Grautöne

Ich liebe Grautöne. Aber nur im übertragenen Sinne.

Heute ging mir das so durch den Kopf. Mich stört gewaltig dieses überwiegend vorherrschende Schwarz-Weiß-Denken. Nehmen wir beispielsweise die Kindererziehung. Es gibt fast nichts, was mehr polarisiert und wo es deutlichere Lagerspaltungen gibt.

Es fängt schon vor der Geburt des Kindes an. Wo soll es zur Welt kommen und vor allem wie ? Im Krankenhaus, im Geburtshaus oder gleich zu Hause ? Per Kaiserschnitt, spontan und falls ja, mit Pda oder ohne ? Die einen wettern gegen das Krankenhaus und meinen, man könne dort keinesfalls entspannt und gefahrlos ein Kind zur Welt bringen. Und lassen dabei außer Acht, daß viele Frauen vielleicht gerade dort entspannt sind, weil sie sich sicher fühlen. Andere meinen wiederum, daß einzig und allein das Krankenhaus zum Gebären geeignet sei, alle die nicht dort entbinden, seien lebensmüde bzw. wollten ihrem Kind scheinbar absichtlich Schaden zufügen.

Weiter geht es dann danach. Stillen oder nicht ? Heutzutage überwiegt gefühlt die Zahl der Stillbefürworter, es werden stundenlang Vorträge gehalten, wie wichtig es ist zu Stillen und oft wird so auch Müttern Angst gemacht, die eigentlich wollen, aber aus welchen Gründen auch immer nicht können. Oder Mütter angegriffen, die einfach nicht wollen. Zum Glück fließt aber Mutterliebe nicht einzig und allein über die Muttermilch zum Kind, sondern äußert sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Wichtig ist nur, daß sie auch beim Kind ankommt.

Anschließend geht es meist um Nähe. Die einen postulieren, man müsse sein Kind Tag und Nacht bei sich haben, am besten ausschließlich Tragen und immer auf jegliche Bedürfnisse eingehen. Die anderen sagen, das Kind müsse schon früh lernen, auf Dinge zu verzichten bzw. dürfe nicht verwöhnt werden. Dabei gibt es doch ein Dazwischen. Wenn die Mutter völlig ausgebrannt und erschöpft ist, ist es auch legitim, das Kind vorübergehend einer wohlmeinenden Drittperson in die Arme zu drücken. Wenn der Rücken zu sehr schmerzt, muß das Kind eben auch mal in der Nähe der Mutter liegen und schreien. Und wenn das Kind stündlich gestillt werden möchte, aber die B.rustwarzen blutig sind, dann nimmt es auch keinen Schaden, wenn es noch eine Stunde hingehalten wird.

Dasselbe gilt für das Kleinkindalter. Niemand ist immer konsequent. Und muß es auch nicht durchgehend sein bis zum Erbrechen. Es tut dem Kind genausowenig gut, immer das zu bekommen, was es möchte. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung besteht weder aus der ausschließlichen Aufnahme von zuckerfreien Lebensmitteln, noch muß ein Kind täglich Süßes essen. Absolutes Fernsehverbot ist eben so unnötig wie stundenlanger Fernsehkonsum.

Mir fehlt einfach immer öfter das „Grau“. Das Akzeptieren, daß andere einen gänzlich anderen „Fahrplan“ haben können, und trotzdem glücklich damit sind bzw. glückliche Kinder haben. Daß Erziehung nicht bedeutet, verschiedene Punkte auf einer Liste abzuhaken, bzw. unumstößliche Regeln und Gebote zu befolgen, sondern daß jedes Kind etwas anderes braucht. Daß es wichtig ist, trotz aller Liebe zum Kind auf sich selbst zu achten. Daß es auf der anderen Seite wichtig ist, kurzzeitig die eigenen Grenzen zu überschreiten, wenn man wirklich dringend gebraucht wird.

Es gibt fast nie ein „entweder, oder“. Es gibt kein „Schwarz oder Weiß“. Es gibt keine perfekten Lösungen, die für jeden funktionieren. Ob das nun die Erziehung betrifft, das Leben in unserer Gesellschaft im allgemeinen oder andere Dinge. Was für uns gut funktioniert, ist für andere nicht machbar oder undenkbar. Wichtig ist finde ich lediglich das Endergebnis. Nämlich ob die Menschen dahinter zufrieden und glücklich sind mit ihrem Leben, egal ob 3 oder 30 Jahre alt.

Alles etwas durcheinander, innerhalb von 5 Stunden zusammengeschrieben (bei drei Kindern gelingt es selten, zusammenhängend zu schreiben, außer sie schlafen), aber mir schwirrte das heute durch den Kopf und ich wollte es einfach mal loswerden …

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6 Antworten to “Grautöne”

  1. aleXXblume Says:

    Mir gefallen in diesem Zusammenhang auch die Grautöne am besten! Und ehrlich gesagt glaube ich, dass die Welt in Wirklichkeit viel „grauer“ funktioniert, als oft dargestellt. Denn die eigene Meinung (oft Schwarz-Weiß) und wie sie im Alltag durchgehalten wird, das differiert oft gewaltig. Klar, manche Dinge kann man durchaus durchziehen, in manchen Situationen. Zum Beispiel 6 Monate ausschließlich Stillen. Aber ganz oft (z.B. beim Thema Konsequenz) sieht die Wirklichkeit doch anders aus, als die großen Reden glauben machen wollen.. Grau beherrscht die Welt – und wo es das nicht tut, wirds fanatisch, leider.
    Schöner Artikel! 🙂

  2. engelswelt Says:

    .

    Sehr schön geschrieben und absolut wahr!

  3. nilaja Says:

    Schön geschrieben.
    Und ich stimme Dir total zu.
    Ich finde es schade, dass sich (meist) Mütter gegenseitig das Leben so schwer machen.
    Es wäre doch viel schöner und einfacher, wenn man die anderen Erziehungsstile einfach akzeptieren würde.
    VlG
    Nilaja

  4. Frau Ahnungslos Says:

    Sehr schöner Artikel!
    Und volle Zustimmung. Wahrscheinlich würde die große Mehrheit aller Eltern hier zustimmen.
    Gerade deshalb ist es so sonderbar, dass Eltern oft die treibende Kraft hinter den schwarzweißen Gedanken und Aussprüchen sind. Und auch sonderbar ist es, dass die „Graudenker“ sich immer wieder etwas schwärzer oder etwas weißer machen lassen.
    Vermutlich braucht es eine starke Persönlichkeit oder einen Haufen Lebenserfahrung, um beim persönlichen Grau zu bleiben, ohne es sich miesmachen zu lassen.

    Es grüßt
    Frau Ahnungslos

  5. Cornelia Says:

    Ich würde das ganze eher bunt nennen, nicht grau, Aber sonst stimme ich Dir zu.
    Cornelia

  6. féizào Says:

    Ich stimme dir zu! Total!
    Es gibt nicht die perfekte Mutter/die perfekten Eltern und auch nicht die perfekte Kindererziehung. Jeder Mensch ist anders und so sind es auch die Kinder. Aber das scheint nicht selbstverständlich zu sein..

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