Herzschmerz

Heute morgen habe ich mich ziemlich zum Horst gemacht im Kindergarten, aber das ist mir egal, es musste einfach sein.

Wie es dazu kam ? Nun ja, mein Sohn verweigerte mal wieder den Kindergartenbesuch, sträubte sich mit Händen und Füßen und jammerte mich an, ich solle ihn wieder mit nach Hause nehmen. Ich dachte mir in dem Moment „Nicht schon wieder !“  und reagierte etwas genervt. Ich setzte ihn auf die Treppe, sagte ihm, daß ich möchte, daß er im Kindergarten bleibt und mir meinetwegen noch winken kann, dann machte ich die Türe zu und ging hinaus.

Hinter mir hörte ich mein Kind weinen und schreien, ich ging trotzdem nach draußen und wartete am Fenster, um ihm noch zu winken. Dort erschien er dann auch, auf dem Arm der Erzieherin, völlig verzweifelt um sich schlagend und heulend 😦

Ich winkte noch, dann stieg ich ins Auto und fuhr los zum Einkaufen. Im Supermarkt angekommen hatte ich schon ein ganz schlechtes Gefühl, an der Kasse fing ich fast an zu Heulen (diese Schwangerschaftshormone sind schrecklich !) und wieder im Auto machte ich mich auf den Weg zurück zum Kindergarten. Die Vorstellung, mein Kind ohne nochmalige Aussprache bis mittags im Kindergarten alleine zu lassen, machte mich völlig fertig …

Dort angekommen schloß ich meinen Sohn erstmal fest in die Arme und fing dann an, hemmungslos zu weinen – die Erzieherin wird sich wieder gedacht haben, was für eine hysterische Mutter ich bin, aber egal. Er freute sich sichtlich und versicherte mir dann, daß er jetzt im Kiga bleiben würde, außerdem bestand noch die Aussicht auf ein Riesenblech Smartie-Muffins (ein Kind feiert heute seinen 5.Geburtstag), das war der größte Anreiz.

Ich möchte einfach, daß meine Kinder gerne in den Kindergarten gehen und dort Spaß haben. Und nicht nur wegen mir dort bleiben und die Zeit absitzen …

Dieses verzweifelte Weinen heute früh hat mir das Herz zerrissen, ich hätte nie und nimmer einen ruhigen Vormittag haben können. So bin ich nun entspannt, ich weiß, daß er freiwillig dort geblieben ist und bestimmt viel Spaß hat.

In solchen Situationen handle ich immer nach meinem Instinkt. Und der sagte mir, daß die Verabschiedung so nicht in Ordnung war und wir beide unglücklich gewesen wären. Mir ist so egal, was andere darüber denken, wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann mache ich es nicht. Natürlich bin ich in der glücklichen Lage, daß ich noch nicht wieder berufstätig bin. Aber dann hätte ich zumindest einen guten Grund und könnte meinem Kind das auch so vermitteln. Nämlich daß er quasi zu seiner „Arbeit“ geht und ich zu meiner.

Am schlimmsten ist für mich aber momentan diese Emotionalität. Ich bin im Normalzustand schon ein sehr sensibler Mensch, wenn dann noch Schwangerschaftshormone dazukommen, ist es vorbei. Ich kann die Tränen dann nicht zurückhalten, es muß alles sofort raus. Noch 7 Monate, dann kehrt wieder etwas Ruhe ein …

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6 Antworten to “Herzschmerz”

  1. Jinlys Says:

    Ach, Du Arme!

    Das kann ich Dir so gut nachfühlen. Als ich an meinem ersten Arbeitstag nachmittags zur Tagesmutter unterwegs war, kamen mir im Bus auch ständig die Tränchen, und als ich meine Tochter dann endlich im Arm hatte, purzelten sie munter. Mittlerweile geht es viel besser… bin halt auch ein Sensibelchen und brauche ein wenig Zeit, um mich umzustellen.

    Dass Du auf Dein Bauchgefühl gehört hast, war doch super! Kann doch im Kindergarten ruhig jeder blöd gucken, wie er möchte. Hauptsache, Ihr zwei hattet dann beide ein gutes Gefühl dabei und konntet den Vormittag einigermaßen genießen.

    „Nur noch sieben Monate“ – mach Dir keine Sorgen! Du hast ja nicht jeden Tag davon so arg nah am Wasser gebaut.

  2. 221170 Says:

    Herrje, das hätte mich auch ohne Schwangerschaft umgehauen.
    Wir hatten das bisher einmal, ich musste zur Arbeit und bin unter Tränen rausgegangen. Es war ein Alptraum.

    Ich beobachte das jeden Morgen, ein Junge aus der Gruppe meiner Tochter weint jeden Morgen. Ich weiß nicht wie die Mutter das übersteht, wirklich jeden Morgen gibt es da ein Drama. Meine Tochter sagt schon immer:“ Der G. will zur Mama…“, da treibt es mir schon die Tränen in die Augen.
    Wir haben Glück, unsere Kleine geht gerne in den Kiga.

    Aber ich finde, du hast richtig gehandelt. Nevio weiß das er sich auf dich verlassen kann, ohne das er dich zum Horst macht.

  3. rain Says:

    Hallo Katrin,
    tja, solche Situationen sind immer schwierig…. Aber was mich interessieren würde: Wie ging es denn Deinem Sohn, als Du nochmal zum Kindergarten gefahren bist? Es klingt so, als hätte er sich bis dahin beruhigt. Ich weiß nicht, ob Du ihm in diesem Fall einen Gefallen tust, wenn Du nochmal kommst und die Sache damit sozusagen „dramatisierst“. Versteh mich nicht falsch, ich bin auch kein Freund davon, Kinder einfach schreien zu lassen. Und bei „akuter Kindergartenunlust“ sollte man sein Kind sicherlich ernst nehmen und erst einmal nach den Ursachen forschen. Aber soweit ich hier mitbekommen habe, hast Du das ja auch schon gemacht und keine Probleme ausmachen können. In diesem Fall allerdings ist man – finde ich, so schwer mir das im Einzelfall auch fallen würde – dann als Elternteil auch gefordert, zu seinen Entscheidungen zu stehen und konsequent zu bleiben. In einem Forum hat mir mal jemand geschrieben (als es ums Schnullerabgewöhnen ging) „Du bist die Erwachsene von Euch beiden, also ist es auch Deine Verantwortung, Notwendiges konsequent durchzuziehen.“ Da ist sicherlich was Wahres dran. Auf Deinen Fall bezogen: Wenn Dein Sohn im Kindergarten bleiben soll und das auch kann (sich also auch in absehbarer Zeit nach Deinem Weggang wieder beruhigt), dann solltest Du das auch konsequent durchziehen, so schwer das fällt. Dein Einwand „er muss ja nicht, ich arbeite ja nicht“, ist zwar so gesehen richtig, aber da musst Du Dir eben auch überlegen, was Du willst. Soll er hingehen, auch wenn es „betreuungstechnisch“ nicht unbedingt notwendig wäre? Dann musst Du das eben auch konsequent so handhaben. Wenn Du jeden Morgen überlegst, ob Du ihn bei entsprechendem Geschrei doch wieder mitnimmst und das im Einzelfall auch schon getan hast, dann spürt Dein Kind das ganz genau. Gedankengang bei Deinem Sohn: „Ich muss jeden Tag in den Kindergarten, es sei denn, ich mache morgens ein Riesentheater – dann nimmt Mama mich wieder mit!“ Schlaues Kerlchen – und entsprechend wird das Theater dann wohl auch ausfallen, solange Du in Sichtweite bist. Jetzt hast Du ihn zwar nicht wieder mitgenommen, aber signalisiert, dass Du es selber falsch fandest, ihn morgens dort so zurückzulassen. Und das finde ich nicht, jedenfalls nicht, wenn er sich dort innerhalb kurzer Zeit wieder beruhigt…
    Lange Rede kurzer Sinn: Ich finde, manchmal muss Mama eben stark sein! Ich verstehe Deine Gemütsverfassung (zumal mit Schwangerschaftshormonen) durchaus, aber da muss Mama dann eben auch mal „alleine durch“….
    Soweit meine langen Gedankengänge zu Deinem „Problem“. Ob ich selbst in der konkreten Situation tatsächlich so rational gehandelt hätte oder ob nicht auch – wie bei Dir – der Bauch gewonnen hätte, ist allerdings die Frage…..
    Liebe Grüße
    rain

    • tekelek Says:

      Hallo !
      Ich bin sonst in allen Dingen eine sehr konsequente Mutter. Nur wenn ich das Gefühl habe, mein Kind leidet wirklich (also nicht nur Herumgeschreie), dann handle ich so wie beschrieben. Er weinte zwar nicht mehr (ich denke er hatte auch die Sinnlosigkeit seines Weinens erkannt), als ich zurückkam, machte aber noch einen sehr geknickten Eindruck. Und mir tat es vor allem leid, daß ich so genervt reagiert hatte – ich wollte mich einfach im Guten von ihm trennen, Heulen hin oder her.
      Heute ist er dann ohne Jammern in den Kindergarten gegangen, ich habe ihm nochmal erklärt, daß ich ihn vormittags hier nicht haben möchte, da ich vieles zu erledigen habe und auch eine „Kinderpause“ brauche, er durfte sein Lieblingsstofftier mitnehmen und dann war es ok.
      Die Erzieherin hat gestern beim Abholen noch ein längeres Gespräch mit mir geführt, sie meinte, sie hätten sich eventuell auch zu wenig um ihn gekümmert und müssten darauf mehr Wert legen, da er eben der Kleinste und Jüngste von allen ist. Dann schlug sie die Sache mit dem Stofftier vor. Normalerweise dürfen die Kinder nichts von zu Hause mitbringen, sie hat es aber vor allen Kindern zur Sprache gebracht, daß mein Sohn so traurig sei und deswegen ausnahmsweise ein Kuscheltier mitnehmen darf.
      Im Zweifelsfall sollte man immer seinen Instinkt entscheiden lassen, das ist zumindest meine Meinung. Mir hat die Sache gestern so Bauchschmerzen gemacht, daß ich es einfach nicht auf sich beruhen lassen konnte …

  4. CooKie Says:

    Ach weisst du, ich finde es gut das du nochmal hingefahren bist.

    Es gibt da so einen Spruch an den ich oft denken muss:

    „Gehe niemals im Streit auseinander. Es könnte das letzte Mal sein“

    Das versuche ich auch zu beherzigen! Ihr habt zwar nicht gestritten, aber es blieb eben ein blödes Gefühl. Und wenn du dich zum Horst machst, ist doch egal! 😉

    • tekelek Says:

      So etwas ähnliches ging mir dabei auch durch den Kopf …
      Es war ja schon so etwas wie ein Streit, er wollte nicht in den Kiga, ich wollte, daß er geht und habe dann etwas unfreundlich reagiert …
      Ich bin sehr froh, daß ich nochmal zurückgefahren bin, ich hätte sonst den ganzen Vormittag Bauchschmerzen gehabt.
      Gestern und heute dagegen war alles kein Problem, Sohnemann hat zwar etwas gemeckert, ist aber dann ohne Geheule dageblieben (vielleicht auch weil das aktuelle Thema „WM“ heißt ;-))

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