Springen oder nicht springen …

Ab Montag geht unsere Tochter Schnuppern in der dritten Klasse. Schon länger ist immer wieder im Gespräch, sie eine Klasse überspringen zu lassen, nun hat mir die Klassenlehrerin empfohlen, sie einfach ein paar Tage „Urlaub“ in der nächsthöheren Klasse machen zu lassen.
Ich bin nach wie vor hin- und hergerissen.
Unser ältestes Kind war schon immer ein Überflieger. Mit 20 Monaten konnte sie in der Ich-Form und in ganzen Sätzen sprechen, mit zwei Jahren fragte sie nach jedem Buchstaben und jeder Zahl die ihr vor die Nase kam, mit vier konnte sie das Alphabet aufsagen (sie hatte es mit der Babysitterin geübt …), mit fünf Jahren dann Bücher flüssig lesen.
Aufgrund der Geburt ihres kleinen Bruders und unseres Hausbaus samt Umzugs verzichteten wir aber auf eine vorzeitige Einschulung und sie kam regulär, mit fast sieben Jahren in die Schule.
Seitdem langweilt sie sich immer wieder, mal mehr, mal weniger, sie möchte aber die zusätzlichen Arbeitsblätter die ihr die Lehrerin anbietet nicht nehmen, sie will nicht auffallen und das machen, was alle anderen machen.
Der Gedanke der Lehrerin ist nun, daß sie, wenn sie in der höheren Klasse wäre, nicht mehr auffallen würde, denn vom Wissensstand wäre sie auf einem ähnlichen Niveau und auch körperlich und sozial ist sie den Älteren gewachsen.
Die Begeisterung der Tochter hält sich in Grenzen, sie gibt ungern Gewohntes auf, und ich bin gespannt, was sie nächste Woche erzählen wird. Die entgültige Entscheidung liegt sowieso bei ihr allein, ich werde mich nicht einmischen und möchte einfach, daß unser Kind glücklich ist.
Falls sie springen würde, wäre sie Ende nächsten Jahres schon auf dem Gymnasium und müsste allein mit dem Bus in die nächste Stadt fahren, mit neun Jahren. Für mich ein eher gewöhnungsbedürftiger Gedanke.
Andererseits wäre sie endlich richtig gefordert und würde sich nicht mehr als Sonderling fühlen, wie es jetzt ab und zu der Fall ist …
Hat jemand hier Erfahrungen mit diesem Thema ? Ich wäre froh über jeden hilfreichen Kommentar …
Hier noch ein aktuelles Foto vom Töchterlein, kurz nach einer Hauruckaktion in Sachen Haare abschneiden – um sechs Uhr morgens stand sie vor mir und bat mich, ihr umgehend eine Kurzhaarfrisur zu zaubern. In solchen Dingen ist sie mehr als spontan …

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8 Antworten to “Springen oder nicht springen …”

  1. Anne Says:

    Der Sohn von IO (MaultaschenoderRavioli.blogspot.com) hat doch auch eine Klasse übersprungen, vielleicht fragst du dort mal nach? Alles Gute!

  2. Corinna Says:

    Aaaaalso: wenn die Lehrerin sich das vorstellen kann und deine Tochter das auch möchte (das wäre für mich auch das wichtigste Kriterium!!), dann würde ich es probieren. Zumal sie ja aufgrund ihrer Größe auch nicht besonders auffallen würde, oder?!?!
    Und meine Tochter kommt auch mit fast 7 in die Schule, da finde ich gar nix schlimm dran 🙂

    LG
    Corinna

    • tekelek Says:

      Hallo Corinna,

      Ich weiß, daß der Sohn von Io gesprungen ist. Allerdings wollte er das ja soweit ich das gelesen habe von sich aus, oder ? Unsere Tochter tut sich noch etwas schwer mit dem Gedanken, in einer anderen Klasse zu sein. Trotzdem werde ich bei ihr noch nachfragen …

  3. io Says:

    Also, ich schaue mal wie weit ich komme … Tertia ist gerade beschäftigt, aber … wenn ich also unvermittelt abbrechen sollte …

    Zunächst einmal scheint es so etwas wie geschlechtsspezifisches Verhalten bei den Kindern zu geben, die in ihrer Klasse unterfordert sind. Jungen werden in der Regel aggressiv, aufsässig und stören den Unterricht (fallen also auf), während Mädchen eben versuchen, sich anzupassen und nicht aufzufallen. Das steht in der ganzen wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema, und ich kann das auch aus eigener Erfahrung mit Silencia und ilfiglio bestätigen.

    Ilfiglio hat von sich aus schon vor der Einschulung (und eigentlich ohne zu wissen, dass es so etwas wie Springen überhaupt gibt) angekündigt, dass er so schnell wie möglich in die 2. Klasse springen möchte. Und hat das dann recht zielstrebig auch bis zu den Osterferien umgesetzt.

    Bei uns war das Springen definitiv das Richtige, obwohl ilfiglio ja in seiner Klasse wegen seines Geburtsmonats September bereits einer der jüngsten war. Ich habe ihn nie so glücklich gesehen, wie in dem halben Jahr, in dem er erst den Probeunterricht hatte und dann eben gesprungen ist.

    Leider sind wir dann ja umgezogen, ilfiglio hat die Schule wechseln müssen und seitdem haben wir es eigentlich mit Lehrerinnen zu tun, die dieses Springen als großen Fehler ansehen – trotz inzwischen nachgewiesener Hochbegabung, trotz guter Noten und trotz der Tatsache, dass ilfiglio sich inzwischen wieder im Unterricht wieder zu Tode langweilt – es darf einfach nicht sein – und wir haben lange Zeit darum kämpfen müssen, dass er nicht wieder zurück in die 2. Klasse versetzt wird (hätten die eh nicht ohne unsere Zustimmung machen können, aber ich war ein Dreiviertel Jahr damit beschäftigt von Pontius zu Pilatus zu laufen, um für Verständnis für unseren Sohn zu werben – eher vergeblich, also an der Schule, beim Schulpsychologischen Dienst schon) – und ihm (und mir) wird von einer seiner Lehrerinnen auch heute noch bei jeder sich bietenden Möglichkeit auch erklärt, dass dies und jenes (wie lächerlich auch immer – zum Beispiel, dass er Häkeln nicht mag …) eben sei, weil er noch zu klein wäre und nicht in die – jetzt – 4. Klasse gehöre.

    Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, es steht und fällt mit der Schule, wenn die Lehrerin (und auch die anderen Lehrkräfte, also die, die sie in Zukunft noch haben wird) an der Schule dahinterstehen kann es wirklich gut funktionieren. Bei Euch ist es ja auch so, dass Eure Tochter ja dann nicht wahnsinnig jünger als der Rest der Klasse wäre. Bei ilfiglio ist das schon noch mal etwas anderes, er kommt ja jetzt kurz VOR seinem 9. (!) Geburtstag ans Gymnasium – ist aber schon immer sehr selbstständig gewesen, fährt seit über 1 Jahr regelmäßig alleine mit dem Bus/Fahrrad in die Stadt usw. Trotzdem bin ich froh, dass er jetzt an den HB-Zweig kommt und nicht mehr der einzige ist, der so jung ist und nicht mehr der einzige, der so aus der Reihe fällt – vor allem in Hinblick auf die Pubertät (allerdings haben Untersuchungen auch ergeben, dass das den Menschen/Kindern in der Regel nichts ausmacht, also das alle anderen in der Klasse älter sind).

    So, wie das jetzt bei Eurer Tochter ist … hm … keine Ahnung, ich frage mich manchmal bei Silencia auch, ob ich es überhaupt wirklich merken würde, wenn sie sich in der Schule langweiligen würde und ob ich sie springen lassen würde – nur weil sie vielleicht den selben IQ wie ihr Bruder hat – solange sie mit ihrer Situation zufrieden ist. Oder müssen Mädchen da einfach ganz anders herangeführt werden?! Was macht man, wenn man das Gefühl hat, dass die Tochter in der Schule völlig unterfordert ist?! Was, wenn man denkt, sie würde in der nächsthöheren Klassen adäquater gefördert und gefordert werden, aber das Kind sagt nichts und will einfach unauffällig bei seinen Freunden in der Klasse bleiben?! Keine Ahnung. vermutlich in der Klasse lassen.

    Ich kenne auch einen Jungen, der sehr schlau ist und angeboten bekommen hat zu springen, aber das eben nicht machen möchte. Er ist glücklich in seiner Klasse, allerdings gibt es an seiner Schule durchgehend differenzierten Unterricht und er bekommt eben – wie alle anderen Kinder – seine eigenen Aufgaben, sprich es fällt nicht auf, dass sein Zeug viel schwieriger ist als das der anderen. In der wissenschaftlichen Literatur wird das so genannte Enrichment auch meist vor die Akzeleration gesetzt. Aber auch das steht und fällt mit den Lehrern …

    Bei uns stellt sich die Frage auch nicht wirklich, denn ich werde den Teufel tun, und mir und Silencia das Theater an dieser Schule nicht auch/noch mal antun. Außerdem ist sie ja schon ein Kann-Kind und kam mit 5 in die Schule. Mir graut ein bisschen vor der Einschulung von Tertia, die ist definitiv nicht auf den Kopf gefallen (doch, heute morgen beim Spazieren gehen, aber ich glaube nicht, dass das was gebracht hat ;-)) und wird mit 6,5 Jahren in die Schule kommen …

    So, ich hoffe, das hilft Dir irgendwie weiter. Ich stehe auch jederzeit – sofern man mich lässt 😉 – für weitere Fragen zur Verfügung.

  4. Andrea Says:

    Schwierige Entscheidung ! Ich wünsche euch viel Glück.

    Liebe Grüße
    Andrea

  5. Dorothea Says:

    Ich wollte auch noch kurz meinen Senf dazu geben. Unser Sohn, im Mai 2006 geboren, sollte ebenfalls springen, nach drei Monaten erster Klasse. Ich stand dem sehr skeptisch gegenüber, aus zwei Gründen: zum einen ist unser Sohn sehr klein und zierlich für sein Alter und ich machte mir Sorgen, ob er nicht zu stark gehänselt würde. Zum anderen wollte ich nicht, dass er immer der Jüngste ist, die anderen ein Jahr früher in die Pubertät kommen und er mit 17 Jahren schon das Abi in der Hand hat.

    Fakt ist aber auch, dass Elias total unterfordert war, er sich im Unterricht langweilt, selbst mit Zusatzmaterial, und schließlich auch das Stören anfing.

    Wir haben mit der Lehrerin eine dreiwöchige Probephase vereinbart. Nach zwei Wochen hat mein Sohn von sich aus abgebrochen. Er hat sich in der neuen Klasse überhaupt nicht wohl gefühlt, fand keinen Anschluss und vermisste seine bisherigen Kumpels. Inhaltlich kam er gut mit und war gefordert. Fakt ist aber auch, dass wir nachmittags noch einiges mit ihm hätten üben müssen. Da ich berufstätig bin und auch noch zwei kleinere Kinder habe, habe ich mir das nicht zugetraut.

    Der Wechsel zurück in die erste Klasse war die richtige Entscheidung für uns. Auch die Hort-Erzieherin hatte uns dazu geraten, weil sie meinte, in der sozialen Entwicklung sei schon noch ein Unterschied feststellbar.

    Die Lehrerin gibt unserem Sohn nun einiges an Lehrmaterial der zweiten Klasse. Wir haben ihn auch testen lassen und sind Mitglied im Verein für das hochbegabte Kind geworden, die eine Menge Kurse am Nachmittag oder am Wochenende anbieten, wo er Gleichgesinnte treffen kann. Wir versuchen, ihn nun durch solche Aktivitäten auszulasten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Probiert es aus und nehmt die Meinung Eurer Tochter ernst. Sie muss sich wohlfühlen und gerne zur Schule gehen.

    Viel Glück bei der Entscheidung
    Dorothea

  6. pünktchenundanton Says:

    hallo. sonst stille mitleserin, möchte ich mich als „selbstbetroffene“ auch dazu äußern. redet mit eurer tochter und zeigt ihr ihre möglichkeiten in allen beiden richtungen auf, also, was es heißt, weiter in der klasse zu bleiben, aber auch , was beim springen auf sie zukommt/ könnte. und nach der probewoche, evtl. verlängern, eine auswertung mit der tochter machen. am besten schriftlich mit einer tabelle, wo pro und kontra für beide situationen deutlich gemacht werden. so kann sich die tochter vielleicht besser ein bild machen und klarere gedanken fassen. es gibt den verein dghk, wo man tips und unterstützung, auch vor ort erhalten kann. musst mal googlen.

  7. Carolin Says:

    Wir haben unsere Tochter mit fast 7 eingeschult, obwohl sie mit 5 Bücher nur so verschlungen hat und es sicher auch intellektuell kein Problem gewesen wäre sie früher einzuschulen.
    Die Kinderärztin und viele andere haben über unser „spätes“ Einschulen nur den Kopf geschüttelt – wir waren aber überzeugt, dass ihr Selbstbewußtsein noch nicht wirklich ausgereift war.
    Sie hat sich dann tatsächlich auch gelangweilt in der Schule und es stand die Frage des Springens im Raum – unsere Tochter hat sich geweigert, sie wollte ihren Klassenverband nicht verlassen, wir selbst waren auch nicht wirklich überzeugt und die damalige Lehrerin hat es für sehr wichtig gehalten, auf die Meinung unserer Tochter zu hören. So blieb sie also in der Klasse und wurde durchgängig bis zur 4. mit Zusatzmaterial gefüttert, was auch wirklich sehr gut an dieser Schule geklappt hat. Jetzt hat sie einen Stadt- und Bundeslandwechsel zu Beginn der 6. Klasse Gymnasium hinter sich, ist pubertierend, tut sich nach wie vor sehr leicht in der Schule, hat aber inzwischen eben auch andere „Baustellen“, wo es wirklich von Vorteil ist, dass ihr die Schule leicht fällt.
    Unser Sohn kam dann mit 5 in die Schule, ist ein kleiner, zierlicher Kerl (immer und überall der Kleinste), was mir natürlich auch etwas Kopfschmerzen bereitet. Er hat jetzt auch den Wechsel von Bayern nach Berlin hinter sich, wird jetzt (eher untypisch für Berlin, da eigentlich 6jährige Grundschule) mit 9 ans Gymnasium wechseln und auch hier sind wir mit unserer Entscheidung des frühen Einschulens und jetzt des frühzeitigen Wechsels ans Gymnasium – er will das unbedingt – überzeugt. Wie es letztendlich dann wird, weiß man vorher ohnehin nicht.
    Ich denke, es ist sehr abhängig vom jeweiligen Kind und vielleicht hat Eure Tochter ja nach der Probezeit eine für sich eindeutige Meinung. Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute für Eure Entscheidung!
    (ich selbst bin gespannt, wie sich das Ganze für uns bei unserer Dritten darstellt – wahrscheinlich wieder schlaflose Nächte bis zur Entscheidungsfindung 😉
    Alles Liebe! Carolin

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