Morgendliche Erziehungslektionen

Puh, dieser Morgen hat mich wirklich geschafft. Nicht nur, daß wir etwas verschlafen hatten und erst um 7 Uhr aufstanden. Nein, unser Sohn hatte irgendwie den falschen Fuß erwischt und spielte Rumpelstilzchen.

Es fing damit an, daß ich ihn zwar fast komplett anzog, dann aber von ihm verlangte, daß er wenigstens die Socken alleine anziehen sollte. Das war zuviel. Er fing an zu schreien und zu wüten, meinte, er hätte keine Lust, sich die Socken alleine anzuziehen und ich solle das gefälligst machen.

Also ließ ich ihn herumbrüllend auf dem Boden sitzen und ging mit Emilia im Schlepptau nach unten, um das Frühstück herzurichten, denn im Befehlston lasse ich nicht mit mir reden, schon gar nicht wenn die Befehle gebrüllt werden. Unser Sohn ist aber sehr ausdauernd. Er schrie und schrie, wütete herum, schmiss die Socken die Treppe herunter und als alles nichts half, kam er mit den Socken in der Hand nach unten und hüpfte dort eben weiter herum.

Vor lauter Aufregung und Herumbrüllen war dann irgendwann die Hose nass, also bat ich ihn, ins Bad zu gehen, sich auszuziehen und mich zu rufen, wenn er damit fertig sei. Er ging zwar ins Bad, schrie aber weiter herum.

In diesem Moment kam dann die große Schwester zum Einsatz. Meine Tochter meinte, ich solle ihm doch helfen, er sei doch so unglücklich und wenn ich nicht zu ihm ginge, würde sie eben gehen und ihm helfen. Also erklärte ich ihr, warum ihm damit nicht unbedingt geholfen wäre. Ich sagte ihr, daß ich auch ab und zu keine Lust habe etwas zu machen, z.B. Wäsche zu waschen, mitten in der Nacht aufzustehen, Essen zu kochen, daß ich es aber trotzdem mache, da wir sonst nichts mehr anzuziehen haben, die Kinder Angst bekommen oder wir alle hungrig am Tisch sitzen. Dann fragte ich sie, wie denn ihr Bruder lernen solle, daß man eben oft Dinge tun muß, auf die man keine Lust hat, wenn man ihm ständig alles abnimmt.

Das Tochterkind schaute mich aus großen Augen an und ich sah es hinter ihrer Stirn förmlich arbeiten, sie verstand aber, was ich ihr sagen wollte, denn sie blieb am Tisch sitzen.

Ziemlich bald hörte auch das Gebrülle aus dem Badezimmer auf und Sohnemann stand splitterfasernackt in der Dusche. Und zog sich nachdem ich ihn geduscht hatte dann sogar KOMPLETT selber an, nicht nur die Socken …

Vielleicht mag mich der eine oder andere als grausame Mutter ansehen, das arme Kind brüllen zu lassen, aber ich denke, daß es ihm eher nützt zu erkennen, daß man mit Schreien eben nicht viel erreichen kann und daß man seine Socken auch anziehen kann, wenn man gerade keine Lust darauf hat …

Edit: Natürlich habe ich unseren Sohn nicht einfach nur schreien lassen, sondern ihm erklärt, warum ich so reagiere. Anschließend, als er fertig angezogen war, habe ich ihn nochmal in den Arm genommen, geknuddelt und getröstet. Nicht daß jemand das Geschriebene mißversteht …

Advertisements

Eine Antwort to “Morgendliche Erziehungslektionen”

  1. Dorothea Says:

    Kommt mir bekannt vor! Eine ähnliche Szene ereignete sich bei uns gestern – und auch mein Sohn hat ein erstaunliches Durchhaltevermögen. Allerdings hätte mich jeder Zen-Meister für meine Geduld gelobt. Ich habe eine Stunde lauten Schreiens ertragen, habe ihm zwischendurch ganz ruhig gesagt was ich von ihm möchte und mich ansonsten mit seiner Schwester ausgiebig beschäftigt. Leider blieb der Schreianfall nicht ohne Konsequenzen und er verarbeitete ihn – wieder schreiend – im Traum…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: