Freiluftpieseln

Als ich das erste Mal von „Windelfrei“ hörte, war ich einerseits skeptisch, andererseits ziemlich neugierig. Was in anderen Ländern Gang und Gebe ist, weil es sowieso keine Windeln gibt und die Kinder den ganzen Tag am Körper getragen werden, ist hier in der westlichen Welt doch weitgehend unbekannt bzw. fast schon verpönt. Ein Kind ohne Windeln ? Wie soll das denn gehen ? Sind diese Eltern völlig übergeschnappt ? Das arme Kind !

So oder so ähnlich sind die Meinungen und Kommentare bzw. Reaktionen.

Vor der Geburt unseres ersten Kindes hatte ich mir ein Buch gekauft und zwar „Es geht auch ohne Windeln“. Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, war ich absolut überzeugt von der Idee und plante, diese bei unserer Tochter auch umzusetzen. Soweit der Plan, allerdings machte sie mir als Schreibaby einen Strich durch die Rechnung. Ich war viel zu gestresst, konnte aus der ganzen Schreierei keinerlei Signale herauslesen und irgendwann wickelte ich sie nur noch. Außerdem wurde ich von Außen nur belächelt und als übereifrige Erstlingsmutter hingestellt, die keine Ahnung von Tuten und Blasen hat.

Beim zweiten Kind fehlte mir der Elan dann auch, denn der Schlafmangel und die Anstrengung waren einfach zuviel.

Jetzt beim dritten Kind habe ich es wieder ausprobiert – wie so viele andere Dinge, die ich bei den anderen Beiden schon machen wollte. Und es funktioniert ! Sinn ist nicht, daß das Kind früher trocken wird und aufs Klo geht, sondern daß es nicht ständig die nasse Windel um hat und lernt, daß es auch noch etwas anderes gibt als die Windel.

Unserem Sohn macht es richtig Spaß – und natürlich mache ich das auch nur, so lange es ihm Spaß macht und für uns Beide nicht in Stress ausartet. Dieses Mal habe ich auch endlich eine Mutter kennengelernt, deren Tochter mit 7 Monaten komplett windelfrei war und bei ihr funktioniert das richtig gut. Sie kennt die Signale ihres Kindes mittlerweile sehr gut und reagiert dementsprechend, der Rest der Familie sei zu langsam, erklärte sie mir. Sie hat erst beim vierten Kind damit begonnen, vorher kannte sie das Abhalten gar nicht.

Am Dienstag in der Babymassage habe ich mich dann getraut, eine kleine Schüssel mitzunehmen und habe meinen Sohn vor der Massage, während der die Kinder komplett nackt sind, darüber gehalten. Als er dann prompt hineinpieselte nachdem ich leise „Pspsps“ gesagt hatte, erntete ich erstaunte Blicke, aber lediglich eine Mutter sprach mich darauf an, zum Glück sehr positiv.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das weiterentwickelt, im Sommer lässt es sich bestimmt wesentlich einfacher durchführen, da ich das Kind sowieso nackig lassen kann und es hat den Vorteil, daß er nicht schwitzend in der Windel liegen muß. Und ich bin neugierig, ob es tatsächlich möglich ist, wie im Buch beschrieben, daß das Kind eigene Laute dafür entwickelt, wenn es merkt, daß es muß (natürlich kann es noch nicht anhalten und man muß schnell reagieren, aber merken können die Kinder es schon früh – unser Sohn z.B. wird immer absolut ruhig, bewegt sich kaum mehr, wenige Sekunden später pieselt er in hohem Bogen :-)).

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10 Antworten to “Freiluftpieseln”

  1. Fraumuemmel Says:

    Das havel ich noch nie gehört, aber ich finde das sehr intetessant.
    Aber anfangs gehts das doch nur, wenn sie schon nackig sind, oder? Oder bekommt man das Kind so schnell aus der Kleidung geschält?

    • tekelek Says:

      Ich lasse ihn mindestens eine Stunde täglich nackt strampeln. Wenn ich merke, daß er verdächtig ruhig wird, halte ich ihn mit dem Rücken zu mir über eine Schüssel die neben ihm steht und meist pieselt er sofort hinein. Das Geräusch, das man dazu macht, assoziiert das Kind nach und nach mit dem Pieseln und weiß dann, daß es sobald dieses Geräusch ertönt loslassen kann. Und wenn es älter wird, teilt es der Mutter selber mit diesem Geräusch mit, daß es abgehalten werden möchte. Ich bin selber total fasziniert davon, vor allem daß es wirklich funktioniert.
      Natürlich kann man das nicht so umsetzen wie in anderen Ländern. Wenn ich rausgehe, bekommt er eine Windel um, und auch hier im Haus, wenn ich gerade mit anderen Dingen beschäftigt bin. Aber mir geht es wie gesagt um die Erfahrung, einfach daß er lernt, daß es nicht Normalzustand ist, in eine Windel zu pieseln und außerdem spürt, wie befreiend und schön es ist, ohne Paket an sich auszuscheiden 🙂

  2. Kathrin Says:

    In der 2. Schwangerschaft habe ich auch darüber gelesen und finde es äußerst spannend!
    Unser No1 hat sich immer kurz geschüttelt bevor er lospinkelte – bei den Mädchen habe ich dann auch so ein Signal erwartet, da kam aber nie etwas, bzw. ich konnte es wahrscheinlich nicht deuten.
    Ich freue mich, hier mehr und vor allem auch Alltagserfahrungen darüber zu lesen – also bitte über Fortschritte etc. berichten!
    Für uns konnte ich es mir letztendlich doch nicht vorstellen, schade eigentlich.

  3. Ivonne Says:

    Nichts für ungut, aber ich finde sowas Quatsch.
    Wir sind nun mal keine Naturvölker und tragen Kleidung, aus klimatischen Gründen wohl bemerkt. Die Windeln wurden aus hygienischen Gründen erfunden und sind eine gute Sache.
    Was soll dieses denn für einen Sinn haben? Warum soll es lernen, dass es noch etwas anderes als eine Windel gibt? Der Sinn hierfür erschließt sich mir nicht. Sorry.
    Nackig strampeln finde ich super, das macht den Kleinen auch sichtlich Spaß, aber sie in eine Schüssel pullern lassen, finde ich schon komisch, muss ich sagen. Und wie funktioniert das beim großen Geschäft? Ich erinnere mich, dass bei meinen Kindern der sehr flüssige Muttermilchstuhl ganz plötzlich wie eine Kanone herausgeschossen kam. ICH möchte sowas dann nicht wegwischen oder hast du dann auch sofort ein Schüsselchen zur Hand?

    Ist nicht böse gemeint, aber für mich käme so etwas nie in Frage.

    • tekelek Says:

      Ob es hygienischer ist, ständig eine feucht-warme Windel am Po zu haben, sei dahingestellt. Ich habe ja bereits geschrieben, hierzulande lässt sich das nicht wirklich komplett umsetzen. Aber was spricht dagegen, das Kind in Momenten, in denen es sowieso pieseln muß, statt auf ein Handtuch oder eine Wickelunterlage in einen Eimer oder direkt ins Klo pieseln zu lassen ? Was der Sinn ist ? Daß man dem Kind eben nicht beibringt, daß es normal ist, immer in die Windel zu pieseln (was bestimmt auch kein schönes Gefühl ist), sondern daß es merkt, daß die ganze Sache eben auch ohne funktioniert. Wenn es dann soweit ist, aufs Klo zu gehen (mit 2-3 Jahren), ist das keine so große Umstellung und nicht ungewohnt, es kann dann eben alleine, ohne Hilfe …
      Außerdem ist es angenehmer, gerade bei Stuhlgang, nicht gegen eine enge Windel im Liegen zu pressen, sondern in angehockter Stellung einfach laufen zu lassen. Da unser Sohn eine Engstelle im Bereich des Enddarms hat, ist es für ihn so auch leichter, sich zu entleeren.
      Er macht das automatisch, wenn ich ihn im Lauf des Tages übers Klo halte. Wenn der Darm voll ist, fängt er an zu drücken, sobald ich ihn abhalte und alles landet – völlig hygienisch – im Klo und der Popo kann mit einem Stück Klopapier abgewischt werden und ist nicht von oben bis unten verschmiert !
      Für das Kind ist das Alles sehr angenehm, leider komme ich im Tagesablauf nicht so oft dazu und heute hat er dann richtig gejammert, als die Windel nass wurde …

  4. Ivonne Says:

    Dass der Po nass durch eine Windel ist, ist überholt, die meisten Windeln sind so saugstark, dass der Unterleib lange trocken bleibt, ich bin da selbst oft sehr verwundert. Eine nasse Windel, würde manche Kinder sicher schon eher dazu bringen, auf den Topf zu gehen. Jedenfalls sind die Popos der Kleinen nicht mehr feucht, nass und ich glaube auch nicht mehr so unangenehm, wie es vielleicht einmal war. Meine Kinder haben sich manchmal noch nicht einmal daran gestört, wenn sie das große Geschäft am Popo hatten, das war immer wieder bemerkenswert.

    Es ist deine Meinung, dass es für die Babies angenehmer ist und du darfst natürlich machen, was du willst. Um Gotteswillen ich will dir da nicht reinreden und wenn dein Kleiner wegen der Engstelle so leiden muss, ist es vielleicht in der Tat leichter! Aber meine haben beim Muttermilchstuhlgang selten gedrückt und es kam unvorbereitet herausgeschossen. Die Male auf dem Wickeltisch, bei denen ich im wahrsten Sinne des Wortes vollgesch….. wurde, haben mir gereicht.
    Ich konnte meine Kinder aber in dem Alter noch nicht fragen, aber ich hatte auch nie das Gefühl, dass sie sich mit Windel unwohl fühlten! ;-P

    Und ich bin der Meinung, dass es viel zu viel Aufwand ist. Ich bin viel zu faul, dies alles zu betreiben, nur um sie einige Monate früher trocken zu bekommen. Meine Kinder wurden ohne so ein Training (und etwas anderes ist es ja nicht) trocken und es war mitnichten eine GROSSE Umstellung, da sie es von sich aus, bewusst und gewollt machten.

    Wunde Po´s hatten meine Kinder nie, außer bei Durchfall und da bekam das größte Kind auch ohne Windel einen!

    Meine Meinung, sorry, dabei bleibe ich!

  5. ladidaladida Says:

    Mama (Osteuropäerin) findet auch, dass das eine verrückte Newageidee westlicher Ökomamas ist; Babys werden dabei wahnsinig nervös und unglücklich,meint sie.
    Was mich also bei Sohn Nummer Zwei fasziniert ist, dass er es anscheinend geniesst. Man zwingt ihn ja nicht dazu. Sollte ich mir für meine zukünftigen Babies auch überlegen. Berichte also bitte weiter!

  6. Schussel Says:

    Ach, wie schön! Wir haben uns damit auch beschäftigt (mit dem Knirps aber nie versucht), und kennen mittlerweile auch andere Familien, die das machen. Für unser Herbstzwuckel ist das zumindest auch mal angedacht – ganz ohne Stress, ohne Druck, erstmal teilzeitwindelfrei oder wie auch immer. Ich bin sehr gespannt und freue mich, hier was darüber zu lesen!

  7. Schussel Says:

    Ach, noch ein Nachtrag: Nicola von 123-windelfrei hat erst neulich wieder nach Eltern gesucht, die mit Kindern in diesem Alter bereit wären, auf irgendeine Weise an einer Studie zum Thema Windelfrei teilzunehmen (oder nur Befragungen? Weiss nicht mehr) – schau doch dort mal nach, falls Du das noch nicht selbst kennst… (es ging wohl vor allem um das alte Vorurteil, Kinder könnten das in diesem Alter rein körperlich noch überhaupt nicht kontrollieren, was ja viele Windelfrei-Eltern anders kennen.)

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