„Babybremse“ und Kindheitserinnerungen

Ich werde zur Zeit gebremst. Und zwar von einem zwar unheimlich süßen, aber unheimlich klammernden Baby.

Eigentlich müssten mindestens noch 80 Umzugskartons gepackt werden. Eigentlich müsste der Keller weiter entrümpelt werden. Ebenso das Kinderzimmer, da herrscht Müllhaldenstimmung (jedenfalls in meinen Augen …). Die Speisekammer und der Kühlschrank müssten durchgesehen und aufgeräumt werden. Kleiderschränke durchforstet und die Bestände dezimiert werden. Nebenbei muß der normale Alltag weiterlaufen, der sowieso schon mehr als genug Zeit in Anspruch nimmt.

Aber da gibt es dieses Baby. Diesen kleinen Sohn, der meint, ohne mich sterben zu müssen. Der ein sirenenartiges Geheul von sich gibt, wenn er mich nicht sieht bzw. keinen Körperkontakt zu mir hat (und wenn er nur meinen Fuß halten kann, das reicht manchmal schon). Eigentlich würde mir das unter normalen Umständen wenig ausmachen. Da würde ich die Haushaltaktivitäten einfach verschieben und mich ausgiebig meinem kleinen Sohn widmen.

Nun ist es aber so, daß unser Umzug ins Haus steht. Und in nicht mal 4 Wochen werden wir wenn alles gut geht schon im neuen Haus wohnen. Die Kisten sollen eigentlich schon vorher hintransportiert werden. Ein Ding ist es eben, die Kisten einzupacken, das geht relativ schnell. Ich möchte aber keine Altlasten mit umziehen, nicht schon wieder Kartons dastehen haben, auf denen „Diverses“ steht, denn dieses wird voraussichtlich der letzte Umzug für die nächsten 20 Jahre sein örks, irgendwie klingt das schon ein wenig unheimlich …. Also müsste wie bereits geschrieben sortiert und entmüllt werden. Und das kostet Zeit die ich nicht habe.

Sehr oft am Tag atme ich tief durch, seufze und frage mich, wie ich das alles schaffen soll. Nehme den Sohn auf den Arm, der sich augenblicklich an mich schmiegt und mein Gesicht streichelt, kümmere mich um die großen Kinder, koche, putze, räume, wasche, zwischendurch nehme ich mir ein kleines „Sortierprojekt“ vor und dann steht vor meinem inneren Augen wieder der Satz „nur noch 4 Wochen bis zum Umzug !“. Ich kann aufräumen. Und ich kann gut sortieren und ausmisten. Wenn man mich denn ließe …

Wieso ich in der Überschrift von Kindheitserinnerungen schreibe ? Das ist ein anderes Thema.

Heute Abend wälzte und turnte der große Sohn zusammen mit dem kleinen Bruder auf unserem Bett herum. Urplötzlich fing er an zu schreien wie irre, die Tränen liefen die Wangen herunter und er wiederholte ständig jaulend „AUA !“. Auf mein Nachfragen was denn sei, wusste er erst keine Antwort, er stand richtig unter Schock. Irgendwann sah ich dann seinen großen Zeh. Und daß dort das gesamte obere Drittel des Nagels abgerissen war. Im Nu fühlte ich mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt, da hatte ich nämlich mal einen ganz blöden Unfall, blieb mit dem Nagel der kleinen Zehe an einer Steinplatte hängen und riss mir diesen komplett ab …

Somit weiß ich um die irrsinnigen Schmerzen, die so etwas auslöst und kümmerte mich in diesem Moment ausschließlich um den Mittleren. Auf meine Frage wie das denn passiert sei antwortete er dann „Da stand ein Stück Nagel weg und das habe ich dann abgerissen. Stimmt doch Mama, oder ? Wenn da was absteht, muß man es doch wegreißen ?!?“. Oje, ich glaube, das wird das letzte Mal gewesen sein, daß mein Großer Haut- oder Nagelteile abreißt, die abstehen …

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