ohne Bewußtsein

…. das ist meine Oma mütterlicherseits nun seit gestern Nachmittag.

Gestern morgen erlitt sie einen Schlafanfall, beim Frühstück fiel ihr der Löffel einfach aus der Hand und sie konnte nicht mehr sprechen. Ich wurde gleich über Handy durch meine Tante informiert und musste dann einen Familienrundruf starten, da meine Nummer die einzige auf dem Handy war …

Letzte Woche war sie bereits ins Krankenhaus eingeliefert worden, da sie nach einem Sturz den Arm gebrochen hatte, diesen Montag war sie entlassen worden. Am Dienstag Abend brach ich dann mit den Kindern nach München auf – eigentlich wollte ich noch die ganze Woche bleiben, da aber so viel zu organisieren ist in nächster Zeit (vor allem in Sachen Haus), machte ich mich früher auf den Weg. Ich bin aber froh, daß ich noch die paar Tage bei meinen Großeltern war und mich verabschieden konnte, ich hatte schon die ganze Zeit ein komisches Gefühl in Bezug auf meine Oma und ahnte bereits, daß sie das nächste Jahr und ihren dritten Urenkel nicht mehr erleben würde.

Trotzdem bin ich nicht traurig. Jedenfalls nicht richtig. Sie ist 86 Jahre alt, hatte sowieso keine richtige Lebenslust mehr, konnte sich kaum bewegen vor Schmerzen wegen einer schlimmen Arthrose, wenn sie also demnächst einschläft (laut Ärzten liegt sie bereits im Sterben), ist es denke ich auf jeden Fall besser für sie. Zudem hatte ich nie eine wirklich tiefe Bindung zu ihr, einerseits aufgrund der Distanz Deutschland-Österreich (wir haben meine Großeltern früher ca. 2-3 Mal pro Jahr gesehen), andererseits habe ich sie mein Leben lang als sehr verbitterte, beinahe tyrannische Frau erlebt, die nicht wirklich liebevoll mit ihrer Umwelt umging. An so eine Oma bindet man sein Herz nicht unbedingt als Enkelin.

Deshalb fühlte ich mich auch irgendwie komisch, als meine Schwiegermutter total theatralisch reagierte (sie hat meine Oma ganze zwei Mal gesehen !) und meinte wie furchtbar, schrecklich und traurig das sei, es klang einfach nicht echt. Muß man völlig betroffen und außer sich sein, nur weil ein alter Mensch stirbt ? Selbst wenn man verwandt miteinander war/ist ? Und dieser Mensch ein hohes Alter erreicht hat ?

Für mich ist der Tod nichts Schlimmes, außer er trifft Kinder oder Menschen, die noch einiges an Lebenszeit und Plänen vor sich hatten. Oder aber er trifft einen Menschen, mit dem ich mich tief verbunden fühle, etwa wie meine andere Oma, die nun 101 ist und für mich immer wie eine Art Ersatzmutter war …

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4 Antworten to “ohne Bewußtsein”

  1. nadine Says:

    hallo!

    bei uns ist es derzeit ähnlich…. mein opa kam vor knapp 2 monaten mit 83 jahren ins heim weil meine oma nun nicht mehr in der lage ist, ihn zu pflegen…. ich war diese woche bei ihm. er ist wie ein kleines kind. weiss gar nicht so recht, wo er ist. ist in einer sekunde ganz klar um im nächsten moment völlig abwesend zu sein. ich finde es mittlerweile schlimm wenn alte menschen nicht mehr sterben „dürfen“. ich wäre sehr traurig wenn er gehen würde. aber ich habe gesehen, dass sein ganzer körper (und auch der geist) müde sind. es gibt kein lebenswertes leben mehr für ihn. für mich ist es dennoch immer wieder erschreckend wenn mir bewusst wird, dass das leben endlich ist.

    • tekelek Says:

      Das stimmt. Ich bin eher traurig, weil mir wieder ein Mal die Endlichkeit des Lebens vor Augen geführt wird. Für meine Oma ist es das Beste, wenn sie stirbt. Sie wollte sowieso seit Monaten nicht mehr leben, hatte keine Freude, keine Pläne oder Ziele. Sie wird nicht aus dem Leben gerissen, sondern hat sich lange auf diesen Moment vorbereitet und ihn sogar herbeigesehnt …

  2. Dorothea Says:

    Ich mag diese Heuchelei nach dem Tod ebenfalls überhaupt nicht. Sterben ist bekanntlich nichts, was nur einigen Menschen „passiert“. Wenn ich jemand zu Lebzeiten nicht mochte, dann ändert sich das im Todesfall auch nicht. Und ich finde auch, dass man mit 86 Jahren und fehlendem Lebenswillen sterben darf.

  3. geologenkinder Says:

    Also wenn mein Vermieter ins Gras beissen würde, gäbe es eine Party mit allen ehemaligen Hausbewohnern.
    Der Tod ist etwas endgültiges und mich stimmt er jedesmal traurig. Ich fühle in der Tat mit den anderen Menschen mit und bin sogar bei den Menschen betroffen die ich in Lebzeiten auf den Tod nicht ausstehen konnte. Hängt vielleicht mit den frühen Ableben meiner Eltern zusammen oder ich bin zu gefühlsdusselig, wer weiß.
    Aber ihr habt Recht, wenn Menschen alt sind und keinen Lebenswillen mehr haben oder das Leben nicht mehr lebenswert ist, dann ist der Tod ein Ausweg, ein würdevolles sterben. Mein Schwiegervater vegetiert nun seit über einem halben Jahr nach einem Schlaganfall im Bett rum. Auch wenn ich überhaupt keine Bindung zu ihn habe, tut es mir in der Seele leid zu sehen wie beschissen das Leben sein kann. Der Tod wäre für die Angehörigen eine Katastrophe gewesen aber am Ende besser.

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