trage ihn eben außer Richweite, wenn er weiter an etwas herumspielt. Nehme ihm beim Essen den Teller weg, sobald der Inhalt herumfliegt. Und erkläre immer wieder, warum ich so reagiere. Bisher ist das Kind aber relativ taub, was die Erklärungen angeht und das Vorgehen wird eher energischer und noch frecher als vorher.

Er steckt zur Zeit mitten in einem Entwicklungsschub, auch eine Erklärung. Totzdem sieht man jetzt schon, daß dieses Kind eine enorme Willensstärke hat und sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Ich bin schon sehr gespannt, was da noch auf uns zukommt …

Der Mühe Lohn

20. Januar 2012

Wie oft musste ich mir in der Vergangenheit anhören, daß ich unsere Kinder zu wenig in die Haushaltsarbeit einbinde, daß sie zu wenig Pflichten hätten und ich als Mutter viel zu lieb und milde bin. Und obwohl ich die Kinder bisher nie dazu verpflichtet habe, im Haushalt mitzuhelfen, empfinde mich keineswegs als zu lieb, ich achte lediglich auf einen netten und höflichen Umgangston, nicht nur Mitmenschen, sondern auch meinen Kindern gegenüber und ich glaube fest daran, daß man immer das zurückbekommt, was man aussendet. Und Pflichten haben sie nach der Einschulung mehr als genug …

Heute dann die Überraschung. Ich lag gerade mit dem Kleinsten oben im Zimmer und versuchte ihn zum Schlafen zu bringen, er wehrte sich aber nach Kräften und schrie wie am Spiess, denn Schlafen ist zur Zeit nicht sehr beliebt, gibt es doch als frischgebackenes Kleinkind viel wichtigere Dinge zu erledigen. Als er sich dann allmählich beruhigte und schließlich einschlief, hörte ich von unten aus der Küche Geschirrgeklapper. Ich wunderte mich, überlegte hin und her, wer wohl da in meiner Küche zugange sei, fragte mich, ob die grossen Kinder gerade irgendwelchen Unsinn aushecken. Als ich dann hinunterkam, erwarteten mich meine beiden Großen und erklärten mir, daß die Spülmaschine gerade fertig gewesen sei und sie sich gedacht hatten, daß sie diese gleich ausräumen könnten, denn, Originalton des grossen Sohnes, „wenn man zusammen in einem Haus wohnt sollte man sich ja gegenseitig helfen“. Außerdem sollte es eine Überraschung für mich werden.

Ich war in der Tat sehr überrascht und auch gerührt, da wie gesagt keinerlei Aufforderung meinerseits erfolgt war. Dieses Ereignis zeigt mir wieder, daß die ganze Mühe doch nicht umsonst ist. Daß Druck meist nur Gegendruck erzeugt und manches eben nur langsam wächst, aber doch irgendwann Früchte trägt.

Ich habe mich sehr gefreut und den Kindern das auch gesagt, beide bekamen einen dicken Kuss und ich denke, das ist die beste Motivation für eine Wiederholung solcher Aktionen. Und stolz bin ich natürlich auch sehr auf die immer häufiger auftretenden Anzeichen von Eigeninitiative und Hilfsbereitschaft, die hier wirklich von Herzen kommt. Kinder sind wirklich etwas Wunderbares und trotz aller Anstrengung und oft auch nervenaufreibenden Momenten würde ich nie auf sie verzichten wollen …