Kleiner Houdini

Die letzten Tage waren ziemlich ermüdend. Da der Finger unseres Jüngsten bis zum Wochenende entzündet blieb und er zudem am Samstag noch Fieber bekam, besuchte ich mit ihm den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst. Dort bekam er erneut einen Verband, dieses Mal mit Zugsalbe. Am nächsten Morgen hatte sich unser kleiner Houdini auch dieses Verbandes entledigt, wie die Tage vorher schon.

Da der Finger noch schlimmer aussah als am Vortag, ging es nach dem Frühstück erneut zur Bereitschaftspraxis (ich hatte am Vorabend dummerweise gegoogelt und allerhand gruselige Aussagen zu diesem Krankheitsbild gelesen, bis hin zur Amputation …). Dort traf ich unseren Kinderarzt an, der den Finger 5 Tage vorher bereits gesehen hatte und da auch er mit seinem Latein am Ende war, schickte er mich in die Kinderklinik nach München.

Da wir sowieso vorgehabt hatten dort am Wochenende gute Freunde zu besuchen, konnten wir den Krankenhausbesuch praktischerweise damit verknüpfen, so saß ich also geschlagene 2 Stunden in der Ambulanz der Kinderklinik des Dritten Ordens, während mein Mann mit den großen Kindern bereits bei unseren Freunden weilte.

Während eines ausgiebigen Fingerbades in Desinfektionslösung (etwa 45 Minuten lang – so lang brauchte die Oberärztin, um noch schnell einen Blinddarm zu operieren) verabschiedete sich der gequetschte Nagel entgültig, zusammen mit dem darunterliegenden Eiterbett. Bevor die Ärztin eintraf, schwamm der Nagel plötzlich an der Oberfläche des Bechers. Diese gab Entwarnung in Sachen Antibiotikum (welches der Kinderarzt bereits in Saftform rezeptiert hatte) und ordnete an, weiter mit Desinfektionslösung getränkte Verbände anzulegen, bis der Nagel nachgewachsen sei.

Ich wies darauf hin, daß unser Sohn alle bis dahin angelegten Verbände spätestens nach einem halben Tag demontiert hatte und bekam zur Antwort „Wir sind hier die Profis, den bekommt er nicht ab !“. Es dauerte keine 6 Stunden, da lag auch dieser Verband zusammengewurstelt im Bett unseres Jüngsten und es folgte erneut eine sehr unruhige Nacht …

Heute morgen machte ich mich dann selber ans Verbandbasteln, zum Glück hatte ich in der Ambulanz für den unwahrscheinlichen Fall daß sich unser Sohn aus dem Profiverband befreien sollte weiteres Verbandmaterial überreicht bekommen. Über den Verband kam noch eine Babysocke, die ich bis zum Ellbogen hochzog und obwohl er einige Versuche startete, auch diesen Verband loszuwerden, blieb er bis zum Abend stabil bzw. ich konnte rechtzeitig Sabotageversuche vereiteln 🙂

Morgen dann erneut ein Besuch beim Kinderarzt zur Wundkontrolle und ich hoffe, dieses Mal erwartet uns keine böse Überraschung. Dadurch daß der Nagel nun nicht mehr vorhanden ist, können sich die Keime nicht mehr darunter sammeln und die Entzündung müsste bald abklingen. Einziger Wermutstropfen für unseren Sohn ist, daß das ungeschützte Nagelbett natürlich hochempfindlich ist und er bei jedem Anrempeln beim Krabbeln oder Raufereien mit dem großen Bruder vor Schmerzen losschreit, egal wie dick der Finger gepolstert ist.

Irgendwann wird dann aber hoffentlich ein schöner Nagel nachgewachsen sein und die letzten Tage werden eine weitere Anekdote aus seinem Leben darstellen …

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