Archive for Oktober 2010

Seuchenzeit

18. Oktober 2010

Nun ist es auch hier soweit, die Seuchenzeit wurde eingeläutet. Erstes Opfer ist unser Sohn.

Ein wenig erkältet sind wir alle 4 bereits seit 2-3 Wochen. Letzte Nacht fing dann aber das große Bellen im Kinderzimmer an, ich konnte ab 2 Uhr nicht mehr schlafen, da sich jedes Husten nach Erstickungsanfall anhörte – Mütter wissen, wovon ich spreche.

Irgendwann war ich dann richtig wach, stolperte nach unten um nachzusehen, ob Sohnemann auch richtig zugedeckt ist, dabei wachte er dann auf und verlangte eine Runde Kuscheln. Wieder im eigenen Bett konnte ich erst 2 Stunden später einschlafen, bevor dann eine weitere Stunde danach unser Sohn wieder vom Husten geweckt wurde und hochgeklettert kam.

Der Tag heute war dann irgendwie total für den Eimer, in den Kindergarten wollte ich ihn nicht schicken, da er leicht erhöhte Temperatur hatte, also Montagseinkäufe mit leicht knatschigem, ständig hustenden und röchelnden Kind. Nachmittags war die große Schwester bei einer Freundin zu Besuch und ich schlug mich herum mit „Wann holen wir endlich E. wieder ab ? Mir ist sooooo langweilig ?“ und selbst nach stundenlangem Vorlesen jammerte das Kind immer noch.

Nun liegt er friedlich oben neben unserem Bett, dick eingemummelt in eine Daunendecke, die Brust eingepackt in einen Heilwollewickel, vollgefüllt mit Fenchelhonig und schläft hoffentlich gut.

Ich hoffe auf eine einigermaßen ruhige Nacht und wünsche mir, daß das Kind endlich mal richtig hochfiebert – dieses Herumkrebsen bei 38 °C einschließlich die zugehörige Jammerei ist wirklich anstrengend.

Wir als Eltern halten uns weiterhin mit einem Holunderheißgetränk über Wasser und bleiben einfach gesund 😉

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Wo bleibt nur die Zeit ?

17. Oktober 2010

So schnell wie jetzt ist die Zeit noch nie vergangen. Heute saß ich da und war wieder mal ganz geschockt, daß schon wieder eine ganze Woche herum ist. Wieder eine Woche näher an der Adventszeit. Wieder eine Woche näher am Jahresende. Wieder eine Woche näher an der Geburt unseres dritten Kindes !

Ist das das Alter ? Ist es diese stressige Zeit, Hausbau, Schwangerschaft ? Vielleicht auch dieses einförmige Grau in Grau draußen, untermalt von ekelhaftem Nieselregen ?

Jedes Wochenende haben wir einen anderen Termin wegen des Hausbaus, oft kommt es mir so vor, als ob der letzte gerade gestern war.

Es bleibt aber noch so viel Arbeit. Drei Zimmer ausräumen und umräumen (nötig wegen der Geburt, da sie ja zu Hause stattfinden soll und wir anschließend nicht mit Baby im Dachgiebel hausen möchten …). Bodenbeläge, Türen, Griffe, Fenster, u.s.w. aussuchen. Küche planen und bestellen. Selbst wenn der Kellerbau nun erst frühestens im März beginnt, muß doch alles jetzt schon festgelegt werden. Die Anschlüsse vom Keller in die Küche müssen ja an der richtigen Stelle sitzen. Außerdem habe ich bestimmt nicht mehr so viel Nerven für alle möglichen Ausstellungen, wenn ich ein Neugeborenes im Schlepptau habe.

Wenigstens ist alles für das Baby fertig. Es fehlt nichts, bis auf das Kind 😉

Manchmal habe ich das Gefühl, es wird alles zuviel, alles geht viel zu schnell. Manchmal gibt es dann wieder Momente, in denen ich diese Zeit als sehr spannend und aufregend empfinde. Ab und zu würde ich dann gerne auch den Bauch ein wenig in die Ecke stellen, um etwas mehr Bewegungsfreiheit und Energie zu haben (das Kind stößt nun schon fast an den Rippen an und mir bleibt ab und zu regelrecht die Luft weg …).

Ich freue mich sehr auf dieses dritte Kind, auf der anderen Seite rücken auch wieder schlaflose Nächte, Gebrüll und Co. in greifbare Nähe. Und dazu eben auch noch das Haus. Auf das wir uns alle sehr freuen und hinfiebern. Und gleichzeitig doch enormen Respekt vor der ganzen Arbeit und dem Zeitaufwand haben.

Auf der anderen Seite kamen mir komischerweise die 3 Stunden, die die Kinder heute auf ihrer Party waren, wie ein ganzer Tag vor. Es war so furchtbar still, ganz ungewohnt. Kein Plärren des CD-Players, kein Knallen aus dem Kinderzimmer, kein Lachen, kein Heulen.

Das Zeitempfinden ist doch sehr relativ, das habe ich heute wieder gemerkt …

Zeitvertreib

17. Oktober 2010

Wenn man Kinder ein paar Minuten alleine lässt, können sie sehr kreativ sein 🙂
Die Wattestäbchen hatte ich benutzt, um überschüssige Schminke aus dem Gesicht unseres Sohnes zu entfernen (die Beiden waren heute auf eine „Super-Hero-Party“ eingeladen …). Als ich dann kurz aus dem Zimmer ging, nahm sich unsere Tochter eine Handvoll davon und legte erst ihren Namen, anschließend noch ein ganz tolles, fast tischgroßes Haus daraus.

Und da sag noch einer, Kinder brauchen Spielzeug …

Küchencontent – Strangolapreti

14. Oktober 2010

Das Foto ist zwar nicht wirklich gelungen (ich war auch zu hungrig, um noch lange hin- und herzuprobieren …), aber erkennen kann man die Knödelchen denke ich schon.

Gestern gab es hier nämlich „Strangolapreti“, also übersetzt „Priestermörder“. Sie sind wirklich mörderisch lecker, ich hätte mich hineinlegen können 🙂
Serviert wie fast alle italienischen Gnocchi oder Knödel mit Salbeibutter und geriebenem Parmesan.

Das „Hurra“ der Kinder war dementsprechend groß, sie lieben „Monsterknödel“ (Spinatknödel hört sich einfach nicht so lecker und spektakulär an ;-)) und es blieb kaum etwas für die hungrige Mutter übrig.

Falls jemand interessiert ist an dem Rezept, hier ist es:

 

Strangolapreti

400 g frischer Blattspinat

1-2 Zwiebeln

250 g Knödelbrot

100 ml warme Milch

2 Eier

Salz, Pfeffer, Muskat

 

Das Knödelbrot mit der Milch übergiessen und einweichen lassen.

Den Spinat waschen, putzen und anschließend kurz in Salzwasser blanchieren. Kalt abschrecken, gut ausdrücken und dann hacken. Zwiebeln in Würfel schneiden, in etwas Butter anbraten, dann den Spinat zugeben und kurz mitbraten, zum Schluß mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Zusammen mit den Eiern zum Knödelbrot geben und gut verkneten (je länger, desto besser verbinden sich die Zutaten und die Knödel fallen anschließend nicht auseinander !).

Kleine Knödel formen, diese ca. 5 Minuten in siedendem Wasser garen.

Am besten schmecken sie uns in Salbeibutter geschwenkt (halb Butter, halb Olivenöl, einige Salbeiblätter darin anbraten) mit Parmesan darübergestreut. Tomaten- oder Käsesauce passt aber bestimmt auch gut dazu !

Schnappschuss

14. Oktober 2010

Nicht wirklich Schnappschüsse, da die Kinder dann doch „Fotogesichter“ machten, als ich die Kamera geholt hatte, sie gefallen mir trotzdem gut.

Von oben aus dem Kinderzimmer kam der Befehl „Mama, komm bitte mal !“, als ich das Zimmer betrat, war erst kein Kind zu sehen. Dann hörte ich aber leises Gackern aus dem I.KEA-Drehstuhl (eine der besten Anschaffungen, die wir je getätigt haben) und als ich das Dach hochzog, grinsten mir meine beiden Süßen entgegen 🙂

Ich liebe diese Kinder und freue mich schon so sehr auf das dritte …

Bauchfoto 27.SSW

14. Oktober 2010

Schon wieder eine Woche vorbei. Laut Ticker sind es nur noch 91 Tage …

Irgendwie habe ich aber das Gefühl, daß das Bauchwachstum stagniert seit ca. 2 Wochen. Es tut sich nicht wirklich viel. Hoffentlich bleibt es so und ich humple nicht wieder wie ein Walroß herum, wie in der letzten Schwangerschaft.

Mittlerweile habe ich mich auch an die Körperverschiebung gewöhnt, das Kreuz schmerzt nicht mehr ganz so schlimm und ich habe nicht ständig das Gefühl, auseinanderzubrechen (das war so, als der erste richtig große Schub kam …).

Alles Charaktersache ?

12. Oktober 2010

Da meine Antworten zu dem vorhergehenden Eintrag wahrscheinlich zu lang ausfallen würden, schreibe ich nun noch einen neuen (in Bezug auf das, was ich darunter geschrieben habe …).

Es wurde geschrieben, daß man mit Erziehung nur bedingt etwas erreichen könne, da die Charaktere schon festgelegt und sehr unterschiedlich seien. Das ist auch das Lieblingstotschlagargument meiner eigenen Eltern. Daß mein Bruder und ich so geworden sind wie wir sind, daran sei einzig und allein unser Charakter schuld und dieser sei schon angeboren gewesen. Egal um was es geht, alles wurzelt angeblich im Charakter.

Es stimmt, daß Kinder unterschiedliche Persönlichkeiten haben, das kann ich als zweifache, bald dreifache Mutter nur bestätigen (ja, auch das dritte Kind zeigt sich im Bauch schon anders als seine Geschwister). Außerdem spielt zusätzlich zum Charakter auch noch die Geschwisterstellung mit hinein. Erstgeborene sind meist wesentlich ernster und vernünftiger als die danach Geborenen (Ausnahmen bestätigen die Regel), was vor allem daran liegt, daß sie von Erwachsenen umgeben aufwachsen (zumindest bis das Geschwisterchen kommt) und diese meist wesentlich strenger mit dem Kind umgehen bzw. viel unsicherer sind und deshalb schlecht entspannen können. Das wirkt sich natürlich auf das Verhalten des ersten Kindes aus.

Meine Kinder waren und sind sehr unterschiedlich.

Unsere Tochter war ein klassisches Schreibaby, das erste Jahr war geprägt von hochgradiger Unruhe und Unzufriedenheit ihrerseits (und natürlich damit auch unsererseits). Die Zeit danach Anfang des zweiten Lebensjahres war himmlisch, sie war sehr ruhig, aufmerksam und einfach liebenswert. Es folgte nach der Geburt ihres Bruders eine extrem lange Phase, in der sie wieder komplett ins Gegenteil fiel. Provokationen, Zerstörungswut, Ungeduld, Wut auf mich und den Bruder. Vom Charakter her würde ich sie mittlerweile als vorsichtiges, abwartendes Kind beschreiben, das sehr sensibel ist, andererseits jedoch ziemlich kontaktfreudig und offen für Neues, das schließt sich nicht aus. Sie neigt kaum zu Wutanfällen, da muß man schon sehr lange reizen. Wenn sie traurig ist, zieht sich vollkommen zurück und möchte am liebsten alleine sein.

Unser Sohn war als Baby schon anders. Sehr zufrieden, in sich ruhend, nur die Nächte machte er (sogar bis vor kurzem) zum Tag. Mit 10 Monaten fing er bereits an richtig zu wüten, sich am Boden zu wälzen und zu kreischen, wenn ihm etwas nicht passte, er steigerte sich oft so hinein, daß mir nichts anderes übrig blieb, als ihn eine Weile allein zu lassen, bis er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Bei ihm war das zweite und dritte Lebensjahr sehr anstrengend. Ständig Jähzornanfälle, aus denen er schlecht herauszuholen war, Ungeduld ohne Ende, fast immer Prügelattacken, wenn er unzufrieden war. Bei ihm war und ist es allerdings so, daß er bei Traurigkeit ganz dringend Nähe und Kuscheleinheiten braucht und sich aussprechen möchte. Er lebt alle Gefühle voll und ganz aus, ist nach wie vor sehr impulsiv, auf der anderen Seite aber sensibel wie seine Schwester, da sind sie sich am ehesten noch ähnlich.

Und doch merkt man im Sozialverhalten kaum einen Unterschied. Daß man Rücksicht auf andere nimmt, höflich gegenüber seiner Umwelt ist und daß es nichts bringt, herumzuschreien, das haben sie beide gelernt, unabhängig vom Charakter.

Unsere Tochter hatte es vielleicht einfacher, da sie die Anlagen bereits hatte und eher ein anpassungsfähiges Kind ist. Aber selbst unser Sohn, der anfangs nur geschrien hat und sich benahm wie Rotz am Ärmel, hat gelernt, daß man so im Leben (bzw. bei den Eltern) nicht weiterkommt. Er hat gemerkt, daß es viel einfacher ist, wenn man freundlich fragt und einen Moment Geduld hat, bei Kreischen und Hauen dauerte alles nur länger bzw. er hatte überhaupt keinen Erfolg.

Egal wie der Charakter auch aussehen mag, das Verhalten gegenüber anderen ist davon (fast) unabhängig, das Affektverhalten kann nach und nach reguliert werden. Wenn ich es nicht beim zweiten Kind erlebt hätte, würde ich nicht darauf beharren, aber es ist so. Beinahe jedes Kind ist kooperativ, auch wenn es im ersten Moment manchmal nicht so aussehen mag. Beinahe jedes Kind lernt am Beispiel, wie man sich in einer Gruppe verhält, das eine oder andere braucht vielleicht etwas länger dafür. Entscheidend ist die Geduld und Selbstsicherheit der Eltern.

Bei meinem Sohn wurde ich auf eine harte Probe gestellt. Ich weiß nicht, wie oft ich dastand, mir fast die Luft wegblieb, ich ihn am liebsten geschüttelt oder angeschrien hätte. Manchmal habe ich ihn auch angeschrien, wenn es mir wirklich zu bunt wurde. Die meiste Zeit habe ich aber versucht, das Brüllen auszublenden, habe ihm erklärt, daß ich so gar nichts für ihn machen werde und ich so nicht mit mir reden lasse (bzw. mich nicht so anbrüllen lasse). Wenn er unhöflich wurde bzw. im Befehlston redete, bekam er eben nichts, so groß seine Wut auch wurde.

Das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Und manchmal dachte ich, es wird sich nie etwas ändern. Aber nach und nach verstand er, was ich ihm mitteilen wollte und seitdem funktioniert das Zusammenleben fast reibungslos (außer er ist völlig übermüdet oder krank, aber das ist eine andere Geschichte).

Bei vielen Eltern habe ich einfach das Gefühl, es wird alles nur auf den Charakter geschoben, oft ist es ihnen einfach zu mühsam und dauert zu lange, konsequent zu bleiben oder das Kind auszuhalten. Und mich macht es wütend, daß z.B. meine Mutter (die kaum Geduld mit uns hatte) mir immer wieder mitteilt, daß es nur Glück sei, daß unsere Kinder so sind, wie sie sind. Sie sieht nicht die Anstrengung, die Arbeit und teilweise auch die Erschöpfung, die dahintersteht. Daß die Kinder eben nicht so geboren wurden, sondern einen Entwicklungsprozess durchlaufen haben. Und ich bin überzeugt davon, daß, egal was für eine Persönlichkeit es auch haben wird, selbst das dritte Kind ein ähnliches Verhalten aufweisen wird.

Den Charakter kann man nicht ändern, Verhaltensweisen sehr wohl.

Wie man in den Wald reinruft …

12. Oktober 2010

… so schallt es heraus. Dieses Sprichwort ging mir gestern zum wiederholten Male durch den Kopf. Und zwar, wie fast immer, in Bezug auf das Thema Kindererziehung.

Anlaß war ein Ausflug mit beiden Kindern in die Münchner Innenstadt. Gut, das Wort Ausflug passt nicht so ganz, wir wollten den vor 3 Monaten zur Reparatur gebrachten Rucksack unserer Tochter endlich abholen.

Schon in der S-Bahn wurde ich angesprochen, was für ausgesprochen brave, hübsche Kinder ich habe. Das passiert mir öfters und ich freue mich jedes Mal darüber 🙂

Anschließend holten wir den Rucksack ab (Vaude hatte ein Einsehen und schickte endlich einen neuen – nachdem ich den alten Rucksack bereits 2 Mal für jeweils 3 Monate in Reparatur hatte …) und danach wollte ich noch einen Abstecher zum Espritshop machen, um ein wenig zu stöbern.

Dort angekommen stürmten die Kinder die Spielburg, die dort glücklicherweise herumsteht, und ich konnte in Ruhe nach reduzierten Umstandsoberteilen schauen.

Kurz darauf kamen Beide her und fragten, ob sie bitte die Schuhe ausziehen dürften. Ich bejahte, sie rannten zurück und stellten ihre Schuhe schön ordentlich neben das Spielareal. 5 Minuten später kamen sie wieder an und baten darum, auch die Jacken ausziehen zu dürfen. Auch das bejahte ich, sie zogen die Jacken aus und legten sie neben ihre Schuhe.

Eine Verkäuferin hatte die Szenen beobachtet, kam zu mir und meinte, daß sie soetwas noch nie gesehen hätte. Wie man denn Kinder dazu brächte, so zu sein, ich solle ihr doch bitte das Geheimnis verraten 🙂

Sie habe einen Neffen, der nie im Leben „Bitte“ sagen würde, geschweige denn fragen würde, ob er seine Sachen ausziehen dürfe. Überhaupt würde er so gut wie gar nicht auf seine Mutter hören.

Ich sagte ihr dann, daß meiner Meinung nach Kinder tatsächlich Spiegel ihrer Eltern sind. Wenn man möchte, daß sie einen höflich behandeln, dann sollte man sie umgekehrt auch höflich behandeln. Wenn man nicht über ihre Köpfe weg entscheidet, sondern sie vorher informiert bzw. nachfragt (jedenfalls wenn sie bereits die Kompetenz erreicht habe, mitzureden), wenn man selber „Bitte“ bzw. „Danke“ zu seinen Kindern sagt und sie nicht als niedere Wesen zweiter Klasse ansieht die herumkommandiert werden müssen, dann funktioniert das Miteinander auch und der Respekt (und zwar wirklicher Respekt, nicht etwa Angst vor dem Stärkeren) kommt von alleine …

Die Verkäuferin war sehr erstaunt (was mich wiederum wunderte und auch etwas schockierte) und meinte, das müsse sie sich unbedingt merken.

Für mich ist das immer etwas erschreckend. Glaubt denn tatsächlich ernsthaft jemand, man könne Kinder mit Druck, Erpressung und Unterwerfung zu liebevollen, umgänglichen Menschen erziehen ?

Eine Weile lang wird dieses Konzept vielleicht funktionieren, ich habe es am eigenen Leib erfahren, als ich Kind war. Irgendwann schlägt es aber um (zumindest wenn man sich aus diesem Machteinfluss befreien kann und eigene Gedanken und Persönlichkeit entwickelt), und dann wird die Verbindung zwischen Eltern und Kindern sehr schnell sehr dünn. Die Beziehung ist dann eher von Mißtrauen und teils auch Wut geprägt, was ich sehr schade finde …

Wohlgemerkt, ich bin absolut nicht der Meinung, Kinder sollten über allem stehen und alles bekommen, was sie haben wollen. Ganz im Gegenteil. Aber sie sollten als vollwertige kleine Menschen behandelt werden, die bereits eine eigene Meinung, Gefühle und Gedanken haben. Und diese sollten in die Erziehung mit einfließen und berücksichtigt werden.

Unterdrückung hat noch nie wirklich funktioniert und wird es auch in Zukunft nicht …

Nix !

11. Oktober 2010

Momente, die Eltern lieben. Schauplatz unser Schlafzimmer, gegen 1 Uhr nachts, alle Anwesenden schlafen (Tochter, mein Mann und ich). Alle ? Nein, kurz nach 1 Uhr stört ein Aufschrei die Stille, ein langgezogenes „Maaaama ?!?!?!?“.

Ich, völlig neben der Kappe und aufgeschreckt, „Ja, was ist denn ?“.

Meine Tochter antwortet „Nix !“, zwei Minuten später schnarcht sie wieder. Und ich liege wach, ca. eine Stunde lang …

Als ich gerade 3 Stunden weiteren Schlaf hinter mir habe, kreischt von unten das kleine Kind, mittlerweile ist es 5 Uhr. Ich wuchte mich aus dem Bett, wanke hinunter ins Kinderzimmer und dort empfängt mich mein Sohn, nass von oben bis unten, Pipi auf dem Kopfkissen, der Bettdecke, dem Bettüberzug, der Schutzmatte, einfach überall …

An Schlaf war ab da nicht mehr zu denken, denn wer bekommt schon einen Vierjährigen nach einer erfrischenden Morgendusche um 5:30 Uhr wieder zum Schlafen ? Und welchen Sinn hätte das überhaupt ?

Wochenende ?

10. Oktober 2010

Das war also das Wochenende ? Mit Kindern hat man ja sowieso keine Wochenenden mehr, jedenfalls nicht mehr so wie früher, aber diesen zwei Tagen fehlte jegliche Entspannung.

Am Samstag wie bereits geschrieben die Hausbesichtigung. Wir fuhren am frühen Vormittag los, kamen sogar noch eine halbe Stunde vor dem Termin an und wurden gleich von der Hausbesitzerin durch ihr zukünftiges Domizil geführt. Klar, alles im Rohbau, sah aber doch schon sehr schön aus.

Später stieß der Bauunternehmer dazu, erzählte uns noch einige Dinge, beantwortete Fragen und präsentierte uns anschließend sein Angebot. Begleitet von den Worten „Vielleicht überrasche ich Sie ja !“. Ja, überrascht waren wir, aber nicht, weil das Angebot so ungeheuer günstig war, sondern eher das Gegenteil.

Auf dem Rückweg war schon beschlossene Sache, daß wir mit dieser Firma nicht bauen, es gab noch ein mittelmäßiges, ja fast unterirdisch schlechtes Essen bei einem Chinesen unterwegs (im Internet war die Qualität des Essens als perfekt angepriesen worden von anderen Besuchern – da sieht man wieder, wie verschieden die Geschmäcker und wie relativ der Begriff „gutes Essen“ ist …) und als wir wieder in München ankamen, war der Tag eigentlich schon so gut wie gelaufen.

Heute dann am Vormittag 3 (!) Stunden Kinderzimmer aufräumen. Wir sortierten, warfen heimlich Krimskrams in den Mülleimer (sonst wird ja jedes noch so kleine, unwichtige Teil mit den Worten „Das brauchen wir aber uuuunbedingt noch !“ kommentiert), krochen auf dem Boden, hinter den Regalen und unter dem Bett herum, fanden Teile wieder, die schon seit Monaten als verschollen galten, u.s.w. …

Als wäre das nicht genug gewesen, machte ich mich mit den Kindern am Nachmittag auf zu einem Bastelnachmittag im Botanischen Garten. Ich war sehr motiviert, gönnte meinem Mann die 3 Stunden Ruhe, als wir gegen 16 Uhr aber aus dem Gebäude stolperten, war ich mehr als fertig. Dieser Geräuschpegel, den ca. 30 Kinder, teilweise in Begleitung der Mütter,  auf 40 m2 verursachen, ist einfach enorm. Mir klingeln jetzt noch ein wenig die Ohren. Außerdem Äpfel schälen für zwei Kinder (es wurde Marmelade gekocht), Kordeln basteln für zwei Kinder (als Verzierung für die fertigen Marmeladengläser), eben alles doppelt.

Zu Hause angekommen gab es noch die vorher versprochenen Waffeln mit Kirschkompott, unser Sohn bekam einen neuen Haarschnitt verpasst, anschließend Badewanne für Beide, Küche aufräumen und jetzt einfach nur noch todmüde auf dem Sofa abhängen.

Wenigstens glänzt das Kinderzimmer wieder, man stolpert nicht dauernd über irgendwelche Kleinteile, wir haben sogar schon zwei Umzugskartons vollgepackt (größtenteils mit Kleinkindspielzeug und zu klein gewordener Sommerkleidung – den Kleiderschrank sortierte ich gleich mit …) und die Kinder können wieder richtig spielen, ohne im Chaos unterzugehen.

So, jetzt nur noch ein wenig herumliegen, dann werde ich bald ins Bett krabbeln, Energie tanken für die neue Woche …