Gedanken zur Geburt

Ich habe zwar noch einige Wochen vor mir, bis unser drittes Kind „schlüpft“, trotzdem bewegt mich das Thema Geburt sehr intensiv, auch schon, bevor ich wieder schwanger war.

Mich erschreckt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Schwangerschaft und Geburt werden immer mehr zum Risiko, es findet kaum noch ein entspannter Umgang damit statt, in den natürlichen Verlauf der Geburt wird immer mehr eingegriffen.

Zum Glück kann ich momentan noch wählen, wo mein Kind zur Welt kommen soll, manchmal habe ich Angst, daß meine Tochter das nicht mehr können wird. Als „zu Hause Gebärende“ gehöre ich einer Minderheit an und es gibt auch immer weniger Hebammen, die es auf sich nehmen, Hausgeburten zu machen und davon leben können.

Warum ich überhaupt zu Hause entbinden möchte ? Weil ich selbstbestimmt meine Kinder auf die Welt bringen möchte, ohne Eingriffe von Außen und ohne passiv „entbunden“ zu werden von meinem Kind. Weil ich denke, daß mein Körper von Natur aus darauf eingestellt ist, Kinder auszutragen und zu gebären, und das auch gut funktioniert, wenn er dabei in Ruhe gelassen wird.

Mir wird immer schlecht, wenn ich Krankenhausgeburtsberichte lese. Da wird Panik gemacht, weil die Geburt angeblich „stillsteht“. Meist nur deshalb, weil sich der Muttermund nicht in der statistisch vorgegebenen Zeit öffnet. Es werden künstliche Wehen erzeugt, da laut CTG die Wehen der Frau angeblich nicht stark genug sind. Darunter leiden Mutter und Kind, die Mutter bekommt eine PDA, die wiederum die Wehentätigkeit blockieren kann. Außerdem geht der Kontakt zum Kind verloren, der ohne Betäubungsmittel ständig da ist, sehr oft (für meinen Geschmack viel zu oft) bekommt das Kind dann Probleme und „muß“ plötzlich per Kaiserschnitt geholt werden …

Meine Geburten waren beileibe nicht einfach, wenig schmerzhaft oder leicht zu ertragen. Mein Muttermund brauchte länger um sich zu öffnen, als er „sollte“. Aber gerade durch die Intensität der Schmerzen atmete ich instinktiv tief in den Bauch hinein, um den Schmerz besser ertragen zu können und das Kind ordentlich mit Sauerstoff zu versorgen.  Bei Betäubung der Schmerzen fehlt diese tiefe Atmung. Das Kind bekommt sehr oft zu wenig Sauerstoff und die Herztöne sinken ab. Dazu kommt noch die ungünstige Lage der Mutter, meist liegend auf dem Bett, was die Durchblutung der Plazenta noch mehr blockiert.

Ich verstehe einfach nicht, wieso so oft und so schnell in diesen natürlichen Prozess eingegriffen wird. Und hinterher sagen alle „zum Glück waren wir im Krankenhaus !“.

Bitte nicht falsch verstehen. Es gibt durchaus Fälle, in denen ein Krankenhausaufenthalt lebensrettend und notwendig ist. Mancher Kaiserschnitt ist wirklich notwendig. Aber nicht in dem Ausmaß wie in der heutigen Zeit.

Auch Zangen- oder Saugglockengeburten, große Dammschnitte und das „Kristellern“ (Herausdrücken des Kindes von oben durch Druck auf den Bauch) könnten denke ich sehr oft vermieden werden. Durch Geduld, eine passende Geburtsposition und Vertrauen in einen natürlichen Geburtsverlauf.

Mein erstes Kind konnte ich nur in der Hocke auf die Welt bringen, das zweite nur im Stehen. Sonst wären sie vermutlich steckengeblieben (sie waren sehr groß und schwer) oder ich hätte enorme Verletzungen erlitten.

Bei meinem Sohn wurde mir hinterher sogar mitgeteilt, daß ich im Krankenhaus auf jeden Fall einen Kaiserschnitt bekommen hätte, da er weit über 4 kg wog, sehr breite Schultern hatte und die Nabelschnur um den Hals gewickelt war. Er kam jedoch völlig gesund zu Hause auf die Welt, ich selber hatte nur minimale Abschürfungen nach der Geburt.

Alles was ich mit diesem Artikel sagen möchte ist, habt Vertrauen in Euren Körper und überlasst die Verantwortung für den Geburtsverlauf nicht blind der Ärzteschaft. Für eine Hausgeburt ist nicht jeder geschaffen, viele brauchen für ihre eigene Ruhe und Entspannung das Krankenhaus, man sollte aber nie das Vertrauen in die eigenen Kräfte verlieren und sich bedingungslos anderen Menschen ausliefern.

Ich hoffe, daß diesen Artikel niemand falsch versteht, das sind nur meine Gedanken und ich muß ihnen einfach ein Ventil geben …

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16 Antworten to “Gedanken zur Geburt”

  1. Beate Says:

    Ich hätte mir eine Geburt gewünscht, bei der ich entbinde und nicht entbunden werde.

    Doch hatte ich einen Not-Kaiserschnitt, da meine Kleine den Kopf verkeilt hatte und auch die Saugglocke da nicht helfen konnte. Wäre der Schnitt nicht gemacht worden, wären wir beide auf dem Tisch geblieben oder sie wäre eventuell (!) nach Tagen doch normal geboren worden.

    Und das Krankenhaus … naja. Wenn es hier Geburtshäuser gäbe, wäre ich dorthin gegangen.

    • Beate Says:

      Ach ja: vorher hatte ich Vetrauen in mich. Das ist aber irgendwie auf der Strecke geblieben… 😦

    • tekelek Says:

      Genau das meine ich ja. In einigen Fällen ist ein Kaiserschnitt notwendig und berechtigt. Oft ergeben sich solche Situationen aber erst durch Eingriffe vorher (vor allem PDA und Wehentropf) und DAS stört mich.

  2. Barbara Says:

    Ich weiß nicht, ob ich es ohne PDA bei der zweiten Geburt geschafft hätte, das Kind auf normalem Weg zur Welt zu bringen, nahcdem ich das erste nach Stunden wo nichts vor und zurück ging per Zwangsräumung – also Kaiserschnitt bekommen habe. Was im Weg war weiß ich jetzt – das Steißbein. Das hat Nr. 2 mir nämlich unter der Geburt gebrochen und der Weg war frei. Ich war froh um diese Möglichkeit, die mir und dem Kleinen geholfen hat, mein Bedürfnis nach einer normalen Geburt zu schaffen.

    • tekelek Says:

      Es geht oft gut mit PDA. Aber genauso oft eben nicht. Und das macht mir Sorge.
      Das Steißbein hatte meine Tochter mir damals auch gebrochen – ist allerdings im allgemeinen Wehenschmerz damals untergegangen 😉
      Erst hinterher hatte ich wochenlang Schmerzen, bis es wieder zusammengeheilt war. Vielleicht passte deshalb Kind Nr.2 auch besser durch …

  3. Rinna Says:

    Ja, ich kann dich gu verstehen. Ich persönlich würde beim 2. eher zum Geburtsthaus tendieren, wir haben hier in der Nähe eins.
    Und ich muss sagen: in den Phasen während der Geburt, wo ich auf meinen Körper gehört habe, habe ich alles instinktiv richtig gemacht (habe die ganze Zeit über gehockt, sodass meine Tochter seeeeehr schnell ins Becken gerutscht ist, für eine PDA war es dann zu spät 😉
    Ich war aber trotzdem mit dem KH sehr zufrieden!!

    • tekelek Says:

      Das meine ich ja. Man kann ja durchaus mit dem Krankenhaus zufrieden sein. In manchen Krankenhäusern ist man aber nur Patientin und die eigenen Wünsche werden nicht wahrgenommen und akzeptiert …
      Teilweise ist es ja auch Glückssache, an welche Hebamme man gerät (außer man hat eine Beleghebamme) und wer gerade Dienst hat.
      Ich möchte Krankenhäuser nicht generell schlecht machen (schließlich habe ich ja selber in einem gearbeitet), es gibt positive Ausnahmen.

  4. never80 Says:

    Hallo!

    Ich habe zwei Kinder im Kh bekommen.
    Beide wären per KS gekommen, hätte ich darauf vertraut das ich dort ja sicher gut aufgehoben bin.
    Habe ich aber nicht, sondern habe mir eine Beleghebamme besorgt.

    Super!
    Unser Frühchen kam spontan zur Welt und hatte, vielleicht gerade deswegen, keine Probleme.
    Unser „Kleiner“ kam mit 37 Ku und der Faust an der Stirn auch spontan, obwohl er festhing, da meine Hebamme mich kannte und mir vertraute. Ich ihr natürlich auch.
    Sollte ich noch jemals ein Kind bekommen, dann wird es nicht in einem Kh sein, denn meine Hebi hat aufgehört mit den Beleggeburten, wie fast alle anderen hier auch, da sie es nicht mehr leisten können.

    Schade das etwas so Natürliches so verkompliziert wird, und den Frauen das Vertrauen in ihre eigene Kraft und Wahrnehmung so geraubt wird.

    LG

  5. anjemi Says:

    ich habe 3 KH-geburten hinter mir. die erste in münchen, frei gewählt da ich angstpatientin bin und mich im KH einfach sicherer gefühlt habe. bei der 2. geburt weiß ich nicht, wie ich gewählt hätte, wenn ich in DEU entbunden hätte. hier waren sie jedoch gezwungenermaßen KH-geburten. in GR gibt es keine hebammen als solche wie in DEU.
    ich weiß aber, was du mit diesem urvertrauen meinst. ich hatte höllische angst vor der 3. geburt, nachdem die 2. so daneben ging. mir hat das buch „hypnobirthing“ (http://www.amazon.de/HypnoBirthing-nat%C3%BCrliche-sicheren-sanften-leichten/dp/3938396202/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1281034828&sr=8-1) sehr geholfen. ich habe abschalten können und die geburt war wunderwunderbar. ich habe das baby während den wehen nach draußen „geatmet“, ich habe viel mit dem kopf gearbeitet und das dumme KH-drumherum weggeschaltet. ein wunderbarer abschluss, eine wunderbare dritte, letzte geburt 🙂 und was faszinierend war: die wehen in den ersten 2 stunden, schlugen auf dem CTG voll aus, ich spürte sie aber nicht. ich habe übrigens eine PDA bekommen, später, die war jedoch für die katz – 15 min später war jette da. sie hatte noch nicht einmal nur ansatzweise eine chance zu wirken. trotzdem und wegen meiner vorarbeit war es eine gute geburt. ich hatte wie bei allen anderen geburten nur natürliche dammrisse, die großartig im nu heilten. LG

  6. nilaja Says:

    Ich kann ganz gut verstehen was Du meinst.
    Ich bin aber kein Typ für eine Hausgeburt.
    Ich brauche die Sicherheit, dass im Fall der Fälle mir schnell geholfen werden kann.
    Trotzdem ist es immer so eine Sache mit dem Krankenhaus.
    „Mein“ Krankenhaus tendiert sehr stark zu natürlicher Geburt, aber auch die leiten nach einem Blasensprung und ein paar Stunden ein.

    Ich muss sagen, dass ich bei meiner ersten (Beckenendlage-)Geburt etwas überfordert war. Also hatte ich keine Wünsche und habe das gemacht, was mir gesagt worden ist.Im Nachhinein nicht optimal, aber ok.

    Bei den Zwillingen war ich schon selbstbewußter in der Richtung und wusste ich was ich will, bzw. nicht will.
    Diese Geburt war wirklich toll.
    Nur der starkte Blutverlust wegen des Muttermundrisses hätte nicht sein müssen. Dadurch wurde der Muttermund unter Vollnarkose genäht.
    Keine Ahnung, ob die Blutung alleine aufgehört hätte oder nicht. Da ich aber schon viel Blut verloren habe und ziemlich matt war, war es besser so.
    Natürlich war ich dann auch froh, direkt im Krankenhaus zu sein und nicht zu Hause.
    Aber wie bereits geschrieben: Ich bin einfach kein Typ für eine Hausgeburt.

    Trotzdem würde ich mir wünschen, dass Krankenhäuser wie Geburtshäuser sind, nur eben mit Fachpersonal für wirkliche Notfälle.

    • tekelek Says:

      Der letzte Satz ist wirklich gut. Das würde ich mir ebenfalls wünschen, vielleicht würde ich mich dann auch in ein Krankenhaus trauen. Es gibt ja Geburtshäuser, die direkt an Krankenhäuser angeschlossen sind. Das ist der Idealfall, gibt es aber nicht überall.
      Aber selbst bei einer Hausgeburt kann wenig passieren. Hausgeburtshebammen sind sehr erfahren und wachsam, und sobald sich auch die kleinsten Anzeichen zeigen, daß Komplikationen auftreten, brechen sie sowieso die Hausgeburt ab.
      Ich hatte nach der Geburt meines Sohnes extrem starke Nachblutungen, da er so schwer (4400g) war und die Plazenta einfach riesig (also große Wundfläche). Selbst da hat die Hebamme ganz ruhig reagiert, hat mir zwei Spritzen mit Oxytocin verpasst (im Notfall dürfen Hebammen sowohl Notfallmedikamente verabreichen, als auch Risse oder ähnliches nähen) und nach ein paar Stunden war alles wieder gut.
      So schnell verblutet man auch nicht. Wenn es nicht besser geworden wäre, dann hätten wir einen Krankenwagen gerufen und ich hätte eben doch noch ins Krankenhaus gemusst. Darauf war und bin ich auch jedes Mal vorbereitet !
      Selbst im Krankenhaus muß ich Ernstfall auch erstmal der Ober- oder Chefarzt alarmiert werden, das OP-Team zusammengetrommelt werden, u.s.w. …
      Wenn man angekündigt mit Krankenwagen kommt, steht schon alles bereit und ich denke, die Zeitspanne dürfte ähnlich sein.

      • nilaja Says:

        Hausgeburten finde ich schon toll. Aber eben für andere. 😉
        Wir wohnen am Lande, also beträgt die Fahrzeit ins Krankenhaus mit einem normalen PKW ca 40 min. Krankenwagen wäre natürlich dementsprechend schneller und normalerweise sollte das kein Problem sein. Trotzdem fühle ich mich da unwohl.
        Wahrscheinlich auch, weil wir mit meinen Schwiegereltern im Haus wohnen und ich mir dauernd Gedanken machen würde z.B. nicht zu laut zu sein, denn was würden die Schwiegerleute denken. 🙄
        Ich weiß, ist blöd, aber ich bin mir sicher, dass ich mich nicht entspannen könnte.
        Und das ist natürlich bei einer Geburt ziemlich doof….

      • tekelek Says:

        Man muß sich bei einer Geburt wohlfühlen, das ist die Hauptsache. Bei uns wäre das nächste Krankenhaus nur ca. 10 Minuten entfernt, das ist finde ich nah genug …

  7. Tini Says:

    Ich habe mir um das ganze Thema nie nie nie einen Kopp gemacht.
    Als die Wehen kamen, bin ich ins Krankenhaus gefahren.
    :o))))))))

    • tekelek Says:

      Ist doch gut so 🙂
      Gerade wenn man sich keinen Kopp macht, kann man sein Kind gut auf die Welt bringen. Ich habe mir eben viel Gedanken gemacht vorher und Angst vor einer Krankenhausgeburt gehabt. Sie war so negativ besetzt in meinem Kopf, daß ich dort nie entspannt ein Kind hätte bekommen können und sicher Komplikationen deswegen aufgetreten wären …

  8. Krabbenmama Says:

    ich stimme dir in vielen Punkten zu.
    Junior sollte ja auch im GH geboren werden ,doch scheinbar bin ich nicht der Typ der Vertrauen in sich hat das zu schaffen.
    Ich habe mit jeder Wehe mehr den Kontakt zum Kind verloren,habe mich im Schmerz verloren:-(
    Nach endlos vielen extrem heftigen Wehen,fast ohne Wehenpause bin ich ins Krankenhaus gefahren-alleine der Gedanke dass ich vielleicht ein PDA bekommen könnte liess das Kind glaube ich rutschen.
    Im Geburtshaus hat er sich im Becken verkeilt und nichts ging mehr.

    Im Krankenhaus kam er eine halbe Stunde nach eintreffen zur Welt-mit der Faust vorraus und in der Fruchtblase.
    Ich muss wirklich zugeben dass die ersten Geburten bedeutend einfacher waren(trotz BEL)

    aber nichts desto trotz würde ich es wieder versuchen.

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