Vor 6 Jahren …

Und fast zwei Stunden wurde unser großer Sohn geboren. Eigentlich wäre der errechnete Termin der 2.9. gewesen, aber an diesem Datum tat sich rein gar nichts. Also machte ich mir noch einen schönen Tag mit Mann und Tochter, wir bummelten durch die Stadt, gingen gemütlich essen (der Zwiebelrostbraten den ich verspeiste sollte noch für Verwirrung sorgen) und ich sagte dem Sohn, jetzt sei es mir egal wann er kommt und er könne meinetwegen noch 1-2 Wochen im Bauch bleiben.

Am nächsten Tag drückte es beim Frühstück im Bauch und ich dachte mir noch „super, war wohl doch keine so gute Idee, soviel Zwiebeln zu essen“. Die vermeintlichen Blähungen entpuppten sich aber gegen späten Vormittag als Wehen und kurz vor 19 Uhr wurde unser zweites Kind und unser erster Sohn geboren.

Von Anfang an war er ein äußerst sensibles und ungeheuer verschmustes Kind, ich hatte mir zwar ein kuschelfreudiges Baby gewünscht, bereute diesen Wunsch nach einigen Wochen aber fast.

Auch heute braucht unser Sohn noch viel Körperkontakt und Nähe. Nach wie vor erinnert er mich an die Mimose, die ich kürzlich mit ihm im Gartencenter bewunderte, sobald ihn etwas zu stark berührt, zuviele Reize vorhanden sind oder er sich ungerecht behandelt fühlt, zieht er sich augenblicklich zurück wie diese zarte Pflanze, um erst nach einiger Zeit wieder vorsichtig seine Fühler auszustrecken. Ich kenne ihn mittlerweile sehr gut und weiß mit dieser Sensibilität umzugehen, trotzdem passiert es mir immer noch ab und zu, daß ich vorübergehend vergesse, wie stark diese ausgeprägt ist.

Ich liebe dieses Kind so sehr. Dieses zarte, mitfühlende und auch oft sehr überschwängliche Wesen. Zu dem die übersprudelnde Freude und Begeisterung genauso gehört wie die oft sehr plötzlich auftretende Wut und Verzweiflung.

Sechs Jahre alt ist unser großer Junge nun schon, kaum zu glauben. Und über Nacht schien er mit sogar noch ein paar Zentimeter gewachsen zu sein. Jedenfalls schaute ich ihn heute morgen an und dachte mir „ja, genau so sieht ein Sechsjähriger aus“ :-). Der erste Wunsch war dann auch gleich, alleine zum Bäcker gehen zu dürfen, um Semmeln fürs Frühstück zu holen. Ohne Schwester, ohne mich, nur er alleine. Voller Stolz marschierte er also im Morgennebel los, drehte sich an der Kurve noch einmal um, um mir zuzuwinken, und ich war mindestens genauso stolz auf ihn.

Ich wünsche ihm für die nächsten Jahre, daß er sich sein Wesen bewahrt und sich nicht von anderen aus der Ruhe bringen lässt, weil er nicht cool oder hart genug ist, daß er vielleicht trotzdem die Welt nicht allzu ernst und sich alles zu Herzen nimmt, und Freunde findet, die ihn so nehmen und mögen wie er ist.

 

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Eine Antwort to “Vor 6 Jahren …”

  1. geologenkinder Says:

    Alles Gute noch nachträglich dem Sechsjährigen.

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