Wege des Schicksals oder wie alles begann

Letzte Nacht lag ich wach im Bett. Und hatte genug Zeit, um über mein Leben nachzudenken. Das Leben das bereits Vergangenheit ist, das Leben im Moment und das Leben, das mich noch erwartet.

Dabei musste ich wieder an die Geschichte zurückdenken mit der alles begann bzw. die den Grundstein für diese meine geliebte Familie legte.

Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, daß es mich genau zu diesem Mann geführt hat, und es war in der Tat das Schicksal, anders kann man es nicht sagen.

Alles begann an einem Sommertag im Juli, genauer gesagt am 12.Juli 2001.

Eine Woche zuvor war ich wie jeden Montag auf der „Bladenight“ hier in München mitgefahren (ca. 20000 Skater fahren fast jeden Montag im Sommer abends 2 Stunden lang durch die Stadt, zumindest war es damals so). Damals hatte ich ständig Blind Dates, ich hatte nicht wirklich Lust auf eine Beziehung nach ein paar gescheiterten, und traf mich abwechselnd mit ein paar netten jungen Männern um ins Kino, ein Konzert oder Essen zu gehen. An diesem Abend rief mich am Schluß der Fahrt einer der Bladeguards (die, die am Rand stehen und den Verunfallten helfen oder die Straßen absperren) an, den ich kurz zuvor kennengelernt hatte. Er wollte noch etwas mit mir unternehmen, da ich jedoch keine Lust hatte, vertröstete ich ihn auf ein anderes Mal, speicherte aber die Handynummer.

Nun kommen wir zurück zum 12.Juli. Just an diesem Tag hatte ich Lust, eine Runde Inlineskaten zu gehen und schickte eine SMS an die Nummer, die ich eine Woche vorher gespeichert hatte. Es kam eine SMS zurück, allerdings eine sehr verwunderte mit einem anderen Namen als Unterschrift. Ich war ebenfalls etwas irritiert, fand die ganze Sache jedoch recht lustig und rief einfach bei besagter Nummer an. Es meldete sich mein jetziger Mann und erst wussten wir Beide nicht, wie ich gerade zu seiner Nummer gekommen war, bis ihm plötzlich einfiel, daß er am Abend der Bladenight sein Handy an einen Kollegen verliehen hatte, der dringend eine tolle Frau anrufen musste 🙂

Da ich nun doch neugierig war und zudem Blind Dates immer sehr lustig fand (zudem so ein „blindes“ Blind Date, ich kannte ja nur die Handynummer und die Stimme), vereinbarte ich ein Treffen mit dem Unbekannten. Zwei Stunden später standen wir uns bereits gegenüber und mein erster Eindruck war „Sehr attraktiv, sieht nett aus, aber Zigarette in der Hand geht gar nicht !“. Er hingegen dachte in dem Moment (hat er mir später erzählt) „Wow, tolle Frau, die könnte eine fürs Leben sein !“. Wir verbrachten zwei Stunden miteinander, skateten durch den Westpark, unterhielten uns ohne Pause, anschließend ging jeder wieder seiner Wege.

Ich dachte mir zu dem Zeitpunkt „War nett, aber den sehe ich bestimmt nicht wieder“.

Am nächsten Tag klingelte jedoch am Nachmittag mein Handy, als ich gerade mit einem anderen Bekannten in einem Café saß, und mein Date vom Vortag lud mich ein, später am Abend mit ihm ein Konzert zu besuchen. Ich willigte spontan ein (sehr zum Ärger meines Begleiters ;-)) und so trafen wir uns das zweite Mal in 24 Stunden. Ich hielt dann einen stundenlangen Vortrag darüber, wie sehr ich das Rauchen verabscheue und mir im Leben nicht vorstellen könnte, mit einem Raucher zusammenzusein, u.s.w. …

Mein Gegenüber wurde blasser und blasser und rauchte vor Aufregung noch mehr (hinterher meinte er, er habe in dem Moment den Entschluß gefasst, entgültig damit aufzuhören …).

Da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht so richtig verliebt war, sondern ihn einfach nur nett fand, machte ich mir auch keinen Kopf darum, was ich ihm alles erzählte, ein klarer Vorteil. Kurze Zeit später bekam ich jedoch einen wunderschönen Liebesbrief und saß anschließend in Tränen aufgelöst da und merkte, daß auch ich mehr empfand als nur Sympathie. Es folgte ein ca. 9-stündiger Spaziergang, in dem ich nochmals klarmachte, daß er mir zwar sehr wichtig sei, ich aber nicht mit dem Rauchen leben könne (ich habe nichts gegen Raucher an sich, aber ein Zusammenleben wäre ein Ding der Unmöglichkeit). Nicht nur wegen des Gestanks, sondern auch wegen der gesundheitlichen Folgen, u.s.w.. ..

Einen Tag später gab mein Mann das Rauchen auf, zwei Tage später begann unsere Beziehung. Ein weiteres halbes Jahr später bekam ich den wohl unromantischsten Heiratsantrag der Welt, der in etwa so ablief: Wir lagen abends nebeneinander im Bett. Er drehte sich zu mir um und sagte „Willst Du mich jetzt eigentlich heiraten oder nicht ?“ (wir hatten bereits Wochen davor über unsere Zukunft geredet, einschließlich Kinder). Ich meinte nur „Meinst Du das ernst ??“. Er: „Ja !“. Darauf Ich: „Ja, sicher !“ 🙂

Ein Jahr später heirateten wir (nach einigen Stolpersteinen, da seine Familie uns den Krieg erklärte sobald sie erfuhren, daß mein Familienname der zukünftige gemeinsame Familienname sein würde), ein weiteres Jahr später wurde ich schwanger, unsere Tochter wurde geboren, im gleichen Jahr wurde ich mit unserem Sohn schwanger, insgesamt hatten wir sehr bewegte Zeiten, die uns aber immer näher zusammengebracht haben.

Die Krönung ist nun unser drittes Kind. Wir freuen uns beide so sehr darauf, es ist so schön, daß sich auch dieser Wunsch noch erfüllt hat, ich bin einfach nur dankbar für dieses Leben.

Das alles und noch viel mehr ging mir letzte Nacht durch den Kopf. Und manchmal stelle ich mir vor was passiert wäre, wenn ich diese Handynummer nicht gespeichert hätte. Oder der Kollege ein eigenes Handy gehabt hätte …

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7 Antworten to “Wege des Schicksals oder wie alles begann”

  1. blumenpost Says:

    Wahnsinn. Oh mein Gott. Einfach nur unglaublich schön.

    Stolpersteine gehören wohl irgendwie dazu und stärken eine gute Beziehung im Nachhinein denke ich.

    • tekelek Says:

      Ja, Stolpersteine gibt es genug auf dem Weg zum Eheleben. Ich habe schon gelesen, daß Du auch einen Antrag bekommen hast, herzlichen Glückwunsch 🙂
      Und genau so habe ich mich danach auch gefühlt, ständig herumgegrinst und mich gefreut 🙂
      Ich wünsche Euch, daß die Hochzeitsplanung nicht zu stressig verläuft und alles nicht ganz so chaotisch und teilweise auch unschön wird wie bei uns. Andererseits war ich mir nach dem ganzen Stress dann erst recht sicher, daß es der richtige Schritt ist 🙂

  2. simetra Says:

    die wege des schicksals sind in der tat unergründlich und zum glück auch oft genug positiv. bei uns war es ähnlich, auch ein grosser zufall (guckst du: http://simetra.wordpress.com/2009/12/18/10-jahre/) und der heiratsantrag war auch ähnlich unromantisch: ca. 6 monate nach unserem kennenlernen waren wir auf einem familientreffen und wie wir da so angetrunken sassen, fragte er mich, ob ich ihn eigentlich heiraten wolle – und ich sagte ohne zu zögern ja. damit war das dann auch geklärt 😀

  3. Rinna Says:

    Was für eine schöne Liebeserklärung an deine Familie und einen Mann! Wirklich klasse!!

  4. geologenkinder Says:

    Tolle Geschichte, fast filmreif und so schön.
    Tja die Wege des Schicksals sind unergründlich.
    Wenn ich nicht die dritte Wahl meines Studium studiert hätte, hätte meine Kinder (in wie fern es welche gäbe) andere Gene. Wenn die Ärzte mir nicht versichert hätten das ich so ohne weiteres nicht schwanger werden könnte, hätte ich heute vermutlich gar keine Kinder. usw.
    Manchmal komisch was das Leben mit einem macht und wohin es einen führt.
    Eure Geschichte ist toll.

  5. aleXXblume Says:

    Waaaah! So toll! Ich liebe solche Geschichten, das ist einfach Schicksal pur! Mein Mann und ich haben uns auch ähnlich krass kennengelernt und ich frage mich auch heute noch manchmal, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich damals nicht genau das zu genau diesem Zeitpunkt getan….
    Ich wünsch Euch weiterhin viel Glück!

  6. dreifachmutti Says:

    Ja wirklich einen schöne Geschichte. Seit ich meinen Mann kenne, habe ich immer wieder das Gefühl, das alles im Leben vor bestimmt ist. Wie oft klammert man sich im Leben an Menschen, die man letztenendes doch nicht halten kann. Und wenn man schon gar nicht mehr dran glaubt, kommt so schnell und unverhofft ein Mensch daher mit dem man sich einfach verbunden fühlt. In meinen früheren Beziehungen wußte ich instinktiv das dies nicht von dauer ist, owohl man verliebt war. Bei meinem Mann war das anders. Da war von Anfang an so eine Verbundenheit, die ich selbst nicht beschreiben kann. Seit dem erleben wir die Hoch und Tiefs des Lebens gemeinsam. Und egal was ist, ich weiß einfach das er bei mir bleiben wird. Das Gefühl habe ich schon immer.

    Ich hatte übrigens auch keinen romantischen Heiratsantrag. Wer braucht den schon, wenn die Gefühle echt sind 😉

    Ich wünsch euch auch weiterhin viel Glück.

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