Glücklicher Tod

Seit gestern ist nun die erste meiner beiden Omas tot. Gegen Mittag ist sie gestorben, ohne nochmal aufzuwachen. In meinen Augen ein schöner Tod. Alle hatten noch Zeit, sich von ihr zu verabschieden (naja, fast alle, bis auf meine Tante aus Hamburg, die heute erst mit dem Flugzeug kam), dann schlief sie ein und wachte bis gestern Mittag nicht mehr auf. Wenn ich mir einen Tod wünschen könnte, dann diesen. Einschlafen, nicht mehr aufwachen, fertig.

Da nun alles so schnell ging, stellte mich der Wochenanfang auch gleich vor mittelschwere Probleme, denn am Freitag ist bereits das Begräbnis und ich hatte bis heute Mittag nichts Schwarzes. Weder bei den normalen Klamotten, noch bei den Umstandssachen. Am Nachmittag sollte ich meine Hamburger Tante am Flughafen abholen (sie ist erst am Freitag an der Hand operiert worden und kann deshalb nicht wirklich gut Koffer tragen) und legte auf dem Weg dorthin noch schnell einen Zwischenstopp am Marienplatz ein. Dann hatschte ich, meine zwei Kinder im Schlepptau, durch die gesamte Fußgängerzone, um dann bei Be.netton ein einigermaßen schickes, schwarzes Etuikleid zu finden. Eigentlich kein Umstandskleid, aber in Größe L passte der Bauch gerade noch rein und da es tailliert geschnitten ist, sieht es auch ganz passabel aus.

Die größte Freude war aber der Preis. Dank Nachwehen des Sommerschlußverkaufes musste ich nur 14,90 Euro bezahlen, mit in die Tüte wanderte noch eine schwarze Strickjacke (wer weiß, wie Freitag das Wetter wird), die ich nach der Geburt immer noch gut tragen kann (momentan bekomme ich sie nicht zugeknöpft, muß ja aber auch nicht sein). Ich hatte schon Angst davor, Unmengen an Geld für ein passendes Begräbniskleid ausgeben zu müssen, das danach sowieso in der Versenkung verschwunden wäre.

Das Begräbnis an sich wird aber denke ich nicht allzu düster werden (jedenfalls nicht so wie die Kleidung), denn was ich so gehört habe, ist der Rest der Verwandtschaft genau wie ich ziemlich erleichtert, daß meine Oma kein Pflegefall geworden ist und noch wochenlang im Bett vor sich hinvegetieren musste. Außerdem war sie eben schon 86, auf keinen Fall zu jung zum Sterben.

Nun hoffe ich, daß meine andere Oma uns noch eine Weile erhalten bleibt, an dieser hänge ich sehr und ich wünsche mir, daß sie noch ihren dritten Urenkel kennenlernen darf. Allein der Gedanke daran, sie könnte nicht mehr da sein, treibt mir jedesmal die Tränen sofort in die Augen. Und das, obwohl der nächste Geburtstag der 102. wäre. Aber sie ist noch so voller Lebensfreude, positiver Energie und Witz, man denkt wirklich nicht, daß sie schon die 100 überschritten hat.

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2 Antworten to “Glücklicher Tod”

  1. Rinna Says:

    Da gebe ich dir Recht: das war ein schöner Tod! Meine Uroma ist mit 96 Jahren friedlich nach dem Frühstück auf ihrem Sofa eingeschlafen und ich habe ihr Leben seit jeher als glücklich und zufrieden in Erinnerung.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die Beerdigung am Freitag!
    Corinna

  2. Krabbenmama Says:

    mein Beileid.

    Tina

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