Der Mühe Lohn

Wie oft musste ich mir in der Vergangenheit anhören, daß ich unsere Kinder zu wenig in die Haushaltsarbeit einbinde, daß sie zu wenig Pflichten hätten und ich als Mutter viel zu lieb und milde bin. Und obwohl ich die Kinder bisher nie dazu verpflichtet habe, im Haushalt mitzuhelfen, empfinde mich keineswegs als zu lieb, ich achte lediglich auf einen netten und höflichen Umgangston, nicht nur Mitmenschen, sondern auch meinen Kindern gegenüber und ich glaube fest daran, daß man immer das zurückbekommt, was man aussendet. Und Pflichten haben sie nach der Einschulung mehr als genug …

Heute dann die Überraschung. Ich lag gerade mit dem Kleinsten oben im Zimmer und versuchte ihn zum Schlafen zu bringen, er wehrte sich aber nach Kräften und schrie wie am Spiess, denn Schlafen ist zur Zeit nicht sehr beliebt, gibt es doch als frischgebackenes Kleinkind viel wichtigere Dinge zu erledigen. Als er sich dann allmählich beruhigte und schließlich einschlief, hörte ich von unten aus der Küche Geschirrgeklapper. Ich wunderte mich, überlegte hin und her, wer wohl da in meiner Küche zugange sei, fragte mich, ob die grossen Kinder gerade irgendwelchen Unsinn aushecken. Als ich dann hinunterkam, erwarteten mich meine beiden Großen und erklärten mir, daß die Spülmaschine gerade fertig gewesen sei und sie sich gedacht hatten, daß sie diese gleich ausräumen könnten, denn, Originalton des grossen Sohnes, „wenn man zusammen in einem Haus wohnt sollte man sich ja gegenseitig helfen“. Außerdem sollte es eine Überraschung für mich werden.

Ich war in der Tat sehr überrascht und auch gerührt, da wie gesagt keinerlei Aufforderung meinerseits erfolgt war. Dieses Ereignis zeigt mir wieder, daß die ganze Mühe doch nicht umsonst ist. Daß Druck meist nur Gegendruck erzeugt und manches eben nur langsam wächst, aber doch irgendwann Früchte trägt.

Ich habe mich sehr gefreut und den Kindern das auch gesagt, beide bekamen einen dicken Kuss und ich denke, das ist die beste Motivation für eine Wiederholung solcher Aktionen. Und stolz bin ich natürlich auch sehr auf die immer häufiger auftretenden Anzeichen von Eigeninitiative und Hilfsbereitschaft, die hier wirklich von Herzen kommt. Kinder sind wirklich etwas Wunderbares und trotz aller Anstrengung und oft auch nervenaufreibenden Momenten würde ich nie auf sie verzichten wollen …

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3 Antworten to “Der Mühe Lohn”

  1. aleXXblume Says:

    Naja, wenn dir das genug ist, dass sie ab und an mal helfen, dann ist das sicher ok. Für mich würde das nicht gehen, ich fordere Hilfe der Kinder (und meines Mannes) ein, sonst fühle ich mich wie der „Familiendiener“. Bei uns läuft es so, dass unser Großer seit ca. einem Jahr (also seit er neun ist) jeden Tag den Spüler ausräumt. Wir haben das in einer Familienkonferenz gemeinsam besprochen und er macht es nicht wegen irgendwelchen Drucks, sondern weil es so abgemacht wurde. Außerdem hilft er oft spontan, wenn ich ihn um Hilfe bitte, zum Beispiel wenn ich kurz etwas erledigen muss, wobei ich die Kleine nicht brauchen kann, dann passt er auf sie auf. Die Kleinen (4 und 1 1/2) helfen abends beim Aufräumen der Kinderspielsachen und wenn sie von selber helfen wollen, z.B. beim Putzen oder Kochen.
    Ich finde nicht, dass ich da zu sehr Druck ausübe, wenn ich verlange, dass weggeräumt wird, was hergeräumt wurde oder dass alle ein wenig mithelfen im Haushalt. Dass ich ganz sicher nicht zuviel verlange, merke ich daran, dass deine „Gegendruck-Hypothese “ hier nicht in Kraft tritt. Meistens wird hier ohne Murren geholfen, eben weil allen klar ist, dass es wichtig ist und weil es gemeinsam, nicht von mir alleine und über Köpfe hinweg, beschlossen wurde.

    • tekelek Says:

      Aufräumen müssen sie ihre eigenen Sachen schon. Also ihre Zimmer, die Kleidung (sowohl frisch gewaschene als auch dreckige, jedes Kind hat seinen eigenen Wäschekorb) und ihren Teller am Esstisch. Auf den kleinen Bruder passen sie auch eine Weile auf, wenn ich sie darum bitte.
      Mir geht es eher um das freiwillige Mithelfen im Haushalt und zwar weil sie erkennen, daß dann alles runder läuft und nicht weil sie Befehle ausführen.
      Ich denke, wir meinen das Gleiche 🙂

      • aleXXblume Says:

        Ja, genau so meine ich das. Also war es für mich nur ein wenig missverständlich rübergekommen im Artikel. Ich dachte, sie müssen sonst gar nichts machen… 🙂 Seine eigene, frischgewaschene Wäsche verräumen muss mein Großer auch – und seine schmutzige in die Waschküche bringen. Der Vierjährige nur sporadisch, die Kleine natürlich nicht. Aber die hilft mir dafür freiwillig und mit Inbrunst, saubere Wäsche zusammenzufalten und in die Schränke zu räumen. Noch. 😉

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