Befremdlich

Was mich sehr befremdet sind Mütter die ständig von ihren Kindern in der „Wir“-Form sprechen. Gerade vorher wieder mal erlebt. Nachdem ich meine Tochter beim Prinzessinnenfest in der Bücherei abgeliefert hatte, unterhielt ich mich noch mit einer von diesen Müttern.

Sie hat insgesamt 3 Mädchen, hat sich erstmal ausgiebig darüber beklagt, daß das dritte Kind wieder kein Junge geworden ist und dann fiel ständig dieses „Wir“. In Bezug auf die mittlere Tochter (so alt wie meine) „WIR sind noch etwas schüchtern. WIR gehen noch nicht gerne ohne Mama irgendwohin“, in Bezug auf die Kleinste (ca. 3 Jahre) „WIR sind gerade etwas bockig. WIR langweilen uns gerade“. Und über die Älteste (11 Jahre) „WIR befinden uns gerade mitten in der Pubertät“.

Mir stößt das jedesmal ziemlich auf. Wieso kann man von seinem Kind nicht als eigenständige Person sprechen, sondern benutzt immer den Pluralis majestatis ? Bedeutet das, daß sich diese Frauen immer noch symbiotisch verbunden fühlen mit dem Kind ? Daß es nur eine Verlängerung der eigenen Person ist und keine Eigenständigkeit oder Persönlichkeit besitzt ? Oder ist es eine schlechte Angewohnheit ?

Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals von „Wir“ gesprochen zu haben, wenn es um meine Kinder ging …

Advertisements

4 Antworten to “Befremdlich”

  1. Ansku Says:

    „Pluralis majestatis“, Du Angeber. 😉 Aber nun ja, sieben Jahre Latein lassen sich nunmal schlecht verleugnen, kenne ich irgendwoher. *hust* 😉
    Ich verstehe gut, was Du meinst, aber ich denke mal, manchen Leuten fällt sowas gar nicht auf.
    Was ich auch ganz schlimm finde: Von sich im Raum befindlichen Personen in der dritten Person sprechen, nur weil sie vielleicht nicht wirklich aktiv am Gespräch teilnehmen, z.B. „Mei, der Opa, der muss jetzt mal seine Medizin nehmen“, während Opa direkt daneben steht. Das ist auch so eine Aberkennung einer eigenen Persönlichkeit.

    • tekelek Says:

      7 Jahre Latein lassen sich wirklich nicht verleugnen, allerdings ist mir der Begriff „Pluralis majestatis“ am eindrücklichsten aus dem Buch „Carlotta und die Liebe“ (von Giovanni Guareschi) in Erinnerung geblieben 🙂
      Das mit den älteren Menschen finde ich genauso schlimm. Während meiner Arbeit im Krankenhaus habe ich dann auch die Verwandten immer darauf hingewiesen, daß ich mit ihrem Opa/Oma/Mutter/Vater sprechen möchte und sie gerne zuhören können …

  2. aleXXblume Says:

    Vielleicht ist es banaler als man denkt… vielleicht sagt sie nur nicht gerne „Hier, die da, die ist gerade bockig!“ oder so (flapsig ausgedrückt) sondern will das ganze etwas abschwächen, indem sie sich mit dem Kind in Form des „wir“ „solidarisiert“ ?! Keine Ahnung, ob das wirklich so ist, aber wäre ja auch eine denkbare Möglichkeit…

  3. geologenkinder Says:

    Klingt schon etwas merkwürdig stimmt, ist mir noch nie bei irgendjemanden aufgefallen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: