Wie ist das nun eigentlich so ?

Falls hier noch regelmässig Leser vorbeischauen, werden diese sich bestimmt fragen, wie es nun so ist als berufstätige Mutter mit drei Kindern.
Zuallererst muß ich sagen, es ist anstrengend. Sehr anstrengend.
Ich weiß nicht, wann diese erste Phase vorbeigeht, in der man ständig das Gefühl hat, auf dem Zahnfleisch zu gehen und keinen Rhythmus zu haben. So geht es mir momentan, es pendelt sich aber ganz langsam, schneckenlangsam, ein.
Morgens verlasse ich das Haus gegen 7:15 Uhr, nachdem ich Brotzeit und Frühstück für vier Leute hergerichtet habe (unser Aupair fastet noch wegen Ramadan). Unser Jüngster rennt mir bei der Gelegenheit fast jeden Morgen hinterher, laut weinend und schreiend, denn er versteht noch nicht so wirklich, warum ich wegfahre und bis zum späten Nachmittag nicht zurückkomme, trotz mehrerer Erklärungsversuche …
Meist schaffe ich es nur aus dem Haus zu kommen, indem ich die Tür von Außen absperre und dann ein kreischendes Kind hinter der Scheibe zurücklasse. Die erste Woche bin ich dann auch dauerheulend zur Arbeit gefahren, denn mir geht die Situation ziemlich nahe.
Gegen 7:30 Uhr stemple ich dann bei der Arbeit ein, ziehe mich fix um, denn eine Viertelstunde später beginnt die tägliche ärztliche Morgenbesprechung. Dort erfahre ich alles über neue Patientenzugänge, aktuelle Röntgenbilder und andere wichtige Dinge, bevor es auf die Station geht.
Die erste Woche pendelte ich noch ein wenig ziellos herum, da keiner wusste, wo ich nun hin soll und was ich machen soll, in der zweiten Woche hatte ich dann bereits eine ganze Station für mich alleine, bumm.
In der dritten Woche spüre ich nun schon ein ganz klein wenig Routine, schwimme aber trotzdem noch ordentlich. Patienten wollen visitiert werden, Blut muß abgenommen werden, Nadeln gelegt werden, Entlassbriefe diktiert werden, Aufklärungen gemacht werden, Untersuchungen angeordnet werden, Laborergebnisse gelesen werden, Medikamente überprüft werden, u.s.w. …
Zwischendurch esse ich schnell etwas, meist Brot mit Käse, Gemüse und etwas Obst ( warmes Essen gibt es in diesem Krankenhaus nur für die Patienten oder auf extra Anfrage aus der 30 km entfernten Zentralküche …), um 12 Uhr findet die Mittagsbesprechung statt.
Die Kollegen sind sehr nett, aber alle sehr überarbeitet, jeder macht zwischen 1 und 3 Überstunden pro Tag, die weder mit Freizeit noch mit Geld ausgeglichen werden. Da habe ich es noch richtig gut mit meiner 40 Stunden Stelle, denn nur so stimmt auch die Bezahlung (meine Kollegin hat einen Vertrag über 20 Stunden, arbeitet aber im Schnitt ca. 35 Stunden pro Woche …).
Wenn ich bei der Arbeit bin, denke ich kaum an die Kinder bzw. versuche sie auszublenden, denn nur so bin ich bei der Sache und kann mich konzentrieren. Das funktioniert mittlerweile ganz gut.
Meist komme ich gegen 17 Uhr nach Hause. Dann stehen meist noch private Dinge auf dem Plan, Einkaufen, heute ein Gespräch mit der Lehrerin meiner Tochter, Arztbesuche, die Fahrt zum Klarinettenunterricht meiner Tochter, Gartenarbeit, u.s.w. ….
Wenn endlich Ruhe einkehrt, alles aufgeräumt ist und die Kinder schlafen, ist es oft schon 21 Uhr. Meist bin ich die letzten zweieinhalb Wochen gleich ins Bett gefallen, mittlerweile gönne ich mir noch eine Stunde um einen Film anzusehen, im Internet zu surfen oder seit heute auch wieder zu bloggen.
Ich bin sehr froh, daß mein Mann drei Abende in der Woche hier ist und die Kinder bettfertig macht, das entlastet ungemein. Unterstützung bekomme ich auch von meiner Mutter, die es diesen Monat ermöglicht, daß unser Aupair drei Tage in der Woche einen Nachmittagssprachkurs machen kann. Ohne dieses Netzwerk wäre es zwar auch irgendwie machbar, aber bei weitem nicht so optimal.
Die Arbeit macht mir Spaß bis auf die Tatsache, daß es einfach zuviel ist und zeitlich kaum zu schaffen, ich bekomme aber viel positives Feedback von Kollegen und Patienten, und das baut mich wieder auf. Die großen Kinder kommen sehr gut damit zurecht, daß ich erst am späten Nachmittag komme, sie sind sowieso den ganzen Tag unterwegs, nur der Jüngste knabbert noch etwas daran. Ich denke aber, daß er es mit zunehmendem Alter besser verstehen wird, jetzt mit drei Jahren fühlt er einfach nur und kann meinen Erklärungen nicht rational folgen.
Das Aupair muß auch noch ein wenig hineinwachsen, sie macht ihre Arbeit gut, aber drei Kinder zu betreuen und in Schach zu halten ist für eine 19jährige manchmal einfach schwierig. Ich bin aber optimistisch, daß auch das immer besser funktionieren wird und dann vieles noch runder laufen wird.
Falls hier vollzeitberufstätige Mütter mitlesen bin ich sehr dankbar für Optimierungstipps und Erfahrungsberichte, vielleicht hilft es mir ja, mich noch schneller zurechtzufinden ….

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6 Antworten to “Wie ist das nun eigentlich so ?”

  1. Dorothea Says:

    Das ist tough, Hut ab! ich bin zwar mit drei Kindern auch berufstätig, habe aber noch einen Mann zur Hilfe und auch keine Vollzeitstelle. Ich kann Dir nachfühlen, wie schwierig es ist, morgens ein weinendes Kind zurückzulassen und ich kenne das auch, weiß aber leider auch kein Gegenmittel, außer ruhig bleiben, Verständnis zeigen und auf die Zeit vertrauen. Toll finde ich, dass Du mit Deinem Mann noch so gut auskommst, dass er weiterhin bei der Kinderbetreuung hilft, das ist für Euch und die Kinder eine positive Erfahrung.
    Ansonsten: mit der Zeit gewöhnt man sich an die Abläufe, wird routinierter, das macht es leichter. Aber ab und an muss man sich auch Zeit für sich gönnen um Kraft zu tanken. Weiter gutes Durchhaltevermögen und immer mal wieder ein Update wäre klasse!
    LG Dorothea

  2. Dirgis (Sigrid) Says:

    Optimierungstips habe ich leider keine für Dich. Fast alleinerziehend mit einem Vollzeitjob und drei Kindern – das ist einfach viel.
    Ich habe zwei Kinder und arbeite auch voll. Allerdings habe ich einen Mann mit sehr flexiblen Arbeitszeiten. Dadurch ist vieles leichter. Aber mal ganz ehrlich: Mit den Problemen mit denen du jetzt kämpfst, wirst du immer kämpfen. Klar werden die Kinder größer und selbständiger, aber das drumherum bleibt.
    Man kann es nur akzeptieren und das beste daraus machen. Und ganz wichtig: sich ab und zu eine Auszeit gönnen und nur mal an sich denken. Soweit das bei drei Kindern möglich ist.

  3. Meeresrauschen Says:

    Hallo, ich freue mich, dass es wieder einen Post von dir gibt und du schreibst wie es euch geht. Deine Zeit klingt sehr anstrengend und ich wünsche dir, dass es sich alles noch ein bisschen bessert. Die Tür hinter deinem Kleinsten zuzusperren, während er heulend dahinter steht, muss dir unglaublich schwer fallen. Ich würde danach auch heulend auf Arbeit fallen. Da ist es dann auch gut, dass es dort so viel zu tun gibt und du nicht an die Kinder denkst.
    Ich wünsche dir sehr, dass sich euer Aupair-Mädchen weiter gut einarbeiten kann und ihr so mehr Routine und mehr Ruhe finden könnt.
    Alles Liebe,
    Kathrin

  4. Frau Kreis Says:

    Ich arbeite seit einem Jahr mit drei Kindern in Vollzeit. (Gymnasium mit Ganztagsbetrieb) Ich habe mich bewusst dafür entschieden, weil alle Teilzeitoptionen dennoch den kompletten Packen an Konferenzen, Korrekturen u.ä. beinhalteten. Teilzeit ist in vielen verantwortungsvollen Berufen eine Mogelpackung, weil man doch immer mehr tut als bezahlt wird. Bei uns funktioniert das mit der Vollzeit aber auch nur deshalb, weil der Alltag auf ganz vielen klaren Absprachen beruht: der Mann hat die Morgenschicht mit den Kindern, ich habe die Nachmittags- und Abendschicht. Für Konferenzen, Klassenfahrten u.ä. hilft uns eine Praktikantin aus der Kita, die wir auf Minijob-Basis eingestellt haben. Ja, ich bin abends müde, und ja, es ist etwas anderes, als im Elternzeitjahr seine Zeit frei einteilen zu können, aber gleichzeitig denke ich, es ist auch ein sehr gutes Gefühl, im Zweifelsfall mit seinem Job seine Familie allein durchbringen zu können, und Anerkennung außerhalb des eigenen Sozialverbandes ist ja auch eine Menge wert.
    Wichtig ist für mich, dass ich die Zeit, die ich mit den Kindern verbringe, auch wirklich mit ihnen verbringe und nicht nebenbei putze, wasche o.ä. (fällt mir auch manchmal schwer, weil ja immer irgendetwas zu tun ist …) – ich habe jetzt, nach einem Jahr, das Gefühl, dass so etwas wie Routine eingesetzt hat, die Kinder sind größer und selbständiger geworden – und ich bin sicher, dass sich das bei euch ähnlich gestaltet. (ach ja, und Hilfe darf man nicht nur geben, sondern auch mal in Anspruch nehmen, von Freunden, Verwandten, anderen Müttern und Vätern …:-)) – viel Rückenwind und immer mal wieder ein paar Minuten für dich selbst!

  5. Anika Witte Says:

    Hallo Katrin!

    Wir haben lange nichts voneinander gehört!
    Schreib mir doch mal wieder!!!
    Ja drei Kinder und berufstätig… ein ewiges Chaos!!
    Würde mich freuen von dir zu hören!

  6. schmusetigger Says:

    Hallo Katrin,

    ich hoffe bei euch ist alles in Ordnung?! Würde mich sehr freuen mal wieder was von euch zu lesen.

    Liebe Grüße
    Dani

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