Wer hat Angst vorm eigenen Kind ?

Wenn ich so herumschaue, dann sehe ich sehr viele Mütter, die Angst vorm eigenen Kind/den eigenen Kindern haben. Warum ist das eigentlich so ?

Tagtäglich begegnen mir Situationen, die ich manchmal einfach nicht verstehe.

Zum Beispiel die neue Freundin unserer Kinder, die zwei Straßen weiter wohnt. Sie ist Einzelkind und allein deswegen schon eine arme Sau in meinen Augen. Niemand zum Spielen da, ständig den Fokus der Eltern auf sich und ziemlich überbehütet. Dieses Mädchen wird, sobald es seine Mutter um etwas bittet, sofort niedergebügelt à la „Keine Diskussion A., Du brauchst gar nicht weiterzureden, Schluß aus, ich diskutiere da  nicht“ – während das Kind die ganze Zeit mit riesengroßen Augen still danebensteht und keinen Pieps von sich gibt. Ich stehe dann nur da und denke mir „Häh ? Warum dieses ganze aggressive Geblubber, wenn kein Grund dazu besteht ? Warum überhaupt so aggressiv und heftig, wenn das Kind nicht mal den Mund aufmacht ?“. Meine Theorie ist, daß die Mutter Angst vor möglicher Quengelei oder Zornausbrüchen ihrer Tochter hat, wenn sie die Bitte ablehnt und deshalb gleich mit großem Geschütz auffährt. Dieses Mädchen ist aber lammfromm, für meinen Geschmack schon fast zu still und glotzt dann nur irritiert, weil sie scheinbar auch nicht ganz versteht, weshalb die Mutter gleich so ausrastet …

Ein weiteres Beispiel ist die Tochter einer Freundin. Sobald sie nur etwas wilder wird im Spiel oder einen Streit mit meiner Tochter anfängt (was ich eigentlich normal finde in dem Alter), wird die Mutter gleich hysterisch. Sie redet ziemlich energisch auf ihre Tochter ein, droht ihr damit, sofort nach Hause zu gehen, schimpft mit ihr, sagt ihr, sie solle sofort wieder lieb sein, u.s.w… . Auch hier eine völlige Überreaktion und in meinen Augen der Situation nicht angemessen. Und auch hier spüre ich die unterschwellige Angst der Mutter, daß aus ihrer Tochter ein unsozialer, unhöflicher Mensch werden könnte und sie das sofort unterbinden muß. Dieses Mädchen ist ebenfalls ein herzensgutes Kind, vielleicht manchmal ein wenig wild und überdreht, aber wenn es darauf ankommt kann man wirklich gut mit ihr reden, ohne laut oder unfreundlich zu werden. Am schlimmsten fand ich eine Szene, in der dieses Mädchen meiner Tochter die Freundschaft kündigen wollte, nur weil diese sich nicht von ihr schminken lassen wollte. Als ich einschritt, weil meiner Tochter die Tränen hinunterliefen ob dieser Drohung (sie nimmt so etwas ernst und würde das nie einfach als Drohung aussprechen) und das Mädchen mit den Worten „Deine Mutter würde doch auch nicht sagen, daß sie nicht mehr Deine Mutter sein möchte, wenn Du ihr eine Bitte abschlägst“ ansprach, antwortete dieses leise „Doch, das macht sie“ – dazu fiel mir dann nichts mehr ein …

Mich lässt das oft fassungslos zurück. Einerseits habe ich Mitleid mit den Kindern (unsere Kinder übrigens auch). Andererseits tun mir auch die Mütter leid, die einfach nicht wissen, wie sie es anders machen könnten und oft schlichtweg ihre eigene Kindheit wiederholen.

Ich möchte nicht behaupten, daß meine Erziehung absolut perfekt ist, wer kann das schon objektiv sagen. Wenn ich aber unsere Kinder beobachte, sehe, daß sie Respekt vor anderen haben ohne gleichzeitig Angst zu empfinden, unsere und ihre Grenzen kennen und mir fast täglich sagen wie froh sie sind, mich als Mama zu haben, dann reicht mir das vollkommen. Da scheint es auch nicht weiter ins Gewicht zu fallen, wenn ich Fehler mache oder auch mal einen schlechten Tag habe und herumbrülle.

Mir macht es nach wie vor sehr viel Freude, unseren Kindern beim Größerwerden zuzusehen, nach wie vor betrachte ich sie mit großer Liebe und nach wie vor bleibe ich ruhig bei einem „Nein“, selbst wenn die ganze Nachbarschaft zusammengeschrien wird. Ich habe keinerlei Angst vor dem, was noch kommen wird und ich denke, das ist die Grundbasis für eine gute Erziehung. Eine unsichere, ängstliche Mutter erzeugt meist auch unsichere, ängstliche Kinder und daraus entwickelt sich oft Aggression oder Lebensangst.

Ich wünschte, Mütter würden mehr auf ihr Herz und ihre Instinkte hören, sämtliche Erziehungsratgeber verbrennen (oder höchstens als nette Lektüre oder Bestätigung der eigenen Gedanken nutzen) und die eigene Vergangenheit bewältigen, bevor sie sie auf ihre Kinder übertragen. Vor allem fehlt mir der klare Blick aufs Kind, welches nicht liebevoll betrachtet und als eigenständige Person mit freiem Willen angesehen wird, sondern oft nur als Problem, das gelöst werden muß …

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Eine Antwort to “Wer hat Angst vorm eigenen Kind ?”

  1. Patricia Says:

    Hmmm … zum einen denke ich, wenn man Eltern mit Kindern von außen sieht, sieht man immer nur Augenblicksaufnahmen. Vielleicht ist die Mutter gestresst, mit Job und Kindern überfordert, hat Geldsorgen oder ähnliches (das rechtfertigt natürlich keinen Liebesentzug und kein barsches Abschmettern aller Wünsche, aber manches Verhalten hat einen Hintergrund, den man nicht unmittelbar sehen kann) – und zum anderen, was die Angst vor Fehlverhalten betrifft, die wird Eltern doch ständig eingeimpft: man muss dem Kind Grenzen setzen, Kinder sind unerzogen, Tyrannen etc … Das ist jetzt nicht meine Meinung, aber die einschlägiger Erziehungsratgeber – und die Verfasser sitzen in Talkshows und schwingen Reden zum Thema. Das alles erzeugt Druck, und eine Umwelt, die Kinder schief anschaut, wenn sie schreiend auf dem Bürgersteig liegen, während die Mutter gelassen ein Buch liest, trägt auch nicht gerade zum entspannten Erziehen bei. (das sollte jetzt keine Rechtfertigungsrede für falsches Erziehungsverhalten werden – nur mögliche Erklärungsmuster für überforderte Eltern … ;-)) …

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