Ich schau Dir in die Augen Kleines

Ich finde es immer wieder äußerst faszinierend, wieviel solch winzige Menschen schon mitteilen können, bevor sie überhaupt mit Sprechen und Laufen anfangen.

Wenn ich meinen Sohn anschaue, ihm genau „zuhöre“, dann kommuniziert er schon sehr gut mit mir. Ich weiß sofort, ob er Hunger hat, ob er kuscheln möchte oder müde ist. Ob er überreizt ist oder Angst hat. Und sogar (auch wenn das wirklich seltsam klingt bei einem 3 Monate alten Baby) ob er Pipi machen muß.

Er jammert, schreit oder weint auf ganz unterschiedliche Arten, wechselt ständig seine Mimik und zeigt mehr als deutlich, was er will. Und protestiert dementsprechend auch, wenn er nicht das bekommt was er will 😉

Gestern waren wir den ganzen Nachmittag unterwegs, meine beste Freundin feierte ihren Geburtstag. Schon bei der Ankunft guckte der Kleinste mit einer Mischung aus Neugier und Mißtrauen in die Gegend. Etwas verunsichert schweifte der Blick dauernd zu mir, ich lächelte ihm dann jedes Mal zu und er entspannte sich wieder. Als es dann aber ans Stillen ging, war es vorbei. Hier Stillen ? In einer völlig fremden Umgebung ? Mit so einem bunten Bild hinter dem Sofa ?

Er quittierte das Ganze mit ohrenbetäubendem Geschrei, die Tränen liefen literweise herunter und das arme Kerlchen kam kaum zur Ruhe. Irgendwann war es vorbei, er trank und war wieder zufrieden – zumindest so lange er auf meinem Arm war.

Anschließend gingen wir zum Spielplatz und ich hoffte, daß er im Kinderwagen einschlafen würde. Nichts da. Die Augen sperrangelweit offen starrte er in die Runde, musterte die unbekannten Gesichter, studierte jeden einzelnen Baum und wieder kam er nicht zur Ruhe. Ich sah, daß er wirklich todmüde war, aber zu angespannt und auch neugierig, um einfach die Augen zuzumachen.

Auf dem Rückweg schlief er dann doch kurz ein, nur um beim Hineingehen ins Haus wieder aufzuwachen – fremde Geräusche, fremde Gerüche, wer kann da schon schlafen. Dann kam wieder der Hunger und mit diesem wieder das lautstarke, tränenreiche Gebrüll.

Als wir dann endlich gegen Abend ins Auto stiegen, vollzog sich eine wundersame Wandlung. Der Sohn schaute herum, lächelte und stopfte zufrieden beide Hände in den Mund. Ganz nach dem Motto „Hier bin ich zu Hause“. Die gesamte Fahrt blieb er wach, war aber sichtlich glücklich und gab nicht einen einzigen Schrei von sich. Hier angekommen packte ich ihn in seinen Schlafsack, legte ihn ins Bett und sang ihm seine Lieder vor, anschließend schlief er umgehend ein, sogar ganz ohne Schnuller (den braucht er sonst ca. 5 Minuten um entgültig abzuschalten).

Dieses Miteinander und Verstehen ist wunderbar. Auf der anderen Seite bereitet es mir teilweise Bauchschmerzen, weil ich genau weiß, was ihn stört, es aber in vielen Situationen einfach nicht ändern kann. Ich rede dann mit ihm, erkläre ihm, warum dieses oder jenes gerade nicht geht, in der Hoffnung, daß er auch mich ein wenig versteht.

Momente wie gestern wird es immer wieder geben, für ihn war es eine Premiere. Noch nie waren wir so lange an einem ihm unbekannten Ort und noch nie musste er auf so viele seiner Bedürfnisse verzichten (bis auf das Stillen). Wichtig für die Entwicklung, schmerzhaft für mein Mutterherz (das ihn am liebsten ins Auto gepackt und nach Hause transportiert hätte …).

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