Im Zwiespalt

Heute bin ich ziemlich melancholisch und gleichzeitig in
Aufbruchsstimmung.
Gestern hatte ich ja wie angekündigt mein Vorstellungsgespräch. Es lief gut, der leitende Arzt der Klinik war mir sehr symphatisch und die Atmosphäre angenehm.
Bis Freitag soll ich mich entscheiden, ob ich mir vorstellen kann dort zu arbeiten, mir wurde auch angeboten, in nächster Zeit einen Tag zu hospitieren, um den Klinikalltag kennenzulernen.
Es ist genau das, was mir liegt und was ich gerne mache. Mein Arbeitsgebiet läge vor allem im Bereich der Gesprächstherapie, außerdem müsste ich Gruppentherapien leiten und Patienten internistisch aufnehmen. Mittagspause wird immer gemeinsam gemacht, die Bezahlung ist in Ordnung, die Urlaubstage ausreichend. Der Fahrtweg beträgt ca. 15-20 Minuten einfach, also auch nicht die Welt.
Nun kommt das Aber. Die Stelle ist als Vollzeitstelle mit 38,5 Stunden ausgeschrieben, außerdem kämen noch 2-3 Dienste im Monat dazu, was jedes Mal 24 Stunden Arbeit am Stück bedeutet (natürlich kann ich dort auch schlafen, aber wer schläft schon ruhig mit einem Piepser am Ohr ??). Es wird ausdrücklich jemand gesucht, der die Lücken ausfüllt, die die Teilzeitkräfte hinterlassen, ich wäre also die, die noch verfügbar sein muß, wenn nach 16 Uhr noch Aufnahmen zu machen sind oder Fragen auftreten.
Ich würde meine Kinder kurz vor dem Abendessen erst wieder in die Arme schließen können und das macht mich sehr, sehr traurig. Die Betreuung ist ja gewährleistet durch das Aupair, das Anfang Juni bei uns einzieht, aber ein Aupair ist eben nicht die Mama und mir werden auch viele Situationen, Meilensteine und Gespräche entgehen die ich bisher immer erleben konnte.
Ich weiß, daß es sehr vielen Müttern heutzutage so geht. Ich weiß, daß der Klinikbetrieb nur aufrechterhalten werden kann, wenn eine durchgehende Betreuung der Patienten gewährleistet ist. Ich möchte gerne meine Weiterbildung möglichst bald abschließen und eventuell auch noch einen Doktortitel erwerben.
Und doch schmerzt es mich sehr, mein bisheriges Leben zurückzulassen. Im Gegensatz zu manch anderen habe ich die letzten Jahre sehr genossen. Es war oft anstrengend und manchmal auch belastend, aber auch sehr erfüllend und schön. Und ich finde, es hat sich gelohnt, wenn ich meine Kinder anschaue.
Ich hoffe sehr, daß unser Verhältnis ein so gutes bleibt wie bisher. Daß ich weiterhin teilhaben kann am Leben meiner Kinder. Daß ich sowohl von den Sorgen als auch Freuden erfahren werde. Und daß mir noch Luft zum Atmen und Zeit zum Ausruhen bleiben wird.
Ich habe mich schon fast entschieden. Ich möchte es gerne versuchen, denn verlieren kann ich dabei nichts. Und bei dem Hospitationstag werde ich einen noch tieferen Eindruck bekommen und vielleicht auch nicht mehr so zweifeln.
Und vielleicht ist es auch nur vorübergehend. Im Gespräch wurde mir nämlich in Aussicht gestellt, die Stundenzahl auch reduzieren zu können, sobald eine Teilzeitstelle frei wird. Mal sehen, was die Zukunft für mich bereithält …

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6 Antworten to “Im Zwiespalt”

  1. Caro Says:

    Alles Gute für all das, was da so kommen mag!

    Caro

  2. Cornelia Says:

    Hallo,

    bist Du sicher, dass Du nicht auch noch Überstunden machen musst? Ich habe eine Teilzeitstelle in einer Klinik. Und ehrlich gesagt, mir reicht es! Ohne Dienste würde es vielleicht auch noch funktionieren. Aber mit Diensten geht dann immer noch mindestens ein Wochenende flöten. Und wenn Du dann noch nebenbei promovieren möchtest, bleibt für andere Dinge als Arbeit wirklich keine Zeit mehr. Kinder sind nur wenige Jahre klein. Aber arbeiten kann/ muss ich bis 67 Jahre alt bin, also noch sehr lang. Natürlich dauert meine Weiterbildung auf diese Weise ewig. Aber das stört außer mich selbst manchmal eigentlich niemanden.
    Aber möglicherweise ist es ja Dein Lebensmodell. Ein schlechtes Gewissen hat man sowieso immer, egal wie man alles aufteilt.
    Gruß Cornelia

    • tekelek Says:

      Hallo Cornelia,

      Das Problem ist, daß ich keine Teilzeitstelle finde. In dieser Klinik hätte ich zumindest die Möglichkeit, Stunden zu reduzieren, sobald eine Teilzeitstelle frei wird. Im Moment suchen sie jemanden, der die Lücken füllt, die die vielenTeilzeitkräfte verursachen …
      Ohne diese Möglichkeit würde ich die Stelle gar nicht annehmen !
      Mein Lebensmodell sieht eigentlich ähnlich aus wie Deines. Nur leider passt es momentan einfach nicht zu meiner Situation als Alleinerziehende :-(.

      Liebe Grüsse,

      Katrin

  3. Cornelia Says:

    Oh, das letzte wusste ich nicht. Dann hast Du keine Wahl. Wichtig ist auf jeden Fall das Au pair Mädchen, denn ohne jemanden, der ständig abrufbar ist, geht arbeiten mit einem Kleinkind nur, wenn das nie krank wird. Meine waren immer krank, das ist ja aber wohl auch die Ausnahme.
    Ich drücke Dir die Daumen! Ist es eine Rehaklinik? Dann sollten die Arbeitszeiten einzuhalten sein (ist zumindest bei mir so).
    Viele Grüsse Cornelia

    • Cornelia Says:

      Ergänzen muss ich noch, dass man, wenn man muss, viel mehr schafft, als man denkt. Ich bin jetzt seit 2 Jahren chronisch krank (SLE), meine Energie reicht meistens nur für einen halben Tag oder weniger. Trotzdem schaffe ich es, zu arbeiten (halt Teilzeit) und meinen Kindern gerecht zu werden. Einfach weil ich das will! Auch wenn ich manchmal denke, jetzt geht es nicht mehr. Man muss Prioritäten setzen und eben die Dinge machen, die wirklich wichtig sind. (Bei mir ist es eben nicht ganz so ordentlich und perfekt wie bei anderen- aber hauptsache den Kindern geht es gut!). Anders als bei Dir – aber auch keine perfekte Lebenssituation.
      Du schaffst das- Arbeiten gibt auch eine große Befriedigung und Bestätigung!
      Alles Gute Cornelia

  4. maike Says:

    Das tut mir jetzt aber echt leid 😦

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