Um Haaresbreite …

Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, mich bzw. meine Familie begleitet ein Schutzengel. Eigentlich bin ich nicht abergläubisch, aber gerade heute gab es wieder eine Situation, die mich schon nachdenklich gemacht hat.

Wir hatten uns am Vormittag mit meinen Eltern, meinem Opa und meinen Geschwistern in Lindau verabredet, um die Grabstelle meiner vor 10 Tagen verstorbenen Oma zu besuchen. Wie immer verzögerte sich die Abfahrt ein wenig, ich musste noch nasse Kinderbettwäsche in die Waschmaschine befördern, Verpflegung herrichten (spätestens nach 5 Minuten Autofahrt kräht es immer von hinten „Wir haben sooooo Hunger !“), Babyausrüstung zusammenpacken, u.s.w.. Dann waren die großen Kinder natürlich wieder nach Draußen verschwunden und mussten noch gesucht werden und wir kamen einfach nicht los.

Mit etwa 20 Minuten Verspätung brachen wir dann auf. Ich ärgerte mich da schon ein wenig, denn normalerweise bin ich immer um Pünktlichkeit bemüht. Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt dann ein Stau und ich dachte mir nur „Oh nein, Sch….“. Wir sahen ungefähr 80 m vor uns dunkle Rauchwolken aufsteigen, außerdem konnte man Flammen erkennen und da wurde mir klar, daß sich dort ein wirklich schlimmer Unfall ereignet haben musste. Kurz darauf hörten wir Sirenen und hinter uns bahnten sich nacheinander 2 Feuerwehrlöschzüge, 2 Krankenwagen, Notarzt und Polizei einen Weg durch die Automassen. Von der anderen Seite kam ein weiterer Löschzug, nochmals 2 Krankenwagen und der Straßendienst um die Autobahn abzusperren.

Wie lange wir dort standen weiß ich nicht mehr, ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Es muß etwa 45 Minuten gedauert haben, anschließend setzte sich die Blechlawine langsam wieder in Bewegung. Wir passierten die Unfallstelle im Schritttempo und sahen das ganze Ausmaß des Unglücks. Auf der gegenüberliegenden Fahrbahn konnte man ein völlig ausgebranntes, demoliertes Autowrack sehen. Auf unserer Seite war die Autobahn übersät mit Scherben, Reifenteilen, Plastikstückchen, u.s.w., und mein Mann hatte Angst, daß unsere Reifen Schaden nehmen. Es sah aus, als wäre eine Splitterbombe explodiert.

Mit einer Stunde Verspätung kamen wir dann in Lindau an, leider zu spät, um noch zum Friedhof zu fahren, es ging dann sofort zum Mittagessen in ein sehr gemütliches und gutes Restaurant. Die Grabstätte besuchten wir nach dem Essen noch, dann ging es wieder zurück nach Hause.

Hier machten wir uns gleich wieder an die Arbeit im Haus, mein Mann stapelte Holz (am Freitag wurde es geliefert und reicht bestimmt für die nächsten 2-3 Winter …) und hängte Lampen auf (endlich haben wir überall Licht :-)), ich machte mich ans Fensterputzen, noch immer sind nicht alle Scheiben vom Bauschmutz befreit …

Während ich am Putzen war, rief meine Mutter auf dem Handy an. Ich wiegelte ab, denn mit nassen Gummihandschuhen an den Händen mitten während des Scheibenreinigens lässt es sich schlecht telefonieren. Mein Mann sagte mir aber, es sei dringend. Also rief ich kurz darauf zurück und hatte eine sehr aufgeregte Mutter am Telefon. Sie erzählte mir, daß mein Bruder mehr über den Unfall herausgefunden hätte. Es war ein Geisterfahrer auf unserer Fahrbahn unterwegs gewesen und frontal in ein vollbesetztes entgegenkommendes Auto gerast. Das Auto des Geisterfahrers war durch den Aufprall auf die Gegenfahrbahn geschleudert worden und ausgebrannt, das entgegenkommende Auto in sämtliche Einzelteile zerlegt worden. Bilanz des Unglücks, 3 Tote, 3 Verletzte.

Wären wir auch nur 15 Minuten früher losgefahren, hätte es uns treffen können. Wir haben ein großes Auto und ich fahre meistens recht flott (zwischen 150 und 160 km/h), sehr viel auf der Überholspur. Also genau da, wo sich der Unfall ereignete. Da wir während der Fahrt so gut wie nie Radio hören, hätte ich auch gar nichts davon mitbekommen, daß ein Geisterfahrer unterwegs ist.

Schon ein komisches Gefühl wenn man weiß, daß um Haaresbreite die ganze Familie hätte ausgelöscht werden können. Und auf der anderen Seite das Gefühl von Glück und Dankbarkeit, daß wir dank der Verspätung knapp diesem Schicksal entronnen sind …

Advertisements

2 Antworten to “Um Haaresbreite …”

  1. aleXXblume Says:

    Puh, heftig! Da wirds einem ja im Nachhinein noch ganz anders…. Mein Mann hatte im Sommer ein ähnliches Erlebnis, als er nur um eine halbe Stunde dem Desaster in Rostock entkam, in dem ein plötzlich aufkommender Sandsturm eine Massenkarambolage auf der Autobahn verursacht hatte… und das nur, weil er sich, obwohl mit dem dortigen Job fertig, dagegen entschieden hatte, schon früher zum Flughafen zu kommen als geplant. Puh…

  2. Kathrin Says:

    Puh, da bekomme ich direkt eine Gänsehaut!

    ja, da hattet Ihr einen Schutzengel.
    Zum Glück wissen wir ja meist nicht welchen Gefahren wir zufällig entgangen sind; weil wir anders als sonst einen Umweg gefahren sind, weil ein Kind noch zum Klo musste, weil das Telefon klingelte….

    Daran sollten wir alle denken, wenn wir mal wieder ungeduldig darauf warten, dass die Kinder fertig werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: