Mütterschmerz

Heute fing es wieder an. Das Drama mit dem Kindergarten.

Mein Sohn ist noch nie wirklich gerne in den Kiga gegangen. Die ersten Wochen letztes Jahr schon, da zog noch die große Schwester und das Neue, dann kam der erste Absturz und 3-4 Monate war er todunglücklich, hing verzweifelt weinend an mir und es war für uns beide nicht gerade leicht. Danach war alles wieder gut und bis zu den Ferien ging er recht gerne hin.

Vor zwei Wochen fing der Kindergarten wieder an, auch da war noch alles gut. Heute morgen war dann aber plötzlich alles vorbei. Mit Tränen in den Augen bat mich mein Sohn, ihn wieder mit nach Hause zu nehmen, er flehte mich förmlich an. Ich erklärte ihm, daß ich noch einiges zu erledigen hätte (unter anderem zum Bauamt unseres zukünftigen Wohnortes zu fahren) und es für ihn todlangweilig wäre mitzukommen. Außerdem wolle ich ihn schlichtweg nicht dabeihaben. Er ließ sich nicht abbringen, krallte sich an meinem Bein fest, wimmerte und schluchzte.

Schlußendlich kam die Erzieherin dazu und meinte „Du kannst es Dir aussuchen. Entweder kommst Du gleich mit rein oder Du winkst der Mama noch !“. Er schüttelte lediglich den Kopf und klammerte sich noch fester an mein Bein. Als die Erzieherin dann versuchte, ihn von mir wegzuzerren, war es entgültig vorbei. Seine Augen voller Angst und Verzweiflung, die Stimme überschlug sich und er schrie und weinte immer lauter. Ich finde dieses Verhalten ziemlich blöd, denn was soll das bringen ? Daß das Kind unter Gewaltanwendung in den Kindergarten geschleift wird und anschließend noch mehr Abneigung dagegen entwickelt oder noch schlimmer, einfach resigniert, weil es keiner hört ? Ich habe mir dann 10 Minuten mit meinem Sohn alleine erbeten, ihn auf den Schoß genommen und ihn erstmal wieder beruhigt (das arme Kind hing wie ein Häuflein Elend schniefend an mir und  brauchte eine ganze Weile, bis es aufhörte zu zittern …).

Als er ruhiger wurde, fragte ich nochmals nach. Was denn so schlimm sei am Kindergarten und warum er nicht hingehen wolle. Er sagte mir, es sei ihm einfach zu laut, die Kinder seien zu wild und außerdem würden sie nach wie vor sagen, er sei „klein“. Er (und auch ich …) hatte so gehofft, daß mit dem neuen Kindergartenjahr und kleineren Kindern er der Große sein würde. Allem Anschein nach hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Ich habe ihn dann trotz genervten Blicken der Erzieherin mitgenommen, denn es fühlt sich für mich nach wie vor nicht richtig an, mein Kind zu etwas zu zwingen, was solche Gefühle in ihm auslöst. Allerdings nahm ich ihm das Versprechen ab, daß dies eine Ausnahme sei und er versicherte mir, daß er nächste Woche ohne Murren gehen wird …

In 7 Wochen zieht der Kindergarten dann entgültig in die neuen Räume um. Diese sind angeblich wesentlich größer und die Kinder können sich besser ausbreiten. Das ist momentan mein Lichtblick, denn ich habe wirklich das Gefühl, der Lärm und die Enge machen meinem Kind am meisten zu schaffen. Er war schon immer überaus sensibel und ruhig, dort hat er keine Rückzugsmöglichkeit und Ausruhmöglichkeit (heute früh meinte er sogar, zwischendurch wolle er sich einfach nur hinlegen und ein bißchen ausruhen – ist dort nicht möglich …). Außerdem stolpern aufgrund des begrenzten Platzangebots (ca. 30 qm für 22 Kinder) ständig andere Kinder über gerade aufgebaute Türme oder Städte und so macht das Spielen natürlich nicht wirklich Spaß.

Vielleicht ist es aber auch nur der Vollmond oder der Wetterwechsel, wer weiß …

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4 Antworten to “Mütterschmerz”

  1. geologenkinder Says:

    Hospitiere doch einfach mal und guck dir das Ganze an. Das klingt wirklich ziemlich dramatisch, ich glaub selbst ich als ziemlich „robuste“ Mutter hätte da mein Kind wieder mitgenommen. Ich würde mir den normalen Tagesablauf mal angucken.

  2. Ceebee Says:

    Unsere Tochter war erst nach einem halben Jahr wirklich angekommen. Davor gab es zu anfangs täglich die gleichen Szenarien wie bei Dir. Die ersten 4 Wochen konnte ich wenigstens noch ein Weilchen bleiben, aber danach mußte ich wirklich gehen, denn ich fing wieder an zu arbeiten. Ich habe mein Kind dann kreischend und heulend der Erzieherin überlassen müssen und bin selber heulend von dannen gezogen und hab mich so hilflos und elend gefühlt. Noch lange hat mir das Weinen in den Ohren geklungen und ich habe oft von der Arbeit aus im Kindi angerufen. Aber jedes Mal war das Weinen 5 Minuten später vorbei und sie hat fröhlich gespielt. Sie hat mir nie etwas vorgemacht oder hat mich ausgespielt, sie hatte wirklich Angst und Trennungsschmerz! Dazwischen lief es tageweise super, dann nach einem schönen Wochenende oder Urlaub war wieder alles beim Teufel. Ich hab ihr dann irgendwann gesagt, dass ich zur Arbeit gehen muß um Geld zu verdienen und sie muß auch zu ihrer Kinderarbeit gehen. Wir haben dann eingeführt, dass ich ihr von außen noch einmal winke und dann erst wegfahre. So ist es heute auch noch. Ich winke ihr jeden morgen noch einmal von draußen.
    Außerdem hatte ihr damals geholfen, dass die Erzieherin ihr eine Sanduhr hingestellt hat, die sie immer umdrehen durfte. Einmal Umdrehen – eine halbe Stunde vorbei. Irgendwann nach dem 3. Tag vergass sie dann das Umdrehen und die Zeit war auch so ratzifatzi um und ich war da… Viele Kinder auf einem Haufen, der Lärm und alles drumherum sind wirklich anstrengend und ich bewundere auch die Erzieherinnen, dass die das täglich aushalten…

  3. rain72 Says:

    Hallo,
    oh wei, Ihr armen!
    Ich bin allerdings nach wie vor der Meinung, dass man es seinem Kind durch das „wieder Mitnehmen“ nicht gerade einfacher macht. Damit meine ich gar nicht, dass ich mein Kind bei so einer dramatischen Situation nicht auch wieder mitgenommen hätte….
    Aber generell finde ich, dass man mit dem wieder Mitnehmen für das Kind die Situation insofern noch verschlimmert, als dann erst recht eine Überforderung eintritt. Dein Sohn steht dann nämlich jeden Morgen aufs Neue vor einer großen Entscheidung: „Soll ich für x Stunden in den Kindergarten oder bei Mama bleiben?“ Ich glaube, damit diese Entscheidung pro Mama und contra Kindergarten ausfällt, muss im KiGa gar nichts „schlimm“ sein. Da reicht es schon, wenn es im KiGa manchmal eng oder laut oder was auch immer ist – während es bei Mama eben schön ist (spricht übrigens auch für eine stabiles Elternhaus 🙂 ) Wie dem auch sei, ich finde es wichtig, zu vermitteln, dass KiGa eben stattfindet und NICHT morgens eine Entscheidung ansteht „Will ich in den KiGa oder nicht?“ Denn so eine Entscheidung muss einen Vierjährigen überfordern – Du würdest von ihm sonst auch nicht verlangen, dass er alleine verbindlich entscheidet, was er die nächsten paar Stunden tut. Und Dein Sohn erlebt eben auch, dass, wenn er sich morgens „für den Kindergarten“ entschieden hat, diese Entscheidung für die nächsten Stunden „endgültig“ ist – dass kann auch Angst machen.
    Soweit meine wirren Gedanken zum Thema „weinendes Kind im Kindergarten“ – wir hatten bisher das Glück, dass es lediglich „kleine Dramen“ gab, die auch immer gleich wieder vorbei waren….
    Liebe Grüße
    rain72

  4. Anne Says:

    Ich kenne das Gefühl ganz genau, wenn man dann noch schwanger ist, fällt es einem noch schwerer, nicht gleich mitzuheulen. Dennoch stimme ich mit rain72 überein. Es macht es dem Kind noch viiel schwerer, wenn es die Unsicherheit der Mutter spürt. Solange du nicht fest und konsequent der Meinung bist, dass es ihm gut geht in der Kita und er auf jeden Fall da bleiben wird, ist er selbst verunsichert und merkt, dass er es womöglich in der Hand hat, ob er jetzt da bleibt oder nicht. Auch lange Erklärungen, warum er heute nicht bei dir bleiben kann, verstärken das Gefühl: Mama findet die Kita auch nicht so toll und nur weil sie heute einen langweiligen Tag hat, wäre DAS noch schlimmer, als Kita. Auch so Vertröstungen wie „ich komme ja bald wieder“ oder „du musst nur bis Mittag bleiben“ sind für Kind und Kita kein gutes Gefühl.
    Kurze Abschiede und eine Erzieherin, mit der das abgesprochen wurde, dass sie konsequent und liebevoll das Kind übernimmt, sind die beste Variante, nicht nur für dich, sondern auch und vor allem für dein Kind. Bei meiner Tochter hat es auch ewig gedauert, aber irgendwann war sie glücklich dort und das heißt für mich, dass es wirklich mehr mit mir und ihr zu tun hatte, als mit der Qualität der Kita.
    Das alles gilt natürlich nur, wie oben erwähnt, wenn du dir sicher bist, dass er weiterhin und diese Kita besuchen soll. Alles Gute!

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