Alptraum vorbei

Endlich hat dieser Alptraum ein Ende. Dachte ich am Wochenende noch, unser Kind hätte einfach wieder einen weiteren banalen Infekt, so war ich am späten Sonntagnachmittag doch so weit, zum Bereitschaftsdienst zu gehen.

Ab Montag bekam unser Sohn dann ein Antibiotikum, da er nach wie vor hoch fieberte und immer mehr abbaute. Er wollte nichts essen, trank aber zum Glück viel Wasser, er hing den ganzen Tag nur flach atmend und jammernd an mir und bot ein Bild des Jammers.

In der Nacht auf Dienstag erneut sehr hohes Fieber, bis 40 Grad, und da machte ich mir dann richtig große Sorgen bzw. ich bekam langsam aber sicher Angst um unser Kind, was mir in sieben Jahren Muttersein fast noch nie in dem Ausmaß passiert ist. Ich saß mitten in der Nacht noch am Computer und googelte, konnte kaum mehr einschlafen und beobachtete fast pausenlos dieses Bündel in unserem Bett, das immer wieder wimmernd oder weinend aufwachte und sich anfühlte wie ein kleiner Ofen …

Gegen Mittag stand ich dann in der Praxis des Arztes, der unseren Jüngsten am Sonntag gesehen hatte und ich berichtete ihm, daß das Antibiotikum bis dato keinerlei Besserung bewirkt hatte, sondern ich im Gegenteil den Eindruck hätte, der Zustand unseres Kindes sei noch ernster. Er hörte die Lunge ab, untersuchte ihn gründlich, nahm aber wie am Sonntag kein Blut ab (das verstehe ich nach wie vor nicht, unsere Kinderärztin in München hat immer wenigstens ein kleines Blutbild abgenommen, wenn die Kinder einen schweren Infekt hatten), sondern meinte nur, daß er das Knistern in der Lunge am Sonntag nicht gehört hätte und er mir nun doch ein anderes Antibiotikum aufschreiben würde.

Dieses besorgte ich in der nächsten Apotheke, zusammen mit Medikamenten zum Inhalieren. Zu Hause beschloß ich aber nach einigem Hin und Her, vorerst doch bei dem ersten Antibiotikum zu bleiben, denn dem entzündeten Finger tat es eindeutig gut und da dieser bestimmt keinen unerheblichen Anteil an der ganzen Misere hatte, war mir dieser Heilungsfortschritt wichtiger.

Heute dann ein fieberfreies Kind mit nurmehr dunkelrosa gefärbtem und fast komplett abgeschwollenem Fingerendglied, zwar noch mit sehr verschleimten Bronchien, die aber dank eifrigen Inhalierens auch schon auf dem Weg der Besserung sind.

Im Rückblick hat der Finger doch eine größere Rolle gespielt als alle dachten (“ist doch nur der eine Finger”), meine Freundin, die ebenfalls Ärztin ist, meinte sogar, daß es sich eventuell um eine beginnende Sepsis gehandelt hat (Blutvergiftung). Deshalb vielleicht auch das verzögerte Einsetzen der Antibiotikawirkung, der rasche Verfall unseres Sohnes (den ich kaum mehr wiedererkannte, kaum Reaktionen auf seine Umwelt, gestern morgen sogar zu schwach zum Stillen das ihm sonst sehr wichtig ist, nur am Weinen und Schreien) und ein Finger der aussah, als ob er gleich aufplatzt …

Ich war heute so froh und dankbar, daß es ihm wieder deutlich besser geht. Er lacht wieder, er spielt, er isst fast normal und ist einfach wieder das Kind, das vor dem letzten Wochenende hier herumtobte. So sehr ich auch die unüberlegte Gabe von Antibiotika verurteile, in unserem Fall war es eindeutig nötig und ich möchte nicht wissen, wie es ohne  ausgegangen wäre, so geschwächt wie der kleine Körper war …

4 Antworten zu „Alptraum vorbei“

  1. Kathrin sagt:

    Puh!
    Nur kurz.

    Schön, dass es dem Kleinen wieder besser geht!
    Und Dir eine Verschaufpause.

    LG
    kathrin

  2. nilaja sagt:

    Ich bin ebenfalls froh, dass es Euch wieder besser geht.
    VlG und alles Gute
    Nilaja

  3. féizào sagt:

    Das ist schön und erleichternd zu lesen!
    Ich wünsch dem Kleinen weiterhin gute Besserung und euch alles Gute!

  4. aleXXblume sagt:

    Gott sei Dank! Genau das war meine Vermutung, als ich nach dem Finger fragte… Sepsis. Mönsch, das hätte böse ausgehen können! Da hat Euer Knopf ein Riesenglück gehabt. Und ehrlich gesagt, ich würde das nächste Mal zu einem anderen Arzt gehen….. stell dir mal vor, das Antibiotikum hätte zufällig die Entzündung im Finger nicht in den Griff bekommen… Hätte er ein Blutbild gemacht, hätte er es auch schon früher gemerkt, wo der Hase langläuft.

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