Zwischen den Stühlen

Heute morgen ist mir ein wenig zum Heulen zumute. Mein Mann rief mich vorhin an und fragte, warum ich den Kindergarten noch nicht gekündigt hätte und diese Kündigung vor mir herschieben würde.

Es geht darum, daß unser Kindergarten laut Vertrag auf 6 Monaten Kündigungsfrist zum August besteht, sonst verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. Diese Frist haben wir sowieso verpasst. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, daß so ein Vertrag überhaupt rechtsgültig ist. Da alle anderen Kindergarten nur 3 Monate Kündigungsfrist haben war unsere Überlegung, diese Frist einzuhalten und das bei einem eventuellen Rechtsstreit (wobei ich nicht glaube, daß es dazu kommen würde) geltend zu machen.

Nun ist es aber so, daß wir den Vertrag für unser Grundstück noch nicht bekommen und auch noch nicht unterschrieben haben. Es sind auch noch nicht alle Angebote der von uns ausgesuchten Baufirmen eingetroffen, nichts ist sicher, nichts ist bisher entschieden.

Deshalb widerstrebt es mir, den Kindergarten jetzt zu kündigen, wenn ich noch nicht einmal weiß, wann denn unser Umzug stattfinden wird. Geplant ist Dezember, aber dieser Zeitplan ist sehr knapp gerechnet. Zudem soll ja Mitte Januar unser drittes Kind auf die Welt kommen, da ist ein Umzug auch schlecht machbar …

Außerdem freut sich unsere Tochter schon seit langem auf die Vorschule. Ich musste sie letzten Herbst schon vertrösten, weil ich dachte, sie würde sich sonst im letzten Kindergartenjahr langweilen, wenn sie vorher schon die Vorschule besucht hat. Wenn ich ihr nun sage, daß sie und ihr Bruder ab August auf unbestimmte Zeit mit mir zu Hause bleiben werden, gibt das sichere eine Katastrophe bzw. sie wird sehr unglücklich darüber sein. Und ich wiederum weiß nicht, ob ich in hochschwangerem Zustand zwei Kinder vollzeitbeschäftigen kann …

Meinem Mann wäre diese Variante am liebsten. Wir würden viel Geld sparen, müssten keine Fristen mehr einhalten und könnten ungestört umziehen. Für mich ist es aber überhaupt nicht einfach.

Am liebsten wäre es mir, wir würden abwarten, die Kinder einfach noch bis Weihnachten in den jetzigen Kindergarten gehen lassen und es drauf ankommen lassen. Falls sich der Umzug verschiebt, was nicht ganz unwahrscheinlich ist, wären sie zumindest gut aufgehoben und wir nicht so gestresst.

Falls die Kindergartenleitung am jetzigen Vertrag festhält, müssten wir im blödsten Fall bis August 2011 weiter die Monatsbeiträge zahlen (was bei insgesamt 370 Euro pro Monat eine ganze Stange Geld wäre !). Ich halte das aber für rechtlich unzulässig, weil ich, um die Plätze in Anspruch nehmen zu können, jeden Tag über 50 km einfach fahren müsste !

Insgesamt fühle ich mich total zerissen. Ich kann meinen Mann verstehen, der diese Unsummen von Geld sieht und Angst vor einem potentiellen Rechtsstreit hat, ich sehe aber auch unsere Kinder (vor allem meine Tochter), die nicht gerade glücklich damit wären, auf unbestimmte Zeit bei mir zu bleiben und dann bin da noch ich selber, im Herbst dann sehr schwanger, voll beschäftigt mit Umzug vorbereiten (falls doch alles läuft wie geplant) und höchstwahrscheinlich nicht gerade sehr belastbar und nervenstark …

Das alles macht mir Angst und bedrückt mich. Ich hoffe, es findet sich bald eine Lösung, ich würde es wie gesagt notfalls auch in Kauf nehmen, ein paar Monate Kindergarten umsonst zu bezahlen, Geld hin oder her …

Advertisements

6 Antworten to “Zwischen den Stühlen”

  1. Martina Says:

    spielt mit offenen Karten. Redet mit der Leitung, was alles so ansteht und fragt ob es ausnahmsweise möglich ist unterm Jahr zu wechseln – jeder, der mal gebaut hat (oder jemanden kennt, der gebaut hat), weiß, dass da Termine mehr als wackelig sind.

    Viele Familien – NACH München ziehen ja auch viele – wären glücklich wenn sie unterm Jahr einen Platz bekämen… Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass Ihr nur so lange weiterzahlt, bis neue Kinder aufgenommen sind – das wären die Kosten für die „Kulanz“, mit denen Ihr rechnen müsst…

    (die langen Fristen gibt es nur, damit der Kindergarten planen kann – wenn Ihr von Euch aus rechtzeitig auf sie zukommt, kann ich mir gut vorstellen, dass sie nicht darauf bestehen.)

  2. nilaja Says:

    Also ich würde in Deiner Situation die Kleinen im Kindergarten lassen, auch wenn es viel Geld kostet.
    Denn zwei motzige Kinder, die beschäftigt werden wollen und Kindergarten gewohnt sind im Herbst/Winter zu Hause zu haben ist nicht einfach.
    Diese Kinder aber zu Hause zu haben, wenn man Hochschwanger ist und einen Umzug schaffen soll, ist meiner Meinung nach fast unmöglich.
    Jedenfalls nicht ohne dauerhaftes Gemotze und Geschrei.

  3. Dorothea Says:

    Ich würde auch erst einmal alles so lassen und mit der Kindergartenleitung sprechen. In München sind doch Kindergartenplätze Mangelware, da findet sich im Zweifelsfall bestimmt jemand für Eure Plätze.

    Außerdem ist ja gar nicht garantiert, dass ihr wirklich im Dezember umzieht. Es wäre wahrscheinlich das erste Bauprojekt, das im Zeitplan bliebe… Und hochschwanger zwei unausgelastete Kinder zu Hause zu haben und einen Umzug vorzubereiten, ist eine gruselige Vorstellung!

    Und falls es Dich tröstet: wir zahlen in Berlin für zwei Kinder über 500 Euro monatlich Gebühren…

  4. rain Says:

    Hallo,
    ich lese ja sonst nur – gerne – still mit, aber jetzt muss ich als Rechtsanwältin doch mal meinen juristischen Senf dazugeben:
    Kündige, sobald Du absehen kannst, wann Ihr wirklich umzieht. Den Betreuungsvertrag mit dem Kindergarten könnt Ihr im Falle eines Umzugs außerordentlich kündigen. Das Recht zur außerordentlichen Kündigung kann bei Dauerschuldverhältnissen nicht wirksam ausgeschlossen werden. Voraussetzung für die Kündigung ist gemäß § 314 BGB ein wichtiger Grund. „Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.“ Das dürfte bei einem Umzug über größere Entfernung gegeben sein. Ich weiß jetzt nicht, ob es schon Entscheidungen konkret zu einem Betreuungsvertrag gibt. Jedenfalls lassen Gerichte einen Umzug zB als wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung bei Verträgen mit Telefonanbietern gelten. Für die außerordentliche Kündigung gibt es keine konkrete Frist, allerdings verlangt § 314 Abs. 3 BGB, dass man innerhalb einer angemessenen Frist kündigt, sobald man vom Kündigungsgrund Kenntnis erlangt. Im konkreten Fall würde ich die Kündigung frühestens dann abgeben, wenn der Vertrag für das Grundstück und für die Bauleistungen unter Dach und Fach ist. Ich glaube nämlich kaum, dass dieser ehrgeizige jetzige Zeitplan Bestand haben wird. Ende des Betreuungsvertrages wird dann das voraussichtliche Umzugsdatum sein.
    Wer ist denn der Träger von Eurem Kindergarten? Solche Dinge sollte man am besten mit jemandem klären, der sich damit auskennt, und nicht gerade mit der örtlichen Erzieherin, die im Zweifel von der Vertragsgestaltung gar keine Ahnung hat. Vermutlich kann man da ohnehin eine vernünftige Regelung treffen, ohne dass es gleich zum (Rechts-)streit kommen muss….
    Alles Gute für Euch!
    rain

    • tekelek Says:

      Hallo !
      Vielen Dank für diesen informativen Beitrag ! Es gibt keinen Träger, es handelt sich um eine private Einrichtung, die Erzieherinnen sind gleichzeitig die Inhaberinnen. Allerdings wird der Kindergarten ab September Zuschüsse von Bund und Gemeinde bekommen, ich weiß nicht, ob sich dann am Vertrag etwas ändern wird – wahrscheinlich aber nicht.
      Das ist auch mein Plan, kündigen, sobald wir alles unter Dach und Fach haben, die Verträge unterschrieben sind und wir ungefähr abschätzen können, wann wir umziehen werden.
      Liebe Grüße,

      Katrin

  5. Martina (Irgendwo im Norden) Says:

    Ich würde auch mit dem Kindergarten sprechen. Meistens haben die doch sowieso ellenlange Wartelisten und dürften keine Probleme haben, die Plätze neu zu belegen. Ich hatte meinen Sohn letztes Jahr 3 Monate hier zu Hause, weil ich die Krippe vorzeitig gekündigt hatte und der Kindergarten erst später anfing und ich fand es sehr anstrengend, und es war wohlgemerkt nur ein Kind und ich war nicht schwanger… Tu dir den vermeidbaren Stress in deinen Zustand und in Eurer Situation mit Bauen und Umzug nicht an. LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: